Porsche 911 S/T: Fahrbericht
Das BeS/Te zum Schluss: So fährt der neue Porsche 911 S/T
Der Porsche 911 S/T ist nichts für Kostverächter. Das Jubiläumsmodell ist leicht, puristisch und eine Fahrmaschine reinsten Wassers. Ein Fahrbericht.
Bild: AUTO BILD
Ausstiegsgeschichten – sie beschließen die gedruckte Version der AUTO BILD auf den hinteren Seiten und lassen Sie und uns gleichermaßen träumen. Dort ist kein Platz für Allerweltsautos. Und das ist auch der neue 911 S/T nicht. Er ist die Spitze des Porsche-Purismus – schon auf dem Papier.
525 PS aus dem Motor des GT3 RS, 1380 Kilogramm Leergewicht, ein manuelles Sechsganggetriebe mit acht Prozent kürzerer Übersetzung als beim Basisfahrzeug, dem 911 GT3 Touring.

Was für ein ... Auto: Der 911 S/T hat alles, was gut ist – zum Beispiel den vier Liter großen Sechszylinder-Boxer des GT3 RS mit 525 PS.
Bild: Porsche AG
Der Sound des GT3-Motors macht wohlige Schauer
Genug der Zahlenspiele, jetzt steigen wir ein. Und zünden den frei saugenden 4,0-Liter-Boxer-Sechszylinder im Heck. Mahlend und rasselnd meldet sich das Einmassenschwungrad wie eine akustische Ehrbezeugung an den 964 Carrera RS. Wem dieser Sound keinen wohligen Schauer bereitet, sollte am besten gleich wieder aussteigen.

Volle Konzentration: Wer die Gangart im knapp 300.000 Euro teuren 911 S/T verschärft, sollte ausgeschlafen sein.
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Ich dagegen fühle mich ab dem ersten Meter zu Hause im S/T. Die knapp 300.000 Euro, die der yachtingblaue Testwagen kostet, versinken im Unterbewusstsein wie mein Hintern in den ergonomisch perfekten Vollschalensitzen. Ich bin im Nu Teil dieser Fahrmaschine. Erster, Zweiter, Dritter – die Gangwechsel mit dem kurzen Schaltstummel dauern nur Bruchteile von Sekunden. Die Michelin Pilot Sport Cup 2 bekommen langsam Temperatur, die Straße wird kurviger. Peilen, anbremsen, einlenken und staunen.
In der Lenkung steckt höchste Präzision
Ging die Lenkung des 911 GT3 um die Mittellage noch recht aggressiv zur Sache, bietet der S/T trotz direkterer Lenkübersetzung (15:1) ein deutlich analogeres, fein dosierbares Einlenken ohne Hektik.

Folgsam: Der 911 S/T setzt Lenkbefehle unmittelbar und sehr präzise um – das schafft Vertrauen auch bei hohem Kurventempo.
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Die Doppelquerlenker-Vorderachse aus dem GT3 darf zeigen, was sie kann – und gibt ein glasklares Gefühl für die Vorderräder. Und so fährt der S/T auch auf raueren und rumpeligen Landstraßen auf den Millimeter genau dorthin, wohin er soll. Die Folge: ein enormes Vertrauen in die fahrdynamischen Fähigkeiten, das auch bei forciertem Tempo nicht ein einziges Mal abreißt.
Spielerisch folgt der S/T sämtlichen Radien, beschleunigt sämig aus engen Kehren, stemmt sich verlässlich und leicht mit dem Heck gierend in den italienischen Asphalt. Die Bremse? Die Macht in Carbon-Keramik gegossen. Das Fahrwerk ist nur bei langsamem Tempo auf Kopfsteinpflaster etwas harsch, sobald Zug auf der Kette ist, legt der S/T die stuckerige Nervosität ab und arbeitet sich souverän über Löcher, Wellen und Fugen hinweg, ohne auch nur einmal den Bodenkontakt zu verlieren.
Drehzahlen bis 9000/min sind kein Problem
Dazu schraubt sich der Vierliter-Boxer in ungeahnte Höhen. Wie im GT3 darf bis 9000 Touren gedreht werden – untermalt von einer mechanischen Symphonie aus Saugen, Sägen, Tickern und Trompeten. Ein Feuerwerk für die Sinne, und wer die Nadel oberhalb von 5000 Touren hält, bekommt gierige, aber nicht überfordernde Leistung geboten.

Explosiver Boxer: Der S/T nimmt Gas absolut feinnervig an, dreht explosiv in Richtung roter Bereich – das macht so richtig Laune.
Bild: Porsche AG
Für Saugmotor-Liebhaber ist vor allem das Drehverhalten des Motors ein Leckerbissen. Der S/T nimmt Gas absolut feinnervig an, dreht explosiv in Richtung roter Bereich – ohne jeden Verzug, linear und harmonisch, als würden die Innereien des Vierlitermotors nichts wiegen.
Ein ähnliches Mechanik-Spektakel bietet das Abtouren beim Auskuppeln, das mich unweigerlich an den Carrera GT erinnert. So fällt die Drehzahl beim Auskuppeln abrupt in den Keller, einen ganz kurzen Moment herrscht gefühlte Stille, die beim Einkuppeln blitzartig wieder beendet ist.
Fahrzeugdaten
Modell | Porsche 911 S/T |
|---|---|
Motor | Sechszylinder-Boxer, hinten längs |
Hubraum | 3996 cm³ |
Leistung | 386 kW (525 PS) bei 8500/min |
max. Drehmoment | 465 Nm bei 6300/min |
Antrieb | Heckantrieb, Sechsgang manuell |
Leergewicht | 1380 kg |
0–100 km/h | 3,7 s |
Vmax | 300 km/h |
Verbrauch | 13,8 l/100 km (WLTP) |
Abgas CO2 | 313 g/km |
Preis | ab 292.187 Euro |
Und so spult der S/T absolut unbeeindruckt Kurve für Kurve ab, setzt zu heiseren Zwischensprints an, vorbei an Mäuerchen, Seen, Fiat Pandas. Das Lenkrad steht selten länger als ein paar Sekunden gerade – hier ist der Puristen-Porsche in seinem Element.

Stilvoller Abschied: Der Ausstieg aus dem Porsche ist auch der Ausstieg von Peter R. Fischer bei AUTO BILD. Mach's gut, Kollege!
Bild: Porsche AG
Fahren im S/T fühlt sich an, wie mit dem Auto zu verschmelzen. Nur eins fällt schwer: das Aussteigen. Wobei wir wieder beim Thema wären, denn dies ist auch meine persönliche Ausstiegsgeschichte. Ich hatte schöne, schnelle, wilde, spannende, lehrreiche AUTO BILD-Jahre – mit einem grandiosen Finale, denn einen mitreißenderen Sportwagen als den 911 S/T bin ich in all den Jahren ganz sicher nicht gefahren.
Diese Reise wurde unterstützt von Porsche. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.
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