Alkoven-Mobile sind allgemein etwas aus der Mode gekommen. Das mag damit zu tun haben, dass sie oft optisch kein Genuss sind, weil ihre Proportionen wenig elegant wirken; vielleicht auch damit, dass sie in den Augen vieler designfixierter Zeitgeistfahrer ein bisschen das Image des spießigen Budget-Wohnmobils bekommen haben. Bei Phoenix hat man wenig Bedenken, dass die Produkte des Hauses als billige Massenerzeugnisse wahrgenommen werden könnten. Denn gebaut wird hier nur auf Bestellung.
Zwar weist der Katalog 75 Alkoven- und Liner-Grundrisse zwischen gut sieben und elf Meter Außenlänge mit Grundpreisen zwischen 181.500 und 492.500 Euro aus. Aber das sind quasi nur Vorschläge, die jeweils nach Kundenwunsch individuell geändert werden können. Insofern ist auch unser gefahrener Maxi-Alkoven 8800 BGS nur eine Möglichkeit, ein Alkoven-Mobil auf Basis des Iveco-Daily-Chassis mit 5,10 Meter Radstand bauen zu lassen – so etwas wie eine Momentaufnahme.

Das ist der Phoenix Maxi-Alkoven

Vor allem erst mal stattlich. Auf 9,30 Meter Länge ragt der Maxi-Alkoven gut 3,50 Meter hoch auf; der Testwagen ist auf 2,35 Meter Außenbreite konfiguriert – man könnte ihn aber auch 2,45 Meter breit bekommen. Das Besondere am BGS (Bad, Garage, Seitenbett) genannten Grundriss: Das Heckschlafzimmer mit dem Queensize-Querbett, das dem hinten Schlafenden nächtliche Kletterei erspart, weil am Fußende noch ein schmaler Gang bleibt, durch den man bei Bedarf hinaustreten kann. Dieser Gang dürfte allerdings gerne ein bisschen breiter sein; dazu wäre es nützlich, bei der Bestellung zehn Zentimeter mehr Außenbreite zu vereinbaren.
Phoenix Maxi-Alkoven 8800 BGS: Reisemobil im Test
In der Seitenansicht wird die enorme Länge (9,30 Meter) des 8800 BGS deutlich – die der Alkovenform ihre Mopsigkeit nimmt.
Bild: Erwin Fleischmann
Zwischen Wohn- und Schlafraum ist das Bad untergebracht – hier eine Art kleiner Spiegelsaal. Denn außer dem gewinkelten Spiegel über dem Waschtisch gibt es einen zweiten über der Schminkkommode, die zwischen Duschkabine und Schlafzimmertür an der Querwand thront. Eine noble Keramik-Spültoilette, ein Maxxfan für die wirkungsvolle Entlüftung und eine große Anzahl an Schränken, Schubladen und Staufächern komplettieren den fürstlichen Badesaal.
Motorisierung 
FPT 3.0 Liter FIC Euro 6e 
Leistung 
152 kW (207 PS) bei 3500/min
Hubraum 
2999 cm3 
Drehmoment 
470 Nm bei 1500/min 
Höchstgeschwindigkeit 
≤ 100 km/h 
Getriebe/Antrieb 
8-Stufen-Wandlerautomatik, Hinterrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 
170 l/Diesel + 25 l AdBlue 
Länge/Breite/Höhe 
9300/2350/3510 mm 
Masse fahrbereit/Zuladung 
5475/2015 kg 
Grundpreis/Testwagenpreis 
247.100 Euro / 343.210 Euro
Im Wohnraum gibt es eine Face-to-Face-Sitzgruppe; erweitert man den Teleskopfuß-Tisch mit der abklappbaren Zusatzplatte, wird er auch von der Seitencouch gut erreicht. Die Couch wird mit Einlegeplatte und -polstern angebunden zu einer großzügigen L-Sitzecke, wenn man zuvor die Durchgangs-Schiebetür geschlossen hat. Womit wir beim ersten grundlegenden Vorteil dieses Alkoven-Mobils gegenüber einem Liner wären: Wärmedämmung und Raumklima sind prinzipiell besser, wenn das immer mit reichlich Kältebrücken versehene Fahrerhaus von der Wohnung abgetrennt wird. Nebenher schafft die stabile Schiebetür auch noch zusätzlichen Einbruchsschutz, sie kann mit einem stabilen Drehriegel gesichert werden. Im Alkoven wartet ein bequemes, 1,60 m breites Doppelbett – außerdem geräumige Dachstaukästen rundum.
Phoenix Maxi-Alkoven 8800 BGS: Reisemobil im Test
Die Face-to-Face-Dinette wird zur geräumigen L-Sitzgruppe.
Bild: Erwin Fleischmann
Die Großzügigkeit des Wohnabteils setzt sich in der Küche fort. Dreiflammenherd, große Spüle mit zusätzlichem Abgießbecken, Designerwasserhahn mit Schlauchbrause, Gasbackofen mit Grillfunktion und Schubfach für die Backbleche: Das hat manche Küche zu Hause nicht. Die 1,59 m breite Arbeitsfläche aus gefrästem Mineralgranit hat eine – verblüffend schwere – Abdeckplatte fürs Spülbecken; im haushaltsüblichen Abfallauszug erlauben drei Abteilungen die korrekte Mülltrennung; und angesichts der vielen Schubladen muss sich der Herr oder die Herrin der Töpfe und Pfannen nicht einschränken. Die Vorratshaltung, auch für Frischwaren, ist mit dem 195-Liter-Kühlschrank nebst 44-Liter-Tiefkühler auch kein Problem.

