Ankommen ist das Ziel, doch Durchhalten ist alles. Kein anderer Hersteller in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC erlebt seit seinem Debüt im Juli 2022 ein derartiges Martyrium wie Peugeot. Die Bilanz des einst als Revolution gefeierten 9X8 in der Hypercar-Klasse fällt ernüchternd aus: Gerade einmal ein Podestplatz in Fuji 2025 und eine Pole Position in Spa 2026 stehen bislang zu Buche.

Jubiläum unter schwierigen Vorzeichen

Auch vor der 94. Auflage der 24 Stunden von Le Mans sieht die Ausgangslage für die Lokalmatadoren alles andere als rosig aus. Im 18 Fahrzeuge starken Hypercar-Feld starten die beiden Peugeot lediglich von den Positionen 16 und 17.
Zu wenig für einen Hersteller mit einer so großen Motorsport-Historie. Zumal Peugeot in diesem Jahr sein 100-jähriges Le-Mans-Jubiläum feiert. Der vierte Gesamtsieg nach 1992 und 1993 war eigentlich das große Ziel.
Peugeot startet nur aus der letzten Reihe der Hypercar-Klasse in den Langstreckenklassiker.
Bild: FIA WEC / DPPI
„Der 9X8 ist ein sehr komplexes Rennauto, und es zur Siegfähigkeit zu entwickeln, ist eine massive Herausforderung“, sagt Sportchef Emmanuel Esnault, der seit Saisonbeginn die Rolle des Teamleaders übernommen hat.

Peugeot: Kampf gegen die Grenzen des Reglements

Trotz der schwierigen Lage will Peugeot nicht aufgeben. „Unsere Leute werden nicht aufgeben. Niemals“, betont Esnault. „Im Rennen kann alles Mögliche passieren. Also wollen wir jede Chance nutzen, strategisch gut und clever sein.“
Der Franzose lobt vor allem die Mentalität seiner Mannschaft. „Jeder beweist täglich ein hohes Maß an Resilienz.“ Seine Mitarbeiter befänden sich im „Warrior Mode“, im Krieger-Modus.
Die Herausforderung: Das technische Reglement erlaubt nur sehr begrenzte Entwicklungsschritte. Anders als in der Formel 1 können die Hersteller nicht ständig neue Teile ans Auto bringen. Größere technische Änderungen sind nur über die sogenannten Joker möglich, die streng reglementiert sind.
„Aber das Buch der Gelegenheiten ist weit geöffnet“, sagt Esnault. „Wer weiß, wo wir am Sonntagabend stehen?“

Fehlerfrei durch die 24 Stunden

Noch am Freitag vor dem Rennen arbeiteten die Ingenieure intensiv an der Abstimmung der beiden Fahrzeuge. Dabei setzt Peugeot nicht nur auf Daten und Simulationen.
Trotz der schwierigen Lage will Peugeot nicht aufgeben.
Bild: FIA WEC / DPPI
„Wissenschaft, Engineering und Rennstrategie sind das eine“, erklärt Esnault. „Aber das Gefühl des Fahrers und sein Feedback sind etwas anderes – und mindestens genauso wichtig.“
Ex-Formel-1-Pilot Paul di Resta sieht vor allem eine Aufgabe: „Keine Dummheiten machen.“ Der Schotte weiß: „Man kann kein Rennen in der ersten Kurve gewinnen. Aber verlieren.“
Die technische Zuverlässigkeit bewertet er positiv. Entscheidend sei nun, Fehler zu vermeiden – sei es bei der Reifenwahl, beim Luftdruck oder in strategischen Situationen.
„Wir müssen so problemlos wie möglich durchkommen“, lautet sein Credo.

Hoffnung trotz düsterer Aussichten

Auch Teamkollege Theo Pourchaire mahnt zur Geduld. „Es ist ein hartes, langes Rennen. Und von so weit hinten, wo wir starten, ist es nicht einfach.“
Zusätzlichen Gegenwind bekam Peugeot kurz vor dem Rennwochenende vom Veranstalter ACO. Dieser bestätigte, dass das aktuelle Hypercar-Reglement bis 2030 unverändert bestehen bleibt. Erst danach soll die bislang zweigleisige Hypercar-Struktur vereinheitlicht werden.
Für Peugeot könnten also noch einige schwierige Jahre bevorstehen. Doch Markenchef Alain Favey bleibt demonstrativ optimistisch.
„Wir sind in Spa auf Pole gefahren, in Imola waren wir nah dran. Wir haben allen Grund, optimistisch zu sein“, sagt Favey. „Wir werden weiter in der WEC antreten. Jetzt müssen wir beweisen, dass wir die Performance auch in Konkurrenzfähigkeit umsetzen können.“
Autor: Gregor Messer