Opels Weg in die Zukunft
"Motorsäge raus"

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Opel steht nach dem beschlossenen Verkauf ein steiniger Weg bevor. "Die holen jetzt sofort die Motorsäge raus", fürchtet ein Gewerkschafter von Bald-Besitzer Magna. Mehr als 10.000 Jobs sind bedroht.
(dpa/cj) Um den Verkauf von Opel unter Dach und Fach zu bringen, wollen die Verhandlungspartner bereits in der kommenden Woche zusammenkommen. Die IG Metall erwartet harte Verhandlungen mit dem designierten Opel-Käufer Magna. Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) rechnet noch mit viel Arbeit. Magna-Eigentümer Frank Stronach dämpfte in einem Interview mit der Boulevardzeitung "Österreich" allzugroße Euphorie: "Opel hat schon lange keinen Profit mehr gemacht und die Wirtschaft ist zurzeit auch nicht so blühend. Es wird für alle Beteiligten ein harter Weg werden. Wir sind sicher erst am Anfang." Russland werde in dem Geschäft eine ganz große Rolle spielen.
Vertragsabschluss bis Ende November 2009 geplant
Nach monatelangem Bieterwettstreit hatte General Motors zugestimmt, 55 Prozent des deutschen Autobauers an den Zulieferer Magna und und dessen russischen Partner Sberbank zu verkaufen. GM behält 35 Prozent, zehn Prozent soll die Belegschaft übernehmen. Magna und die Sberbank teilen sich die 55 Prozent je zur Hälfte. Details des Vertrages stehen aber noch aus. "Wir arbeiten mit Magna und Sberbank zusammen, um bis Ende November zu einem Abschluss zu kommen", sagte GM-Verhandlungsführer John Smith. Magna will nach früheren Informationen rund 3000 der mehr als 25.000 Opel-Arbeitsplätze in Deutschland streichen, aber alle vier deutschen Standorte erhalten. Die Bundesregierung hatte in dem zehn Monate langen Poker zuletzt Unterstützung von 4,5 Milliarden Euro von einer Entscheidung für Magna abhängig gemacht. Magna will europaweit rund 10.500 Stellen bei Opel und der britischen Schwester Vauxhall streichen – das wäre jeder fünfte Arbeitsplatz.
"Harter, kantiger Arbeitgeber"

Bild: Werk
Kritik aus der Opposition
Wirtschaftsminister zu Guttenberg nannte den Verkauf ein "erfreuliches Signal". Es biete die Chance, dass sich das Unternehmen restrukturiert und auf den Märkten wieder als Wettbewerber auftreten kann, sagte der CSU-Politiker. Kritik am Opel-Verkauf kam dagegen aus den Reihen der Opposition. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle äußerte Zweifel am Verkauf und forderte die Bundesregierung zur Offenlegung sämtlicher Vorverhandlungsunterlagen auf. Die Arbeitsplätze seien überhaupt nicht gerettet. "Das ist in Wahrheit nichts anderes als eine Maßnahme zur Stärkung der eigenen Regierungsparteien bei der Bundestagswahl", kritisierte er im ZDF. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) verteidigte die Staatsbürgschaften für Opel. Die Lasten durch eine Insolvenz wären ungleich höher gewesen.
Experte: Insolvenz nicht vom Tisch
Der Autoexperte Wolfgang Meinig hält eine eine Insolvenz von Opel in den nächsten Jahren für möglich. "Das Thema Insolvenz wird uns in den nächsten Jahren jeden Tag, jede Woche begleiten", sagte er im Bayerischen Rundfunk. Ob Opel weiter bestehen wird, hänge davon ab, ob der Autobauer Fahrzeuge entwickele, die angenommen werden. Außerdem sei Opel nach wie vor von General Motors abhängig, bislang habe GM selbst keine guten Ideen gehabt.
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