Fahrbericht Peugeot E-Legend

Peugeot E-Legend: Fahrbericht

So fährt der Peugeot E-Legend

Peugeot verpackt in der Studie E-Legend das autonome Fahren im Look eines Evergreens. AUTO BILD lenkte den Stromer aber selbst.
Der Tacho zeigt 16 km/h, ich habe noch 30 Meter bis zur Wand. Draußen schwitzen die Verantwortlichen von Peugeot, weil sie ihr sündteures Showcar ausnahmsweise nicht ferngesteuert lenken, sondern einem fehlerhaften Menschen überlassen haben: mir. Der E-Legend rumpelt und knirscht, wie das handgemachte Einzelstücke nun mal tun. Hier drinnen ist es brütend heiß, oder ist es die Aufregung? Irgendwo in dem Riesen-Cockpit sirrt ein Lüfter, lüftet aber nicht. Noch 15 Meter, ein Tritt aufs Pedal. Immerhin, die Bremse funktioniert.

E-Legend-Fahrleistungen existieren nur auf dem Papier

Nur Theorie: Der E-Legend könnte in vier Sekunden auf Tempo 100 sprinten – mit dem richtigen Motor.

Wir müssen hier was klarstellen. Kein Showcar, nicht eine dieser schönen Hüllen kann in der Realität das, was die Hersteller vor Messen versprechen. Ob autonomes Fahren, neue E-Antriebe oder tolle Materialien – das testen Autobauer in bewährten Modellen, nicht in teuren Exoten, die beim Unfall Millionen versenken. Die Mannequins auf Rädern sind viel zu anfällig, manche können gar nicht fahren. Der E-Legend kann das immerhin. Nicht mit 340 kW an Bord, nicht mit 100 kWh großem Akku, sondern alles drei Nummern kleiner. Die Zahlen, die der Hersteller angibt, müssen wir so verstehen: Würde Peugeot ein Coupé dieser Größe mit diesem Antrieb ausrüsten, dann wären entweder unter vier Sekunden auf Tempo 100 drin oder 480 Kilometer Reichweite. Rein rechnerisch, das machen die meisten Produzenten so. Also kein Vorwurf an Peugeot.

Das Design-Zitat steht der E-Legend-Hülle vorzüglich

Großes Vorbild: Mit dem 504 Coupé zitiert der E-Legend einen zeitlos schönen Peugeot-Klassiker.

Loben wir lieber die französischen Designer, die für ihre Studie eine Markenikone als Vorbild gewählt haben: das 504 Coupé von 1969, "der einfach perfekte Linien besaß", wie Matthias Hossann, Chef aller Concept-Cars bei Peugeot, schwärmt. "So schwingend leicht in den Linien, dabei innen so hell, als würde das Auto schweben." Die Eleganz des 504 schlummert auch im E-Legend, natürlich etwas bulliger bei 1,93 Meter Breite, ohne gleich in den Muscle-Car-Look abzugleiten. "Wir wollten alltagsnah bleiben, mit realistischen Proportionen", betont der Designer. Und das ist gelungen, die 19-Zoll-Räder wirken fast bescheiden, wo schon Serien-SUVs heute mit 22 Zoll vorfahren. Der Erfolg gab Hossann recht: Der E-Legend erntete Applaus auf dem Pariser Salon, Applaus in Shanghai, auf der Möbelmesse Mailand und anerkennendes Nicken der schicken Hüte beim renommierten Schaulaufen an der Villa d’Este. Echte Schönheit vergeht eben nicht.
Warum der 504-Look? "Wir wollen die neue Technik vorstellen, sie aber emotional verpacken, weil sie erst dann die Menschen erreicht, statt sie abzustoßen." Und Neues steckt reichlich im E-Legend, der auf Knopfdruck seine Tür öffnet. Die Mittelkonsole ist geschrumpft auf ein kleines Display, hinterm Lenkrad stehen drei weitere Mini-Monitore, die je nach Fahrmodus anzeigen oder verschwinden. Im Modus "Legend" lenke ich selbst, in "Boost" wird's sportlicher.

Beim autonomen Fahren wird der Peugeot zum Kino

Großes Kino: Frontpassagiere können Filme auf einem 49 Zoll großen Monitor im Fußraum schauen.

Und im Modus "Autonom" führt die Studie ihren größten Trick vor: Das Lenkrad verschwindet mit einem halben Salto sirrend im Armaturenträger, der Sitz fährt zurück in Kinostellung. Und im Fußraum läuft ein Film auf dem 49 Zoll großen Bildschirm, weil der E-Legend ohne Fahrer auskommt. Nach Level 4, das heißt: hochautomatisch, nur im Notfall greift der Pilot ein. Dieses Niveau beherrscht das Showcar nicht, aber den Traum, wie das aussehen könnte, bringt es traumhaft schön rüber. Hände in den Schoß, Film ab. Der läuft auch auf zwei Displays in der Türverkleidung, sodass die Insassen einen visuellen Surround-Effekt erleben, fast 180 Grad um sich herum. Und sollten die beiden vorne sich nicht einigen auf ein Programm, dann fahren im E-Legend aus den Sonnenblenden zwei individuelle Monitore. Bei insgesamt 16, meist hochauflösenden Displays im Auto sollte man keine Pixel-Allergie haben.

In dieser Form wird die Studie leider nie gebaut

Trotz einer Petition mit vielen Unterzeichnern wird es der E-Legend so nicht in die Serienproduktion schaffen.

Sondern lieber ein Stöffchen mögen, das irgendwo zwischen Oma und schmeichelsanft liegt. "Wir sahen an einem alten 504 diesen türkisfarbenen Samt und waren spontan verliebt: Der musste ins Auto", so Projektleiter Hossann. "An dem Samt hat sich die gesamte Auswahl von Farben und Einrichtung orientiert. Auch das gleichfarbige Mesh-Gewebe an Sitzen, das dunkle Paldao-Holz und der Lack in Champagner-Grau." Heraus kam ein faszinierendes Remake des 504, das nach dem Messedebüt sogar eine Petition im Netz ausgelöst hat: Fast 60.000 Unterstützer fordern, Peugeot solle dieses Auto bauen. Matthias Hossann muss die Fangemeinde enttäuschen, auch wenn unsere Fahrt mit 16 km/h wieder den Mund wässrig macht. "In dieser Form wird das Auto nie kommen." Der E-Legend gibt ein Gefühl für die Zukunft, mehr aber nicht. Das Morgen sieht bei Peugeot aus wie der neue 208 Electric. Der erste moderne Stromer der Marke hat einen 100-kW-Motor, kostet 30.490 Euro und kommt Anfang 2020.

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