Dieses Downsizing kann ja ziemlich nerven. Motoren werden immer kleiner, alles gerät zunehmend enger und kompakter. Vernünftig mag das sein, Spaß macht es selten. So baut Phoenix bewusst große Mobile für gereifte Reisende mit Anspruch, zum Beispiel diesen Top-Liner 8900 BM-MBX. Mit seinem Lastwagen-Chassis verspricht er eine gewichtige Dauerhaftigkeit, und sein nobler, solider Aufbau spiegelt die gehobenen Wünsche einer selbstbewussten, finanziell unabhängigen Klientel wider, die jede Nerverei des Alltags längst hinter sich gelassen hat.

Der Riese kommt auch als 8,8-Tonnen-Version

Phoenix Top-Liner 8900 BM-MBX
Die Standard-Ausgabe des Top-Liner darf jeder fahren, der den alten Führerschein der Klasse 3 besitzt. Es bleiben jedoch nur 530 Kilo Zuladung.
Das ist er: Ein Riese auf Rädern, jedenfalls für alle, die im Alltag nicht Lastwagen fahren. An sein Steuer darf allerdings jeder, der den alten Führerschein der Klasse 3 besitzt: Mit 7,49 Tonnen bleibt diese Ausgabe des Top-Liner bewusst unterhalb der magischen Gewichtsgrenze, ist jedoch leer bereits so schwer, dass nur schmale 530 Kilogramm Zuladung erlaubt sind. Doch es gibt Trost: Auf Wunsch ist eine 8,8-Tonnen-Version erhältlich, wahlweise rollt der Phoenix auf einem veritablen 15-Tonnen-Chassis von MAN vor – der Aufpreis: stolze 39.500 Euro.
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Darf nicht passieren: Fading beim Bremstest

Phoenix Top-Liner 8900 BM-MBX
Leichtfüßig wedelt der Top-Liner nicht um die Pylonen, wie sollte er auch? Doch auf der Straße gibt er sich zahm und gut beherrschbar.
So fährt er: Für ein Auto dieser Größe – der Phoenix ist immerhin 9,05 Meter lang und 2,45 Meter breit – fühlt er sich am Steuer erstaunlich handlich und viel kompakter an, als er tatsächlich ist. Alles lässt sich leicht bedienen, und das im Luxuspaket (Aufpreis: 10.790 Euro) enthaltene automatisierte Sechsganggetriebe schaltet gemächlich durch die Gänge. Doch nicht nur der Radstand von 4,50 Metern, auch der lange Überhang erfordert Gewöhnung, besonders in Städten. Auf Fernstraßen reiht sich der Liner mit seinem 4,6 Liter großen Vierzylinder-Biturbo-Diesel (220 PS) in den Konvoi der Lastwagen ein. Kurven nimmt der Riese durchaus entspannt, solange es nicht allzu hektisch wird. Seine Hinterachse trägt ein Luftfedersystem, die mit Druckluft betätigten Scheibenbremsen entsprechen Lastwagenniveau. Dennoch scheiterte der Riese am Test der Bremsen: Nach der zweiten Messung aus Tempo 100 sprang der Wert massiv nach oben, der Bremsweg geriet unzumutbar lang – Fading. Das darf nicht sein. Hersteller MAN vermutet einen Defekt und checkt aktuell die Technik. Den Test wird AUTO BILD REISEMOBIL in Kürze wiederholen und darüber berichten. ABS übrigens gibt's ab Werk, Airbags dagegen nicht, nicht einmal gegen Geld. Zum Wohlfühlen am Steuer zählen allerdings auch Details, gerade in der Liner-Klasse – windige Plastikklappen im Armaturenbrett können deswegen ziemlich nerven. Dafür verwöhnen die beheizbaren Komfort-Schwingsitze.

Das Testmobil bringt Extras für über 70.000 Euro mit

Phoenix Top-Liner 8900 BM-MBX
Im elektrischen, auf 140 Zentimeter ausziehbaren Hubbett (2100 Euro) schlafen zwei Personen sehr bequem.

Das hat er: Viel, sehr viel – bis hin zu feinen Gläsern in der Vitrine. Wichtiger jedoch ist das riesige Bad mit Handtuchheizung oder der Schlafraum im Heck, der sich mit einer eleganten, von beiden Seiten laufenden Schiebetür (1050 Euro) verschließen lässt. Sein großes Bett misst ordentliche 148 Zentimeter Breite. An Grundrissen herrscht bei Phoenix kein Mangel, inklusive Lösungen mit einer Autogarage. Wer mag und zahlt, bekommt geliefert: Im Testmobil stecken Extras für über 70.000 Euro – zum Beispiel eine "Keramik-Toilette mit Festtank" (1950 Euro). Weniger glücklich allerdings dürfte die anspruchsvolle Klientel manche lieblose Kleinigkeit kommentieren: Unsauber gesägte Profile, hart einfahrende Schubladen oder sichtbar verlegte Gasleitungen passen nicht recht zum Anspruch dieses 350.000-Euro-Liners.

Fazit

Selbstbewusst und mächtig rollt der grundsolide Gigant vor, doch am Steuer ist die Größe kein Problem. Leider mangelt es an Brillanz in manchen Details. Die überraschenden Probleme der Bremsen fließen hier nicht ein – aktuell prüft Hersteller MAN die Technik, wir testen nach.