Der neue Champion ist auch der alte: Mit acht Siegen hat sich Larry ten Voorde (25/Team GP Elite) am vergangenen Wochenende in Hockenheim zum Meister im Porsche Carrera Cup Deutschland gekrönt. Dem siegenden Holländer gelang damit die direkte Titelverteidigung – das schaffte zuvor nur Philipp Eng (2014 und 2015).
„Den Titel sowohl im Porsche Carrera Cup Deutschland als auch den Porsche Mobil 1 Supercup je zweimal in Folge zu gewinnen, ist zuvor noch niemandem gelungen“, betont Ten Voorde. „Wenn man bedenkt, wie viele großartige Fahrer in diesen Serien gestartet sind, macht mich das sehr stolz.“
Zumal es im Markenpokal mehr auf den Fahrer ankommt als das Auto. „Wir treten alle mit dem gleichen Fahrzeug an, das macht den Reiz im Porsche Carrera Cup aus“, erklärt der Champion. „Trotzdem gibt es Möglichkeiten, am Setup zu arbeiten. Beispielsweise beim Luftdruck oder der Position des Heckflügels. Die Herausforderung besteht darin, die optimalen Einstellungen für die Strecke in Kombination mit dem eigenen Fahrstil zu finden.“
Das aktuelle Modell des 510 PS starken Porsche 911 GT3 Cup kommt erst seit dieser Saison zum Einsatz. Ten Voorde: „Ich hatte direkt ein gutes Gefühl. Das Auto verfügt über deutlich mehr Aerodynamik, wodurch man in Kurven mit höherer Geschwindigkeit fahren kann. Aus meiner Sicht ist das ein Vorteil für Neueinsteiger und man hat über die Saison auch gesehen, dass die Rundenzeiten der ersten zehn bis 15 Fahrer oft sehr eng beieinander lagen.“
Ganz so leicht ist es dann aber doch nicht, Meister zu werden. Das weiß auch der Champion selbst: „Überholmanöver sind eine größere Herausforderung, weil im Windschatten die Aerodynamik etwas nachlässt und daher der Fahrer mehr gefordert wird“, sagt er.
Larry ten Voorde ist neuer und alter Meister im Porsche Carrera Cup Deutschland.
Der Niederländer selbst hat sich seit seiner Debütsaison jedenfalls weiterentwickelt. „Ich bin auf jeden Fall erwachsender geworden“, gibt der 25-Jährige zu. „In meiner ersten Saison hatte ich sehr viel Feuer in mir, manchmal war ich vielleicht etwas übermotiviert. Allerdings kann man die Situation nicht mit der heutigen vergleichen. Ich hatte wenig Budget und wusste teilweise gar nicht, ob ich am nächsten Rennwochenende überhaupt wieder im Cockpit sitzen werde. Daher hätte jedes Rennen die letzte Chance gewesen sein können, mich zu präsentieren und mein Talent zu zeigen. Den Druck habe ich gespürt.“
Die Aussage zeigt: Ohne Budget geht im Motorsport gar nichts. Konstatiert auch Ten Voorde: „In den Jahren 2014 und 2015 konnte ich mangels Budget (nach einer erfolgreichen Kart-Karriere und Anfängen im Formelsport; d. Red.) keinen Motorsport betreiben. Trotzdem habe ich in der Zeit nicht aufgegeben und in Zandvoort an der Strecke Autos gewaschen, bei Fahrsicherheitstrainings geholfen oder Kaffee verkauft. Ich wollte einfach weiter mit dem Motorsport verbunden bleiben.“
Eine Phase, die ihn stärker gemacht hat: „Rückblickend war es die wichtigste Phase meiner Karriere. In dieser Zeit ist mir klar geworden, dass ich auf jeden Fall Rennfahrer werden möchte und dafür alles geben werde.“ Über den Porsche Sports Cup Deutschland kommt er 2016 zurück in den Motorsport und wird dort direkt Champion.
Mit Verstappen fährt Ten Voorde in der virtuellen Rennwelt sogar gemeinsam im Simracing-Team Redline.
In diesem Jahr ist Ten Voorde bereits der zweite internationale holländische Meister: In der Formel E wurde Nyck de Vries Champion, in der Formel 1 jagt Max Verstappen den WM-Titel. „Motorsport erfährt in den Niederlanden momentan eine riesige Beliebtheit, was zum großen Teil natürlich an Max Verstappen liegt“, sagt der Porsche-Pilot. „Das Formel-1-Rennen in Zandvoort mit den vielen Zuschauern war großartig und hat gezeigt, mit wie viel Leidenschaft die Menschen in den Niederlanden Motorsport verfolgen.“
Mit Verstappen fährt Ten Voorde in der virtuellen Rennwelt sogar gemeinsam im Simracing-Team Redline. „Teilweise gibt er uns mitten in der Nacht noch Feedback für bessere Setup-Einstellungen im Simulator“, verrät der Carrera-Champ. „Er nimmt jede Herausforderung an. Genau das gefällt mir so an ihm.“
Und was kommt nach vier Porsche-Cup-Titeln in Folge? „Ich möchte weitere Titel holen“, sagt Ten Voorde selbstbewusst, „am liebsten bei Langstreckenrennen. In Le Mans, Dubai oder Daytona die 24-Stunden-Rennen zu gewinnen, wäre ein Traum.“
Nicht ausgeschlossen, dass auch der wahr wird.

Von

Bianca Garloff