Porsche Cayenne (958): Gebrauchtwagen-Test
Der gebrauchte Cayenne kommt mit Nebenwirkungen

Die zweite Generation des Porsche Cayenne vereinte von 2010 bis 2017 Performance, Luxus und Nutzwert. Was taugt das Nobel-SUV als Gebrauchter?
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Unter den gebrauchten Luxus-SUV ist der Porsche Cayenne eine Legende: als Fahrzeug, das physikalische Grenzen neu definierte und zugleich technische Komplexität ohne Rücksicht auf Kosten perfektionierte.
Die zweite Generation (intern 958) startete 2010 und wurde bis 2017 gebaut. Sie war leichter und effizienter als der Vorgänger, ist bis heute einer der begehrtesten Gebrauchten ihrer Klasse. Doch so eindrucksvoll sich ein Cayenne fährt, so anspruchsvoll ist er im artgerechten Unterhalt. Das voll geländetaugliche XL-SUV fordert Know-how und Budget.
Basis für den Cayenne ist der VW Touareg 2
Das ist er: Die Schnittmenge aus Oberklasse-Kombi, Sportwagen und Geländegänger. Der 958 basiert auf einer auch vom VW Touareg 2 genutzten Plattform mit Doppelquerlenker-Vorderachse und Mehrlenker-Hinterachse, bietet stets permanenten Allrad. Ein Verteilergetriebe splittet das Drehmoment über eine Lamellenkupplung variabel zwischen Vorder- und Hinterachse. Das Konzept ist grundsätzlich standfest und dezent hecklastig ausgelegt. Über 180 Kilogramm Gewichtsdiät im Vergleich zum Vorgänger verleihen ihm eine bei SUV unerwartete Agilität.

An Bord wird man von feinen Materialien umschmeichelt. Die Verwandtschaft mit Panamera und 911 Typ 991 ist deutlich zu sehen.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Im Innenraum zeigt er, warum Porsche auch im Luxus-Segment eine feste Größe ist: Perfekte Sportsitze, piekfeine Verarbeitung und eine vom ikonischen 911 in den Grundzügen vertraute Bedienergonomie wirken selbst bei hohen Laufleistungen noch wunderbar vertrauensbildend. Gebrauchte Cayenne zeigen häufig erstaunlich wenig sichtbaren Verschleiß – ein Indiz für die ausgesuchte Materialqualität. Platzangebot und Laderaumvolumen (670 bis 1780 Liter) reichen für gängige Alltagsaufgaben mehr als aus, orientieren sich eindeutig an den Standards der großen Oberklasse-Kombis.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 10,3 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 209 g/km |
Inspektion | 750-2500 Euro |
Haftpflicht (24)* | 1001 Euro |
Teilkasko (30)* | 1864 Euro |
Vollkasko (29)* | 3192 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 645 Euro |
Technisch und finanziell können zwischen zwei Cayenne Welten liegen
Das hat er: Die Optionsliste des Cayenne II ist berühmt-berüchtigt. Die Konfiguration bestimmt den Charakter oft stärker als der Kilometerstand. Gebrauchtkäufer sollten wissen, was wichtig ist: Die Luftfederung bringt einen Komfortgewinn, punktet im Trailerbetrieb. PASM (adaptive Dämpfung) ermöglicht ein breites Abstimmungsspektrum. Der aktive Wankausgleich PDCC ist fahrdynamisch überragend, aber teuer bei Schäden.

