In Kempten (Allgäu) ist ein spektakulärer Diebstahl aufgeflogen: Ein 40-jähriger Stadtmitarbeiter steht im Verdacht, über Jahre hinweg rund eine Million Euro aus kommunalen Parkscheinautomaten gestohlen zu haben. Der Mann war beim städtischen Betriebshof angestellt – und genau dort für die Leerung der Parkautomaten zuständig. Eine Vertrauensposition, die er laut Polizei und Staatsanwaltschaft massiv ausgenutzt haben soll.
Auf die Spur brachte die Ermittler kein Zeuge oder Zufall, sondern die Bank des Beschuldigten. Dort waren immer wieder Bargeldeinzahlungen in auffälliger Höhe auf mehreren Konten des Mannes eingegangen. Die Beträge wirkten so systematisch, dass die Bank eine Geldwäsche-Verdachtsmeldung abgab. Ab diesem Moment lief die Maschinerie der Strafverfolgung an.

Münzdiebstahl aus Parkautomaten: 720 Einzelfälle

Ermittelt wird in 720 Einzelfällen, in denen der Stadtmitarbeiter Münzgeld aus Automaten entnommen haben soll. Auch die 38-jährige Ehefrau geriet ins Visier der Ermittler: Sie war für mehrere Konten mitverfügungsberechtigt und soll nach bisherigem Stand Beihilfe geleistet haben.
Ein Ermittlungsrichter erließ inzwischen Haftbefehl wegen Diebstahls gegen den Mann. Seine Frau sitzt nicht in Haft, wird aber wegen Beihilfe geführt. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Unter anderem wird geprüft, über welchen Zeitraum und mit welchen Methoden das Paar vorgegangen sein könnte.
Klar ist schon jetzt: Der mutmaßliche Diebstahl hatte System. Und er zeigt, wie anfällig kommunale Strukturen sein können, wenn Kontrolle und Vertrauen aus dem Gleichgewicht geraten.