Kettenschaltung, Nabenschaltung oder Singlespeed? Als Radfahrer hat man die Wahl zwischen diesen drei Antriebsarten.
In puncto Performance hat sich die Kettenschaltung bewährt, die Kombination aus geringem Gewicht und einer hohen Übersetzungsvielfalt macht das System vor allem für sportliche Fahrer interessant. Nabenschaltungen findet man indes vor allem an City-Rädern. Dafür reichen meist sieben oder acht Gänge, generell sind Nabenschaltungen auch etwas weniger wartungsbedürftig. Singlespeed nutzen nur jene, die Gewicht sowie den Wartungs- und Bedienaufwand einer Gangschaltung einsparen möchten.
Ein Gegenentwurf zu diesen drei Antriebsarten ist die Getriebeschaltung von Pinion: Diese befindet sich am Tretlager, soll den geringsten Wartungsaufwand von allen Gangschaltungen bieten und zugleich eine große Vielfalt an Gängen bereithalten.

Schindelhauer Wilhelm: stilvoll und alltagstauglich

Wie gut sich eine Gangschaltung bewährt, erfährt man erst nach einigen gefahrenen Kilometern. Dafür haben wir von Schindelhauer ein Wilhelm-Citybike mit Pinion zur Verfügung gestellt bekommen. Um festzustellen, wie das System bei viel Schmutz und Nässe performt, haben wir den Test in den Wintermonaten durchgeführt.
Zunächst zum Rad: Das Wilhelm ist ein sportliches Cityrad, bei dem der Hersteller viel Wert auf ein schickes Design gelegt hat. Doch das Wilhelm ist ebenso alltagstauglich: Lichtanlage, Schutzbleche und Gepäckträger sind montiert, ebenso hydraulische Scheibenbremsen. Alles, was man zum Radeln im norddeutschen Winter benötigt.

Pinion-Getriebeschaltung C 1.12

Ein Fahrrad mit Pinion-Schaltung hat Seltenheitswert: Zunächst ist das System sehr teuer, oft mehrere hundert Euro Aufpreis gegenüber einer Kettenschaltung. Man sieht die Getriebeschaltung oft an Reiserädern, Globetrotter profitieren von dem geringen Bedarf nach Wartung. Zudem ist der gesamte Mechanismus geschlossen, dadurch ist die Pinion weniger defektanfällig als zum Beispiel ein klassisches Schaltwerk.

Pinion: Die Bedienung

Soweit die Theorie. Unser Testbike von Schindelhauer kommt mit einem 12-fach-Antrieb, Pinion C 1.12. Dieser ist laut Hersteller für Trekking, Mountainbike und Reise konzipiert: 600 Prozent Gesamtübersetzung, gleichmäßig abgestufte Gänge.
Die Bedienung ist simpel: Ein Drehgriff an der rechten Hand stellt den Gang ein. Genau wie bei Nabenschaltungen sollte man den Gang nicht bei Last auf dem Pedal einstellen. Wer das tut beschädige allerdings sein Getriebe nicht, so der Hersteller, der Gang springt einfach nur nicht ein. Praktisch ist, dass man zum Beispiel an der Ampel wartend schon den gewünschten Gang einlegen kann und diesen nicht – wie bei einer Kettenschaltung üblich – vorher einstellen muss.
Egal wie viel Dreck und Schmutz am Tretlager kleben, die Funktion bleibt davon unbeeinträchtigt.

Sorgenfrei trotz Wasser und Dreck

Sinnvollerweise haben die Entwickler zur Kraftübertragung keine Kette, sondern einen Carbonriemen verwendet. Der Vorteil ist, dass dieser den auftretenden Kräften deutlich länger widersteht und zudem nie geschmiert werden muss. Zusammen mit dem Riemen bildet die Pinion-Schaltung eine Kombination, die in Sachen Wartungsarmut ihresgleichen sucht.
Kurzum: Nerviges quietschen und regelmäßiges Ölen entfallen komplett. Selbst am Ende unseres Testzeitraums fährt der Antrieb wie am ersten Tag. Wer es wirklich übertreibt, und damit meinen wir groben Schlamm bei Dauerregen, sollten den Riemen vielleicht mit einer Bürste von grobem Schmutz befreien. Sonst bleibt absolut nichts zu tun, außer zu fahren.
Der Fairness halber sei gesagt, Pinion empfiehlt eine Inspektion pro Jahr oder alle 10.000 Kilometer. Dabei können Mechaniker eventuell das Öl im Getriebe tauschen und möglichen Verschleiß an den Schaltzügen beheben.

Wie fühlt sich Rad fahren mit Pinion an?

Bleibt die Frage nach dem Fahrgefühl: In puncto Bedienung dürften mit der Pinion-Schaltung alle zurechtkommen, die Nabenschaltungen kennen. Kurze Tretpause, Gang einlegen, weiter treten – fertig. Das Tretgefühl ist schon anders als bei den üblichen Mechanismen: Man spürt, dass sich im Tretlager viele Zahnräder bewegen, das ist jedoch keinesfalls negativ zu bewerten. Es ist einfach anders. Nicht außer Acht lassen sollte man auch, dass der Getriebeblock am Tretlager relativ schwer ist, 2,1 Kilogramm laut Hersteller.
Dies ist einerseits negativ, wenn man auf wenig Gewicht am Rad Wert legt (ein Grund, warum Pinion zumindest im Rennradbereich nicht infrage kommt). Andererseits liegt das Zusatzgewicht aber schön mittig am Rad, der tiefe Schwerpunkt sorgt für ein stabiles Fahrgefühl.
So sieht es im inneren der Getriebeschaltung von Pinion aus.
Einen kleinen Kritikpunkt haben wir: Die große Gang-Bandbreite kam bei uns im kaum zum Einsatz. In der Stadt haben wir meist die Gänge 6 bis 10 genutzt. Daraus folgt, man sollte sich gut überlegen, ob man für ein Cityrad im Flachland nicht ein Getriebe mit weniger Gängen wählen sollte. Ob Pinion eine Alternative zum Ketten- oder Getriebeschaltung ist, hängt unseres Erachtens nicht von der Performance ab. Die ist überragend, wenn es um lange Strecken geht. Für Rennradfahrer oder ambitionierte Mountainbiker kommt das System aufgrund des hohen Gewichts nicht infrage.
Für alle anderen ist Pinion eine Überlegung Wert – vorausgesetzt, das Budget stimmt. Denn klar ist, ein Pinion-Getriebe ist nichts für die Stadtmöhre, sondern gehört an hochwertige Fahrräder, die man über viele Jahre und tausende Kilometer mit gleichbleibender Freude fahren möchte.

Fazit

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BIKE BILD
Das hochwertige Getriebe erfüllt die Erwartungen voll und ganz: Je mehr Kilometer man fährt, desto interessanter ist das Pinion-System.

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