Mal ganz ehrlich: Haben Sie sich nicht auch schon mal beim Träumen ertappt? Was wäre, wenn? Wenn man einfach mal unvernünftig wäre und das hart Ersparte nicht in ein neues Familien-SUV oder für die Sondertilgung des Eigenheims investieren, sondern sich den Traum vom eigenen Porsche 911 erfüllen würde? Keine Sorge, Sie sind nicht allein. Die Sehnsuchtsgedanken sind so alt wie der Schwabensportler selbst. Und als Gebrauchter ist er schließlich auch mit etwas Sparen, Strecken oder Oma-Anpumpen erreichbar. Klar, die Luftgekühlten bis einschließlich 993 sind längst preislich entrückte Sammlerstücke geworden. Und beim Ersten mit Wasserkühlung, dem 996, vermiesen die Spiegeleierleuchten nicht nur Puristen den Spaß. Aber wie sieht's mit dem Nachfolger, dem 997, aus? Mit dem Bekenntnis zu den klassischen Rundscheinwerfern fuhr er 2004 direkt in die Herzen der Fans und ist heute zeitloser und attraktiver denn je. Frühe Carrera- und Carrera-S-Modelle locken mit Preisen ab rund 30.000 Euro. Taugt die Ikone zum Discount-Tarif?
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Ein neuer Motor knackt schnell die 25.000-Euro-Hürde
Vermeintliche Schnäppchen für 30.000 Euro finden sich oft in der Werkstatt zur Motorüberholung wieder.
Einer, der es wissen muss, sitzt mit seiner Firma im Osten Hamburgs. Axel von Blittersdorff betreut mit seinem Sportwagenservice all die Elfer-Kunden, die angesichts der Stundensätze von 200 Euro und mehr beim Porsche-Zentrum Hustenreiz und Schwindelattacken bekommen. Davon scheint es einige zu geben, die 997er reihen sich auf dem engen Hof aneinander. Schnell wird klar: Die Maschine ist auch beim 997 die Achillesferse. Mit der Umstellung vom 3,4-Liter auf 3.6 bzw. 3.8 (Carrera S) bekam man zwar den ewig leckenden Kurbelwellen-Simmerring halbwegs in den Griff, das Problem der Kolbenkipper aber verstärkte sich sogar. Gemein: Einige Maschinen ereilt der Tod erst bei 250.000 Kilometern und mehr, andere verrecken bereits mit weniger als 50.000. So oder so wird es dann richtig teuer. Schon eine Motorüberholung kostet bis zu 20.000 Euro, ein neuer Motor von Porsche knackt mit Arbeitslohn schnell die 25.000-Euro-Hürde. Blittersdorff: "Wir haben hier immer wieder Kunden, die ihr ganzes Geld für ihren 911er ausgegeben haben. Wenn denen dann nach einem halben Jahr der Motor um die Ohren fliegt, ist der Elfer-Traum aus." Ein wenig Sicherheit verspricht die Porsche-Approved-Garantie. Doch die setzt die Wartung in der teuren Vertragswerkstatt voraus und kostet zudem stramme 1600 Euro pro Jahr. Kosten, die die wenigsten bei einem bis zu 15 Jahre alten Wagen tragen möchten oder können. Zudem setzt sie – bis hin zu den Reifen – 100-prozentige Originalität voraus.
Ein Klassikern unter den 997-Mängeln sind abrostende Auspuffschellen. Die Anlage selbst erreicht auch nicht mehr das Qualitätsniveau des Vorgängers.
