Trotz Hybrid bleibt der frische 911 GTS ganz der Alte
Erst war es die Wasserkühlung, dann der Turbomotor – nun erhitzt Porsche erneut der Gemüter: mit einem Performance-Hybrid im 911 GTS. Wir sind ihn gefahren – und beruhigt.
An Wasserkühlung und Turbomotor hat man sich im Elfer-Lager längst gewöhnt. Und auch beim nun elektrounterstützten Porsche 911 GTS wird es nicht lang dauern, bis jeder kapiert hat, dass die Vorteile der Technologie deren Nachteile bei Weitem überwiegen.
Schließlich verbaut Porsche hier ja keinen Spritspar-Antrieb, der bis Tempo 130 lautlos vor sich hin säuselt.
Porsche geht es beim Hybrid rein um die Performance
Im Falle des 911 Carrera GTS geht es den Zuffenhausern schlicht um die Performance. Und eines der wichtigsten Ziele war es, dass der Kunde im Optimalfall gar nicht mitbekommt, dass ihm gerade ein Elektromotor unter die Arme gegriffen hat – außer am Ende des Trackdays auf der Stoppuhr.
Schnelles Auto, schnelles Verdeck: In nur zwölf Sekunden eröffnet das Cabriodach den Sommer.
Bild: Porsche AG
Aber zunächst wartet ein bildschönes Cabrio auf uns: in Indischrot mit glanzgedrehten Rädern. 394 PS leistet es nun, deren neun mehr als bislang. Das Drehmoment des Dreiliter-Biturbo-Boxers verweilt unverändert bei 450 Nm. So verwundert es auch nicht, dass der Basis-Carrera bei den Fahrwerten keine Bäume ausreißt. Eine Zehntel spurtet er schneller auf Tempo 100, in der Vmax packt er 1 km/h obendrauf – schafft nun 294 km/h (Coupé). Auch der 8-Gang-Doppelkuppler ist altbekannt und gewohnt souverän, was Ganganschlüsse und Schaltzeiten angeht.
Kein analoger Drehzahlmesser mehr im Innenraum
Neuerungen finden sich vor allem im Innenraum, wo Porsche wieder mal an den glaubenstechnischen Grundfesten der Kundschaft rüttelt. So macht das volldigitale Cockpit dem lieb gewonnenen analogen Drehzahlmesser den Garaus, und auch der Zündungs-Drehknubbel links neben der Lenksäule musste einem seelenlosen Startknopf weichen. Der Grund dürfte niemanden verwundern: die Kosten.
Nur dezente Änderungen im Interieur, aber Traditionalisten grämen sich dennoch: kein analoger Drehzahlmesser mehr, seelenloser Startknopf links vom Volant.
Bild: Porsche AG
Dafür bekommt der Kunde die jüngste Infotainment-Generation mit 12,6-Zoll-Display, bei dem die klassische Anordnung mit den fünf Rundinstrumenten zumindest noch digital anwählbar ist. Das Fahrmodus-Drehrad im Lenkrad ist jetzt Standard. Im Innenraum ist die Zweisitz-Konfiguration Basis, eine Rücksitzanlage ist jedoch ohne Aufpreis buchbar. Der Sportsitz Plus mit mehr Seitenhalt kostet extra (ab 803 Euro pro Paar), im GTS ist er Serie. Für ganz sportliche Naturen gibt's hier Carbon-Schalensitze für 5355 Euro.
Fahrzeugdaten
Fahrzeugdaten
Modell
Porsche 911 Carrera GTS
Porsche 911 Carrera Cabrio
Motor
Sechszylinder, Turbo, hinten längs, + E-Motor
Sechszylinder, Biturbo, hinten längs
Hubraum
3591 cm³
2981 cm³
Leistung
398 kW (541 PS)
290 kW (394 PS)
max. Drehmoment
610 Nm
450 Nm
Antrieb
Heckantrieb, 8-Gang-DKG
Heckantrieb, 8-Gang-DKG
Länge/Breite/Höhe
4553/1852/k. A. mm
4542/1852/k. A. mm
Leergewicht
1595 kg (DIN)
1600 kg (DIN)
Kofferraum
135 + 373 l
135 + 163 l
0–100 km/h
3,0 s
4,3 s
Vmax
312 km/h
291 km/h
Verbrauch
10,5 l SP/100 km
10,3 l SP/100 km
Abgas CO2
238 g/km
234 g/km
Preis
ab 170.600 Euro
142.800 Euro
Und schon sind wir gedanklich in den GTS umgestiegen. Der schraubt sich leistungsseitig auf 541 PS im Systemverbund, liegt also in etwa zwischen seinem Vorgänger (480 PS) und dem 100 Pferde stärkeren Turbo ohne S. Für den T-Hybrid genannten Antrieb wurde ein neuer 3,6-Liter entwickelt, der mit dem bisherigen Triebwerk bis auf das Verhältnis von Bohrung und Hub nichts gemeinsam hat.
