Peugeot 208 GTi vs Musketier 208 Engarde: Tuning gegen Serie
Mild oder wild?
Der Peugeot 208 ist sehr ausgewogen, aber wenig wild – selbst als GTi. Tuner Musketier nimmt sich einen 208 155 THP zur Brust und findet doch ein paar erfrischend ungestüme Charakterzüge.
Frank Wiesmann
Hollywood malt mitunter ein ziemlich plastisches Bild, wie sich die Frauen uns Männer idealerweise vorstellen. Der Göttergatte hat sensibel, fürsorglich, einfühlsam zu sein – eben der perfekte Gentleman. Die Realität lehrt einen jedoch, dass man mit der aalglatten Tour mitunter doch nicht so gut ankommt, wie Clooney, Pitt und Co. vorspielen. Wenig verwunderlich, hegen wir Jungs doch bei Autos ähnliche Gelüste. Perfektion ist toll, langweilt aber auf Dauer ganz schön – besonders wenn es sich um potente Kleinwagen dreht.
Der Peugeot 208 GTi ab Werk ist gesittet, aber auch unaufregend.
Bild: Ronald Sassen
Peugeot zügelt die Leidenschaft, bevor sie überhaupt richtig aufflammt. "Heiße Drifts à la 205 GTi wird es beim starken 208 nicht mehr geben", verkünden die Franzosen im Frühjahr bei der Fahrvorstellung. Das bestätigt sich auch bei der ersten, ausgiebigen Proberunde. Der 1,6-Liter-Turbo tritt satt an, knurrt aber verhältnismäßig kultiviert und faucht allenfalls dezent. Auch das Fahrverhalten ist frei von Tadel, aber völlig ruhiggestellt. Brav untersteuernd flitzt der 208 GTi ums Eck, selbst Lastwechsel reizen seinen kompakten Hintern nicht zum Mitlenken. Es fehlt einfach Pfeffer.
Der Tuner Musketier kitzelt 48 Mehr-PS aus dem Motor des 208.
Bild: Ronald Sassen
Was man Musketiers 208 nicht gerade nachsagen kann – zumindest klangtechnisch. Dem friedfertigen Brummen des Serienautos tritt die Tuningvariante mit unmissverständlich präsentem Knurren entgegen. Auch das "Engarde" getaufte Bodykit samt Frontspoilerlippe, Heckschürze inklusive Duplex-Auspuffanlage, Kotflügel-Radabdeckungen sowie Seitenschwellersatz zeigt: Hier will einer nicht bloß spielen. Dabei setzt der Peugeot-Veredler aus Oberhausen nicht auf das Topmodell GTi als Basis, sondern steigt stattdessen mit dem 208 155 THP eine Etage tiefer ein.
Fazit
von
Frank Wiesmann
Zaubern kann auch Mus- ketier nicht: Der getunte 208 bleibt fahrdynamisch lammfromm, holt den Sieg aber durch seine kräftigere Stimme und bessere Fahrleistungen. Dem ausgewogenen 208 GTi bleibt mit zartem Sound und schlechterer Performance der zweite Platz. Beiden fehlt die kontrolliert lastwechselnde Unbekümmertheit eines Ford Fiesta ST.