Schon Standardarbeiten entwickeln beim Elfer die Sprengkraft, jede Haushaltsplanung zu pulverisieren. Ein größerer Service, bei dem auch die Zündkerzen gemacht werden, verschlingt rund 1200 Euro, im Schnitt werden alle 60.000 Kilometer Bremsscheiben und -klötze der Vorderachse fällig. Macht knapp 800 Euro. Zu den Klassikern unter den 997-Mängeln zählen zudem defekte Domlager, streikende Audioverstärker und abrostende Auspuffschellen. Die Anlage selbst erreicht auch nicht mehr das Qualitätsniveau des Vorgängers. Dass sie durch den Heckmotor klein ausfällt, hilft dem Kunden nicht. 2100 Euro kostet der Austausch. Typisch ist auch das T-Stück, das im vorderen Bereich die beiden Kühler miteinander verbindet. Ist das Aluteil aufgeblüht, muss es für 1700 Euro ersetzt werden. Dass Lambdasonden nicht das ewige Leben haben, weiß jeder Gebrauchtwagenkunde. Der 997 hat ärgerlicherweise aber vier Stück davon, die sich auch noch gern im Gewinde festfressen. So kann der Ausbau dauern. Mit neuen Sonden stehen dann mindestens 1500 Euro auf der Rechnung.
Trost: Wertverlust spielt keine große Rolle
Dennis Neumann, der sich mit seiner Firma 9elf Hamburg auf Porsche spezialisiert hat, warnt: "Sparen lässt sich nicht viel. Billigteile rächen sich beim Wiederverkauf." Ohnehin verbieten sich runderneuerte Reifen und Discountbremsbeläge bei einem Auto, das mit Rückenwind fast 300 Sachen fährt, noch mehr als sonst. Immerhin spielt Wertverlust keine große Rolle. Während ein normaler Neuwagen für 40.000 Euro nach drei Jahren noch die Hälfte wert ist, verliert ein gewissenhaft und wenig benutzter 997 fast nichts. Beschränkt man sich auf die "kleinen" Carrera- und Carrera-S-Versionen, dann ist weniger mehr. Die damals aufpreispflichtige und etwas träge Wandlerautomatik bringt gebraucht weniger als die manuelle Sechsgangbox. Auch Allrad und Stoffverdeck können ihre ehemaligen Mehrpreise nicht ins Alter retten. Ein 911 kommt pur am besten, Extras wiegen nur und gehen kaputt. Dafür lieber original und mit lückenloser Historie kaufen. Die wertvollste Ausstattung gab es beim 911 eh seit jeher umsonst: den Will-haben-Effekt. Und auch wenn sich das Risiko nie ganz ausschließen lässt: Es hat einen Grund, dass nur wenige Modelle so treue und liebende Besitzer haben wie diese Sportwagen-Ikone. Manchmal müssen Träume einfach gelebt werden.
Mit runden Scheinwerfern und ausgestellten Radhäusern ist der 997 beliebt. Hohe Preise sind der beste Beleg. Viele Probleme machen ihn jedoch kaum kalkulierbar. Mit der neuen Motorengeneration ab 2008 wurde der Elfer zuverlässiger. Urteil: 3,5 von fünf Punkten.
Gebrauchtwagen-Test Porsche 911 (997)
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2004 fuhr die Baureihe 997 des Porsche 911 mit dem Bekenntnis zu den klassischen Rundscheinwerfern direkt in die Herzen der Fans. Heute ist sie zeitloser und attraktiver denn je. Frühe Carrera- und Carrera-S-Modelle locken mit Preisen ab rund 30.000 Euro. Taugt die Ikone zum Discount-Tarif?
Bild: Thomas Ruddies
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Einer, der es wissen muss, sitzt mit seiner Firma in Hamburg. Axel von Blittersdorff betreut all die Elfer-Kunden, die angesichts der Stundensätze von 200 Euro und mehr beim Porsche-Zentrum Schwindelattacken bekommen.
Schnell wird klar: Die Maschine ist auch beim 997 die Achillesferse. Mit der Umstellung vom 3,4-Liter auf 3.6 bzw. 3.8 (Carrera S) bekam man zwar den ewig leckenden Kurbelwellen-Simmerring halbwegs in den Griff, ...
... das Problem der Kolbenkipper aber verstärkte sich sogar: Minderwertige Beschichtung der Laufflächen sorgt bei 3,6- und 3,8-Liter-Motoren für Probleme.
Gemein: Einige Maschinen ereilt der Tod erst bei 250.000 Kilometern und mehr, andere verrecken bereits mit weniger als 50.000. Schon eine Motorüberholung kostet bis zu 20.000 Euro, ein neuer Motor knackt mit Arbeitslohn schnell die 25.000-Euro-Hürde.
