Waren Sie schon mal auf einem Festival und es hat angefangen zu schütten? Außer einer dünnen Plane gibt es dann oftmals nichts anderes, worunter man sich verkriechen könnte – oder man denkt sich "pfeif drauf" und rockt einfach im Regen weiter ab.
Diese beiden Optionen haben Sie im 718 Spyder RS ebenfalls: Entweder Sie halten an und fummeln das dünne Notverdeck auf den Roadster oder Sie geben Gas und fahren unter dem Regen davon. Letzteres macht definitiv mehr Spaß.

Sechszylinder-Boxer stammt direkt aus dem 911 GT3

Quell dieser Freude ist der vier Liter große Sechszylinder-Boxer direkt hinter dem Fahrer – nicht zu verwechseln mit dem Aggregat in GTS und GT4, der minimale Hubraumunterschied von einem cm3 verrät den Rennmotor. Ja, richtig gelesen, Porsche nutzt für den Spyder RS das Triebwerk aus dem GT3 Cup. Das liegt aber eher daran, dass der Serienmotor aus dem zivilen GT3 auch im Cup-Auto steckt. Das alte Henne-Ei-Problem, aber wenn das Probleme sind, dann haben wir keine.
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* Die durchschnittliche Ersparnis berechnet sich im Vergleich zur unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers aus allen auf carwow errechneten Konfigurationen zwischen Juni und November 2023. Sie ist ein Durchschnittswert aller angebotenen Modelle und variiert je nach Hersteller, Modell und Händler.
Die Ansaugführung mit den beiden "Soundgeneratoren" seitlich hinter den Passagieren kennen wir vom GT4 RS. Sie ist dadurch bedingt, dass das Triebwerk im Mittelmotorsportler um 180 Grad gedreht eingebaut werden musste. Daher klingt er so unverschämt viel besser als im 911: Steuerkettentrieb und Ansaugung sitzen direkt neben dem Fahrer-Ohr. Man meint sogar, die Bewegung der Drosselklappen hören zu können.

Porsche 718 Spyder RS
Abstimmung mit weniger Track-Fokus als beim GT4 RS. Geht dennoch kompetent ums Eck.
Bild: Hersteller

Irgendwo um die 4000 Touren entwickelt er ein ganz eigenes, saugrasselndes Timbre, seine generelle Wohlfühldrehzahl liegt bei rund 5000 Touren. Hier hat der RS genug Schmalz in der Hinterhand, um augenblicklich nach vorn zu stürmen, wenn nötig, oder wenn der Fahrer einfach Lust drauf hat. Oberhalb von 7000 Umdrehungen zündet er noch mal einen Extra-Boost, sowohl leistungsseitig als auch akustisch, bei 8400 U/min generiert er seine maximalen 500 PS, erst bei irrwitzigen 9000 setzt der Begrenzer ein.
Porsche 718 Spyder RS
Klassisches Boxster-Interieur, mit viel Racetex und Kohlefaser aufgepeppt. Perfektes Lenkrad; nur mit PDK zu haben.
Bild: Hersteller

Und dabei will der RS ausgedreht werden, er fordert es quasi vom Fahrer ein, der Ganganschlüsse wegen. Die Getriebeabstimmung ist identisch zum GT4 RS "so kurz wie nur möglich", sagte einer der Entwickler. So kurz erscheint uns das aber gar nicht: Der Erste geht laut Tacho bis 73 km/h, der Zweite bis 111.

Kurz abgestimmtes Getriebe mit intuitivem Schaltgefühl

Egal, der Doppelkuppler macht seine Sache jedenfalls mit einer Schnelligkeit und Klickpräzision am Paddel, dass wir es gar nicht für nötig erachtet haben, ihn für noch kürzere Schaltzeiten in den Sport-Modus zu bugsieren. Ähnlich erging es uns mit dem adaptiven Sportfahrwerk und dem Klappenauspuff. Ersteres erschien uns für die Landstraße im dynamischen Setting zu hopsig, den Sportsound empfanden wir als zu künstlich-dumpf. Das normale blecherne Stakkato dagegen ist grammypreisverdächtig.
Porsche 718 Spyder RS
Das Notverdeck lässt sich mit ein bisschen Übung in unter einer Minute installieren. Waschanlage? Bitte nicht!
Bild: Hersteller

Kommen wir noch kurz zum Dach – oder der Festivalplane, wie wir eingangs ketzerisch sagten. Nein, festhalten müssen Sie es nicht händisch, dennoch empfiehlt Porsche mit montiertem Häubchen maximal 200 km/h. Darüber fliegt es trotzdem nicht davon, das Flattern wird jedoch zunehmend bedenklich. Topspeed 308 also nur offen – da braucht es starke Haarwurzeln.

Das Notverdeck ist mit Übung in unter einer Minute drauf

Zum Aufbau am Scheibenrahmen das Verdeck einhaken und sichern, aufrollen, zwei Stifte in die Überrollbügel stecken, ein Drahtseil einhaken und spannen, dann die beiden Fledermausohren in die Spanner auf dem riesigen Heckdeckel einhängen und das Ganze arretieren. Klingt komplex, aber nach ein bisschen Übung geht das in unter einer Minute. Und wenn es richtig schüttet, gibt es noch eine Extra-Rückwand, die nach hinten abdichtet und wie beim ersten Targa mit Persenningverschlüssen an das Dach geclipst wird.
Porsche 718 Spyder RS
Kohlefaser-Vollschalensitze in Serie. Dahinter: die Spannhebel des Notverdecks.
Bild: Hersteller

In die Waschanlage darf der RS dennoch nicht, Wassereinbruch ist dann nicht ausgeschlossen. Übrigens: Das normale Spyder-Dach passte nicht, weil der GT3-Motor und dessen Airbox zu hoch bauen – daher musste neu konstruiert werden.

200.000 Euro für einen Boxster? Kein Problem

Verlieren wir noch kurz ein paar Worte zu Preis und Limitierung: Bei 155.575 Euro geht es los, also exakt gleich teuer wie der GT4 RS, begrenzt ist der stärkste Spyder nur über die Laufzeit. Wer das nötige Kleingeld hat, wessen Händler noch Kontingente übrighat und wer schnell handelt, darf sich in den Konfigurator stürzen. Wird volle Hütte geordert, also inklusive Weissach-Paket (11.966 Euro), Magnesium-Schmiederädern (14.875 Euro) und Keramikbremse (7914 Euro), kratzt der RS schnell an der 200.000-Euro-Marke.
Porsche 718 Spyder RS
Geschmiedete Leichtmetallräder mit Zentralverschluss als Standard. Magnesium für 14.875 Euro Aufpreis.
Bild: Hersteller

Wer dazu noch "Farbe nach Wahl Plus" ordert – sich seinen Farbton quasi individuell zusammenmixen lässt –, der kann noch mal irrwitzige 27.382 Euro aufschlagen – nur für den Lack. Für das Geld gibt's viele Festivaltickets – aber keines mit so grandiosem Sound.
Der Spyder RS ist die habenwilligere Version des GT4 RS – weil er offen noch besser klingt, weil er einlenkt, als könnte er die Gedanken des Fahrers lesen, und weil man aus ihm am liebsten nie wieder aussteigen möchte.