Freude bereitet es ihm nicht, das Pflichtprogramm mitten im Nirgendwo. Der Porsche GT2 RS rollt widerwillig im fünften Gang durch eine Tempo-60-Baustelle, protestiert mit laut schepperndem Einmassenschwungrad gegen die naturwidrige Handhabung seiner Technik und gibt dem Fahrer selbst auf kleinsten Unebenheiten klar zu verstehen, dass seine knochentrockene Feder-Dämpfer-Abstimmung keineswegs für provisorische Buckelpisten gedacht ist. Gott sei Dank ist das Martyrium kurz darauf vorbei. Ein Schild kündigt die Aufhebung des Limits an. Dahinter erstreckt sich eine lange Linkskurve mit anschließender Geraden und – zum Höhepunkt – eine schnelle Links-rechts-Kombination.

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Während die extrem kurzwegige und knackig einrastende Schaltung die zweite Welle an den Antriebsstrang koppelt, der Boxer unter einem Zwischengasstoß befreit aufatmet und das Laderduo zum Frontalangriff auf die sechs Brennräume anstimmt, muss sich auch das StVO-Engelchen auf der Schulter mächtig festkrallen. Im nächsten Moment sticht der sehnige Leistungssportler in den Linksbogen – und das Zusammenspiel von Längs- und Fliehkraft erfährt just in diesem Augenblick eine neue Bedeutung. Scheinbar unbeeindruckt von der anliegenden Querbeschleunigung, rammt der Porsche seine 325 Millimeter breiten Hinterwalzen unnachgiebig in den Asphalt, sichert gleichzeitig mit innig haftender Vorderachse den gewählten Kurvenradius und lässt sich selbst von Fahrbahnverwerfungen nicht im Geringsten aus der Ruhe bringen. Auf der Geraden schlägt die 700 Newtonmeter schwere Drehmomentkeule dann vollends zu. Auch im nächsten Gang zieht der auf 500 Exemplare limitierte RS seinem Fahrer noch die Arme lang.

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Chevrolet Corvette ZR1
Legendär: Der amerikanische Sportwagen schlechthin ist die Corvette.
Bild: Lena Barthelmeß
Die Tachonadel fliegt über die Skala, den Endrohren entweicht ein Erfurcht gebietender Donnerhall. Kurz anbremsen, dann fliegen Mensch und Maschine mit irrem Tempo in die Wechselkurve. Beim Umsetzen drückt das Heck leicht. Von Haftungsverlust kann aber noch lange keine Rede sein. Nach vierzig Sekunden droht das nächste Limit. Fuß vom Gas, zurück zur StVO-Konformität. Gesittet rollt das rote Geschoss die letzten Meter zum vereinbarten Treffpunkt. Dort stehen bereits Corvette ZR1, Ruf Rt 12 S und … eine Polizeistreife – upps! Glücklicherweise nehmen die Beamten die weithin hörbare Vorstellung gelassen – widmen sich stattdessen lieber dem Neuankömmling sowie dessen sportlichem Beiwerk. Und entdecken dabei zahlreiche Details, die auf einen hervorragenden Body-Mass-Index hinweisen: Sichtkarbon, Titanabgasanlage, geschwundene Dämmmaterialien und vom Porsche Carrera GT entliehene Schalensitze. Optional sorgen Karbonkotflügel und eine Lithium-Ionen-Batterie für weitere Gewichtsersparnis.
Komfortextras wie Klimaanlage und Radio verbaut Porsche erst auf ausdrücklichen Wunsch. Dafür liegen jedem GT2 RS ein Sechspunktgurt und ein Feuerlöscher bei. Und auch sonst zielt das RS-Modell konsequent in Richtung Motorsport. Mittels optimierter Aerodynamik konnte der Gesamtabtrieb im Vergleich zum Serien-GT2 um 60 Prozent erhöht werden. Eine Ladedruckerhöhung auf 1,6 Bar und optimierte Ladeluftkühler pressen aus dem 3,6 Liter großen Boxer-Sechszylinder schließlich gewaltige 620 PS. Deren 685 sind es beim Ruf Rt 12 S – was das allradgetriebene Monster aber keineswegs profan zur Schau stellt. Stattdessen gibt er sich erst auf den zweiten Blick als Besonderheit zu erkennen. Etwa am eigens entwickelten Heckflügel, der wesentlicher Bestandteil des hauseigenen Highspeed-Set-ups ist.

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RUF RT 12S
Understatement aus Deutschland: Dem Ruf Rt 12 S sieht man seine 685 PS kaum an.
Bild: Lena Barthelmeß
Oder an den geänderten Kühleröffnungen im Heckbereich, deren Form ebenfalls aerodynamische Einflüsse erkennen lässt. Optische Spielereien ohne tieferen Sinn sucht man an einem Ruf vergebens. Selbst die dominante Vierrohr-Abgasanlage ist eine strömungsoptimierte Eigenlösung. Der serienmäßige Überrollkäfig versteckt sich hingegen gekonnt unter der edlen Innenraumverkleidung. Eine klassische Ruf-Spezialität sitzt im Heck des Allradlers. Basierend auf dem Porsche-964-Turbo-Motorblock, hat der Veredler mit Herstellerstatus ein Rennsporttriebwerk vom Feinsten kreiert und dieses mit zwei traditionellen KKK-Turboladern garniert. Trotz recht altmodischer Turbinen versetzt der auf 3,75 Liter aufgebohrte Boxer selbst ausgewiesene Gourmets ins Schwärmen. Denn das Hochleistungsaggregat zeigt auf Wunsch höchst kultivierte Umgangsformen, surft souverän durch tiefste Drehzahlniederungen und portioniert seinen Ladedruck unter Teillast sehr gleichmäßig.
Weitere Details zu Porsche GT2 RS, Ruf Rt 12 S und Chevrolet Corvette ZR1 gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.

Fazit

von

Manuel Iglisch
Der Porsche GT2 RS ist eine Präzisionswaffe vom Feinsten. Kompromisslos, stark, dennoch äußerst sensibel in der Handhabung. Anders der Ruf RT 12 S mit höchster Ausgewogenheit in der fahrdynamischen Stratosphäre. Die Corvette ZR1 indes ist eine Urgewalt, die bezwungen werden will!