Der aktive Wankausgleich ist fahrdynamisch überragend, bei Schäden wird's allerdings teuer.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Bose, Burmester und Klappenauspuff bringen fetten Sound ins Auto. ACC, Spurwechselassistent und Rückfahrkamera erhöhen die Verkehrssicherheit. Panoramadach, belüftete Sitze, Leder-, Alcantara- und Carbonpakete erhöhen den Komfort, das Prestige und ebenso den Wiederverkaufswert. Wichtig: Zwei vermeintlich identische Cayenne können technisch und finanziell in zwei Welten fahren. Fahrzeuge mit viel Sonderausstattung und tadelloser Historie werden natürlich stärker nachgefragt und sind dementsprechend zum Teil auch empfindlich teurer.
Weit gespreizte Motorenpalette
So fährt er: Faszinierend durch seine Fähigkeit, schiere Masse zu kaschieren. Auf langen Strecken gibt sich der Cayenne leise und gelassen, mit Luftfederung oberklassig. Im Anhängerbetrieb überzeugt er durch Stabilität, im Gelände (je nach Bereifung) durch Traktionsreserven und Untersetzung (bis 2013 verfügbar). Im Sport- und SportPlus-Modus (mit SportChrono-Paket) geht der Cayenne notfalls wie die Feuerwehr, fühlt sich eher eine Tonne leichter an.

Die zweite Auflage des Cayenne ist beeindruckend dynamisch. Pfunde werden clever kaschiert, solange das komplexe Fahrwerk intakt ist.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Die Motorenpalette ist irre weit gespreizt. Der 3.6 V6 (300 PS) ist solide, aber subjektiv schnell am Limit. Der 4.8 V8 S (400 PS) gibt sich souveräner, ist jedoch auch durstiger. Der 3.6 Biturbo mit 420 PS ist beliebter. Ein GTS punktet mit Sportler-Genen und kernigem V8-Sound. Turbo und Turbo S (500 bis 570 PS) vereinen brachiale Beschleunigung mit enormer Traktion, leiden jedoch häufig unter hohem thermischem Stress. Die V6 3.0 TDI (245 bis 262 PS) sind kräftig, wirtschaftlich und gefragt. Der V8 S mit 4.2 TDI (382 PS) schiebt dank 850 Nm Drehmoment an wie eine Lok. S Hybrid und S E-Hybrid sind laufruhig, aber im Alter teils kritisch bei Batteriezustand und Ladeelektronik.
Stärken
- Beeindruckendes Dynamikpotenzial
- Enorme Individualisierungsoptionen
- Tolle Fertigungsqualität
Schwächen
- Technisch extrem komplex
- Teils dubiose Importfahrzeuge
- Sündhaft teurer Unterhalt
Kurvenhunger bezahlt man mit Reifenverschleiß
Das macht Ärger: Serie sind zwei Jahre Neuwagengarantie, drei Jahre Lack- und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Trotz hoher Grundqualität zeigt der Cayenne einige Gebrauchtfallstricke. Das PDCC-System zeigt teils Hydrauliklecks. Bei der Luftfederung sind Bälge und Kompressor verschleißanfällig. Direkteinspritzer-Benziner zeigen teils verkokte Einlassventile. Der V8-Sauger kann mit Ölundichtigkeiten oder Ölverbrauch nerven.
Die Diesel leiden häufig unter AGR- und DPF-Problemen. Bei den Hybridversionen sollte man Hochvoltbatterie und Ladeelektronik von Porsche prüfen lassen. Der 8-Stufen-Automat leidet bei überaltertem Öl. Besonders bei den drehmomentstarken Versionen versagt oft frühzeitig das Vorderachsdifferenzial. Bremsen und Reifen sind üppig dimensioniert und dennoch verschleißfreudig. Beim KBA sind 12 Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 10,3 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 209 g/km |
Inspektion | 750-2500 Euro |
Haftpflicht (24)* | 1001 Euro |
Teilkasko (30)* | 1864 Euro |
Vollkasko (29)* | 3192 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 645 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 2220 Euro |
|---|---|
Anlasser | 2044 Euro |
Wasserpumpe | 1019 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 2223 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 2446 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 1145 Euro |
Infotainmentbildschirm | ab 2900 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 295/35 R 21 107 Y) | 1300 Euro |
Service-Links

































