Porsche 911: Gebraucht-Check
Fünf 911er-Generationen im Vergleich

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Worauf es beim gebrauchten Porsche 911 ankommt – fünf Generationen vom 993 bis zum 992 im Blick.
Bild: Sven Krieger
Der erste Elfer ist ein Meilenstein. Jahrzehnte voller Träume, Kindheitserinnerungen und ungebrochener Faszination für Design, Technik und Boxer-Klang verdichten sich irgendwann zum Wunsch, selbst einen 911 zu besitzen.
Doch diese emotionale Aufladung hat das Potenzial für ruinöse Entscheidungen. Bestes Beispiel: der 996. Als erster wassergekühlter Elfer ist er das günstigste Ticket in die 911-Welt. Preise ab 20.000 Euro sind jedoch weniger als Verlockung, sondern eher als Warnsignal für erhöhten Wartungsstau zu verstehen.
Um einen Fehlkauf zu vermeiden, gibt es hier das grobe Rüstzeug. Vor dem Kauf sollte man sich jedoch von Experten beraten lassen. Zwei solche sind Dennis Neumann von 9ELF Hamburg und Tobias Ludwig von Oettinger Autotechnik. Mit ihrer Hilfe haben wir hier die wichtigsten Schwachstellen der fünf letzten 911-Generationen zusammengefasst.
Porsche 911 (993)
- Bauzeitraum: 1993 bis 1998
- Leistung: 272 bis 450 PS
- Preise: ab 70.000 Euro

Der 993 gilt als zeitlos, teuer, aber extrem wertstabil.
Bild: Daniel Wollstein
Eine besondere mechanische Magie verströmt der letzte luftgekühlte 911, sobald sich das Lüfterrad im Heck zu drehen beginnt. Mit einer Länge von nur 4,25 Metern ist der Elfer hier zudem letztmals wirklich kompakt ausgefallen – auch das macht das Modell mit den 3,6 und 3,8 Liter großen Sechszylinder-Boxern heute überaus begehrt.
Gleichzeitig ist der 993 viel moderner als ein 964 (1989 bis 1993). So gab es eine neue Mehrlenkerhinterachse für mehr Fahrstabilität, Hydrostößel erübrigen das Einstellen des Ventilspiels, eine serienmäßige Sechsgang-Handschaltung, optionales Xenonlicht und faszinierende Dinge wie Biturbotechnik (Turbo) oder besonders leichte Hohldruck-Gussfelgen. Heute steht selbst der einst verpönte Targa mit großem Glasdach hoch im Kurs.

Bild: Daniel Wollstein
Schwachstellen: Trotz Vollverzinkung rostet es inzwischen am Scheibenrahmen, meist vorn, aber auch hinten. Schwerer zu prüfen sind die hinteren Längsträger, wo es unter den Hitzeschutzblechen gammelt. Federn, Dämpfer und die Buchsen von Querlenkern sind oft veraltet. Wurden Motor und Lenkgetriebe noch nicht abgedichtet (Steuerkettenkasten), ist man selbst an der Reihe. Außerdem oft defekt: die Klima.
Porsche 911 (996)
- Bauzeitraum: 1997 bis 2006
- Leistung: 300 bis 483 PS
- Preise: ab 38.000 Euro

Mit dem 996 verabschiedete sich Porsche von der Luftkühlung.
Bild: AUTO BILD/Ronald Sassen
Luftkühlung ade! Was beim 356 – dem ersten Porsche – 50 Jahre zuvor begann, endete 1997 mit dem 996. Nicht die einzige gravierende Änderung, auch die charakteristische 911-Form war gründlich aus dem Leim gegangen: Die sogenannten Spiegelei-Scheinwerfer vermiesten den Fans die 911-Lust, zudem signalisierte der skurrile Look der Top-Baureihe eine ungewollte Nähe zum Basis-Porsche Boxster. Doch der 911 fuhr sich weiterhin brillant, wurde bald geliftet und trotz Verrats an Luftkühlung und klassischen Formen zum Erfolg.
Schwachstellen: Motorschäden sind das große Thema des 996, die 3,4 und ab der Modellpflege 3,6 Liter großen Boxer sind durch Kolbenkipper in Verruf geraten. Meist ist die rechte Bank betroffen und der linke Auspuff durch Ölverbrennung verrußt. Auch defekte Zwischenwellenlager sind für Motorschäden verantwortlich. Eine Motorrevision kostet ab 25.000 Euro. Mit weiteren Problemstellen ein finanzielles Fiasko.
Porsche 911 (997)
- Bauzeitraum: 2006 bis 2010
- Leistung: 325 bis 620 PS
- Preise: ab 50.000 Euro

Das Facelift im Jahr 2008 brachte den Wechsel zu vollständig neu konstruierten Direkteinspritzer-Motoren mit sich.
Bild: Daniel Wollstein
Die Scheinwerfer wurden wieder runder, die Technik blieb allerdings weitgehend gleich. Vorerst übernahm der 997 die Antriebe vom 996. Mit dem Facelift im Jahr 2008 kam allerdings der Wandel mit komplett neu konstruierten Direkteinspritzer-Motoren. Zudem löste das Doppelkupplungsgetriebe PDK die lahm schaltende Wandlerautomatik Tiptronic ab.
Vor allem gegen die S-Modelle mit dem 3,8 Liter großen Boxer und 385 PS waren Konkurrenten wie der BMW M3 (damals mit Saug-V8 und 420 PS) in jeder Disziplin chancenlos. Außerdem verfeinerte Porsche das Zusatzgeschäft mit Sondermodellen: Für seltene Varianten wie Sport Classic, Speedster oder GT3 RS 4.0 werden heute Sammlerpreise von bis zu einer halben Million Euro aufgerufen.