Das hat das Alkoven-Mobil

Reichlich Extras sind im Testwagen schon an Bord. Immerhin 96 110 Euro liegen zwischen dem Basis- und dem Testwagenpreis. Auf 59.820 Euro summieren sich allein schon die Chassis-Optionen: Das beginnt mit der Hinterachs-Luftfederung und dem Fahrsicherheitspaket mit den heute bei Pkw üblichen Assistenzsystemen, geht über den 207-PS-Motor mit Achtstufen-Wandlerautomatik und den 170-Liter-Dieseltank bis hin zum Doppel-DIN-Infotainmentsystem. Ein zweites Radio mit Soundsystem inklusive versteckt untergebrachtem Subwoofer beschallt den Wohnraum. Selbstverständlich ist eine Alde-Warmwasserheizung an Bord, hier mit separat regelbarem Kreislauf fürs Heckschlafzimmer.
Phoenix Maxi-Alkoven 8800 BGS: Reisemobil im Test
Versailles lässt grüßen: die Waschbeckenspiegel spiegeln sich in denen der Schminkkommode.
Bild: Erwin Fleischmann
Was mehr als all die Ausstattung beeindruckt, bei der stets hoher Gebrauchswert vor modischem Chichi steht, ist die enorme handwerkliche Qualität und Liebe zum Detail auch an verborgenen Stellen. Da gibt es keine lässig in die Sitztruhen geworfenen Kabelstränge, keine windigen Plastikabdeckungen, keine knarzenden Blenden. Buchstäblich bis in den hintersten Winkel der Installations- und Stauräume im doppelten Boden ist alles sauber verlegt, penibel aufgeräumt, sorgsam mit Metallschellen befestigt. Beinahe zu schön, um hier Reiseutensilien zu verstauen und damit die Ordnung zu verpatzen.

So fährt der Maxi-Alkoven 8800 BGS

Solide und durchaus komfortabel; aber entsprechend dem stattlichen Format nicht wirklich wendig. Zwar wirkt ein Alkoven-Mobil mit seinem überschaubaren Cockpit nie so ausufernd und unübersichtlich wie ein Liner; aber die 22 Quadratmeter Grundfläche durch enge Städte zu manövrieren und schrammenfrei zu rangieren, erfordert stets einen aufmerksamen Blick in die großen Außenspiegel und das hervorragende Bild der Heckkamera.
Eine Spezialität des neuen Iveco Daily als Basisfahrzeug sind eine Reihe von Assistenzsystemen, die helfen sollen, unfallträchtige Fahrfehler zu vermeiden: Notbremsassistent, aktiver Spurhalteassistent und ESP mit Seitenwindassistent sollen vor allem unkonzentrierten Fahrern helfen. Im Normalfall spürt davon nichts, wer nichts "falsch" macht; allenfalls benutzt man erfreut den Abstandsregeltempomat. Die Tempolimitwarnung findet man je nach Temperament nervig oder hilfreich.
Phoenix Maxi-Alkoven 8800 BGS: Reisemobil im Test
Die Spurverbreiterung dient nicht nur der Optik, sie erschwert auch das Festklemmen von Steinen zwischen den Zwillingsreifen.
Bild: Erwin Fleischmann
Der große Vierzylinder kann sein dieselndes Arbeitsprinzip akustisch nicht verleugnen; nach dem Anfahren unter Last lässt er gelegentlich ein kurzes Zittern spüren. Doch er bringt die 5,5 Tonnen Leergewicht zügig und kernig voran – und hat sicher auch mit den beachtlichen zwei Tonnen Zuladung keine Probleme. Beeindruckend ist die Geräuschlosigkeit von Auf- und Möbelbau auch auf rauer Fahrbahn: ein weiterer Beleg für die solide Bauweise und sorgfältige Verarbeitung.

Fazit

von

Thomas Rönnberg
Für den Normalverdiener bleibt so ein Nobel-Wohnmobil meist ein Traum. Es sei denn, er verkauft sein Haus und lebt fortan nur noch unterwegs. Auch dafür nutzen viele Phoenix-Kunden ihre Fahrzeuge; deshalb wirkt alles bis ins Detail so solide: gebaut wie für die Ewigkeit.