Die Sportabgasanlage mit ihren zwei mittigen Endrohrblenden ist beim GTS serienmäßig.
Bild: Porsche AG
Anstelle zweier Lader baut der größere Motor auf einen Turbo, die Eigenheiten des kleineren Biturbo-Laders – das spontane Ansprechverhalten – übernimmt in diesem Fall ein Elektromotor. Einer sitzt direkt im Lader und generiert aus dem Abgasstrom bis zu 15 PS. In den Achtgang-Doppelkuppler wurde ein zweiter E-Motor integriert, der 150 Nm und 54 PS dazuschießt.
Aktive Aerodynamik am Bug nur für den GTS: Die fünf Klappen pro Seite öffnen und schließen nach Bedarf.
Bild: Porsche AG
Als Energiespeicher dient eine 1,9 kWh kleine Hochvoltbatterie, die zwischen den vorderen Federbeinen an exakt der Position sitzt, an der auch die konventionelle Fahrzeugbatterie verbaut war. Dieses kompakte Paket macht es möglich, dass Porsche mit 1595 Kilogramm gewichtsseitig unterhalb der 1,6-Tonnen-Marke bleibt.
In Sachen Fahrwerk geht Porsche in die Vollen
Fahrwerksseitig packt Porsche nahezu alles serienmäßig in den GTS, was das hauseigene Regal zu bieten hat: das PASM-Sportfahrwerk mit Helper-Federn an der Hinterachse und 10 mm Tieferlegung, die Hinterachslenkung, Torque Vectoring Plus mit elektronisch geregelter Hinterachs-Quersperre und eine speziell für den GTS angepasste Sportabgasanlage, deren Endschalldämpfer sich links hinten in den dank Singleturbo frei gewordenen Raum neben dem Motor schmiegt. Dazu gesellt sich noch das Sport-Chrono-Paket, das die Fahrmodi ja erst um den Sport-Plus-Modus erweitert.
Performance in Serie: Hinterachslenkung, ein zehn Millimeter tieferes Sportfahrwerk sowie Sport-Chrono und eine elektronische Hinterachs-Quersperre.
Bild: Porsche AG
Aber nun genug der Theorie – ab auf die Rennstrecke: Der GTS schiebt unerwartet unvermittelt und mit einer Vehemenz, die wir wahrlich nicht erwartet haben. Traktion ist vorhanden, kurvenausgangs kommt die Hinterachse aber schnell an ihre Grenze. Sport Plus lässt spaßiges Power Oversteering zu, ohne die Zügel ganz loszulassen. Noch beeindruckender ist aber der Vorderachsgrip und die Tatsache, dass sich über provozierte Gasstoß-Lastwechsel jederzeit das Heck kontrolliert eindrehen lässt. Ganz fein austariert haben sie diesen GTS mal wieder.
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Dann jedoch öffnet der Himmel seine Schleusen – aber auch unter Mischbedingungen zeigt der GTS, was er kann. Beim Herausbeschleunigen müssen wir logischerweise noch feinfühliger ans Gas, aber bevor die Vorderachse wegschmiert, muss schon einiges passieren.
Die Preise werden höher, dafür bekommt der Kunde aber viel Technik und Ausstattung
Passiert ist auch etwas bei den Preisen: Der Basis-Carrera startet bei 128.700 Euro, der GTS kostet 170.600 Euro. Dafür bekommt der Kunde deutlich mehr Ausstattung, ein frisches Infotainment sowie im Falle des GTS eine Zukunftstechnologie, die uns so richtig Spaß macht – eben weil uns Porsche nicht mit der Nase darauf stoßen möchte und wir die Hybridunterstützung kaum bemerken.
Diese Reise wurde unterstützt von Porsche. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.
Porsche hat mal wieder ganz schön draufgepackt: in Sachen Performance, aber auch beim Preis. Gerade der GTS ist ein technisches Meisterwerk – sein völlig neu entwickelter 3,6-Liter-Motor gibt dem Verbrenner eine Zukunft.