Bild: Daniel Wollstein
Schwachstellen: Experte Ludwig von OAT sieht die Kolbenkipper-Problematik beim 997.1 noch stärker gegeben. Wie beim 996 sind auch die Zündspulen durch Motor- und Abgashitze belastet und durch die tiefe Position dem Spritzwasser ausgesetzt.
Verstärkt hat sich beim 997 das Kühlwasserproblem, denn hier gibt es noch mehr Steckverbindungen, die zu Korrosion neigen und dadurch undicht werden. Deutlich stabiler arbeiten laut Dennis Neumann von 9ELF Hamburg die neuen Motoren des 997.2 (ab 2008). Kein Geheimnis, weshalb der solidere 997.2 am Markt teurer ist.
Porsche 911 (991)
- Bauzeitraum: 2011 bis 2019
- Leistung: 350 bis 700 PS
- Preise: ab 65.000 Euro

Der GTS, hier als Sauger mit 430 PS, kam ab Ende 2015 mit Biturbo und 450 PS.
Bild: AUTO BILD - Salt
Wieder legte der 911 bei der Größe zu, war nun bis 4,56 Meter lang. Um die Masse zu reduzieren, wurde erstmals Aluminium verwendet – mit Erfolg, denn der 991 ist nicht schwerer als der deutlich kleinere 997 geworden.
Keine neue Porsche-Generation ohne Aufreger: So wurden die Saugmotoren, die im Wesentlichen noch vom 997 stammen, ab dem Facelift (991.2) durch Biturbo-Triebwerke mit 3,0 Liter Hubraum ersetzt. Resultat: mehr Leistung, trotzdem weniger Verbrauch und eine weiterhin ziemlich lineare Leistungsabgabe.
Die Modellpalette wurde deutlich ausgeweitet, Spitzenmodell ist die 700-PS-Fahrmaschine GT2 RS – nur mit Heckantrieb.
Schwachstellen: Die Motoren des 991.1 basieren auf den Antrieben des Vorgängers 997.2, gelten weiterhin als standfest. Problematisch sind die aufwendig gesteuerten Kühlmittelpumpen, die bei Undichtigkeit andere Komponenten wie die Steuerventile der Heizung beschädigen können.
Mit dem 991.2 kommen die Turbolader als zusätzliche Fehlerquelle ins Spiel. Hier kann es zu Ölundichtigkeiten und Turboladerschäden kommen.
Porsche 911 (992)
- Bauzeitraum: seit 2019
- Leistung: 385 bis 650 PS
- Preise: ab 100.000 Euro

Ganz entspannt offen über Landstraßen – dafür reicht der Basis-Elfer als Cabrio.
Bild: AUTO BILD/Toni Bader
Porsche hat den Elfer digitalisiert, ein einfaches Display als Kombiinstrument wäre jedoch zu viel des Guten – der Drehzahlmesser bleibt in der Mitte und dazu analog. Vieles wurde vom 991 übernommen, neben den 3,0 Liter großen Turbomotoren ist auch der Radstand gleich geblieben.
Neu ist das noch schneller schaltende Achtgang-PDK. Das trägt einerseits zur gelassenen Seite des 992 bei: Mit 1000 Touren bummelt dieser 911 durch die Gegend, wenn man ihm nichts abverlangt. Gleichzeitig steckt im Fahrwerk keinerlei übertriebene Härte.
Und doch kann der entspannteste Elfer aller Zeiten im Nu zum Biest werden und messerscharf die Kurven auf einer Rennstrecke abfrühstücken. Ein brillanter Sportwagen ist der 992 schon in der Basisversion.
Die Masche mit den Sondermodellen hat Porsche inzwischen fest etabliert: Ob Carrera T, S/T, Targa 4S Heritage Edition, Dakar, Sport Classic – längst bedient Porsche hier nicht nur die gusseiserne Fangemeinde, sondern hält vom Alltagsmodell bis zum Rennstrecken-Giganten GT3 RS für viele Geschmäcker ein passendes Modell parat.

Bild: RONALD SASSEN
Schwachstellen: Der 911 ist inzwischen technisch extrem hochgerüstet: Ob aktive Aerodynamik, Assistenten, Allradlenkung – beim Gebraucht-Kauf sollte man wissen, was alles verbaut ist und alle Funktionen vorab überprüfen. Auch erhöhter Ölverbrauch (Turbo- und GT3-Modelle), Software-Probleme etwa bei OTA-Updates (over the air), Schaltauffälligkeiten beim PDK oder verwirrte Assistenten können vorkommen.
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