Bild: Thomas Ruddies
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Ein wenig Sicherheit verspricht die Porsche-Approved-Garantie. Doch die setzt die Wartung in der teuren Vertragswerkstatt voraus und kostet zudem stramme 1600 Euro pro Jahr.
Schon Standardarbeiten pulverisieren schnell jede Haushaltsplanung. Ein größerer Service, bei dem auch die Zündkerzen gemacht werden, verschlingt rund 1200 Euro, im Schnitt werden alle 60.000 Kilometer Bremsscheiben und -klötze der Vorderachse fällig. Macht knapp 800 Euro.
Bild: Thomas Ruddies
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Zu den Klassikern unter den 997-Mängeln zählen zudem defekte Domlager und streikende Audioverstärker. Ersatz kostet mit Einbau gut 700 Euro.
Die Federbeine rosten im oberen Bereich unter der Staubmanschette gerne durch. Bruch ist die Folge. Abrostende Auspuffschellen sind leider auch kein seltenes Ereignis. Die Anlage selbst ...
... erreicht auch nicht mehr das Qualitätsniveau des Vorgängers. Dass sie durch den Heckmotor klein ausfällt, hilft dem Kunden nicht. 2100 Euro kostet der Austausch.
Typisch ist auch das T-Stück, das im vorderen Bereich die beiden Kühler miteinander verbindet. Ist das Aluteil aufgeblüht, muss es für 1700 Euro ersetzt werden.
Dass Lambdasonden nicht das ewige Leben haben, weiß jeder Gebrauchtwagenkunde. Der 997 hat ärgerlicherweise aber vier Stück davon, die sich auch noch gern im Gewinde festfressen. So kann der Ausbau dauern. Mit neuen Sonden stehen dann mindestens 1500 Euro auf der Rechnung.
Bild: Thomas Ruddies
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Sparen lässt sich nicht viel, denn Billigteile rächen sich beim Wiederverkauf. Ohnehin verbieten sich runderneuerte Reifen und Discountbremsbeläge bei einem Auto, das mit Rückenwind fast 300 Sachen fährt, noch mehr als sonst.
Immerhin spielt Wertverlust keine große Rolle. Während ein normaler Neuwagen für 40.000 Euro nach drei Jahren noch die Hälfte wert ist, verliert ein gewissenhaft und wenig benutzter 997 fast nichts.
Beschränkt man sich auf die "kleinen" Carrera- und Carrera-S-Versionen, dann ist weniger mehr. Die damals aufpreispflichtige und etwas träge Wandlerautomatik bringt gebraucht weniger als die manuelle Sechsgangbox. Auch Allrad und Stoffverdeck können ihre ehemaligen Mehrpreise nicht ins Alter retten.
Bild: Thomas Ruddies
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Ein 911 kommt pur am besten, Extras wiegen nur und gehen kaputt. Dafür lieber original und mit lückenloser Historie kaufen. Die wertvollste Ausstattung gab es beim 911 eh seit jeher umsonst: den Will-haben-Effekt.
Und auch wenn sich das Risiko nie ganz ausschließen lässt: Es hat einen Grund, dass nur wenige Modelle so treue und liebende Besitzer haben wie diese Sportwagen-Ikone. Manchmal müssen Träume einfach gelebt werden.
Fazit von Redakteur Malte Büttner: "Mit runden Scheinwerfern und ausgestellten Radhäusern ist der 997 beliebt. Hohe Preise sind der beste Beleg. Viele Probleme machen ihn jedoch kaum kalkulierbar. Mit der neuen Motorengeneration ab 2008 wurde der Elfer zuverlässiger." Urteil: 3,5 von fünf Punkten.
Bild: Thomas Ruddies
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Zum Abschluss zeigen wir Ihnen noch drei mögliche Alternativen zum 997: Ein Maserati Coupé (Baujahr 2005) mit 390 PS ist beispielsweise ab 25.000 Euro zu haben. Urteil: drei von fünf Punkten.