Gebraucht-Check: SUV-Coupés
Von Audi bis Porsche: elegante Mittelklasse-SUV im Gebraucht-Check

Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Natürlich lässt sich darüber streiten, ob ein SUV elegant sein kann. Der Beliebtheit der Hochsitze hat der neue Trend, den der BMW X6 ab 2008 lostrat, auf jeden Fall noch einmal richtig Auftrieb gegeben. Die feine Coupé-Optik kommt an, hat allerdings auch einen echten Haken: SUV genießen ohnehin eine überdurchschnittlich hohe Wertstabilität. Auf die Versionen mit geschwungener Dachlinie trifft das noch einmal extra zu.
Ein gutes Beispiel ist das Mercedes GLC Coupé. Wer sich für die geräumigere Steilheck-Version entscheidet, kann beim Gebrauchtkauf schnell bis zu 5000 Euro sparen. Zwar gibt es auch Modelle wie den Range Rover Velar oder den Porsche Macan, die auch ohne Coupé-Version echte Hingucker sind und somit wunderbar in unsere Zusammenstellung eleganter SUV passen. Leider bringt das keinen echten Preisvorteil, Porsche und Land Rover tragen ihre Exklusivität schließlich schon im Namen.
Erfreuliche Ausnahme: der Alfa Romeo Stelvio. Wer den Italiener besser kennt, der findet ihn nicht nur optisch ausgesprochen sympathisch, sondern weiß: Auch sonst hat der Stelvio einiges auf dem Kasten, kapriziöse Technik gehört bei Alfa auf jeden Fall der Vergangenheit an. Gepflegte Stelvio-Modelle mit dem empfehlenswerten Diesel sind bereits für 24.000 Euro erhältlich.
Am anderen Ende der Preisskala steht der Audi Q5 Sportback, der aufgrund seines noch jungen Alters besonders teuer ist. Spätestens hier dürften Gebrauchtwagenkäufer schwer ins Rechnen kommen, denn die "normale" Version des Q5 ist bereits vier Jahre länger auf dem Markt und gebraucht deutlich günstiger zu erwerben. Wie immer im Leben gilt: Wer schön sein will, muss leiden – oder eben kräftig draufzahlen.
AUTO BILD stellt sechs Gebraucht-Tipps ausführlich vor, gibt Infos zu Stärken, Schwächen, Preisen und eine Empfehlung zur Motorvariante!
Alfa Romeo Stelvio
- Bauzeitraum: seit 2017
- Leistung: 150 bis 520 PS
- Motortipp: 2.2 Diesel mit 180 PS
- Testverbrauch: 7,2 l/100
- Preise: ab 24.000 Euro

Der Alfa Romeo Stelvio kann nicht nur sportlich, sondern federt auch kommod und besitzt effiziente Antriebe.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Alfa Romeo Stelvio könnte nach wie vor als Geheimtipp durchgehen, obwohl der Italiener bereits den einen oder anderen Sieg im Vergleichstest eingefahren hat. Doch denken einige beim Anblick eines Alfa Romeo nach wie vor an Qualitätsmängel, sportliche Enge oder veraltete Technik. Stimmt nur teilweise, denn der Stelvio sieht nicht nur entzückend aus, der elegante Latiner (wird im Werk Cassino in Latium gebaut) besitzt auch viel Platz, fein abgestimmte Antriebe (ZF-Achtstufenautomatik), ordentliche Sitze und ein relativ harmonisches Fahrwerk. Die sportlich-direkte Lenkung lässt den Stelvio zudem sehr agil wirken, auch wenn sein Wendekreis nicht zu den besten gehört. Der Dieselanteil bei Gebrauchten liegt bei über 60 Prozent, gepflegte Basisantriebe starten bei 24.000 Euro, der 510 PS starke Quadrifoglio bei 40.000 Euro.
Schwachstellen: Das mit der veralteten Technik trifft leider zu – bis 2023 dauerte es, ehe der Stelvio in den Genuss von modernen Matrix-Scheinwerfern kam. Ältere Modelle sind maximal mit Xenon ausgestattet. Ausfälle der Frontkamera kommen vor, dann sind gleich ein paar Assistenten lahmgelegt. Die Materialien im Innenraum wertete Alfa bereits im Jahr 2020 auf. Schiefe Spaltmaße und vergleichsweise starke Windgeräusche kommen auch bei jüngeren Modellen vor. Die Bedienung klappt relativ gut über den Drehdrücksteller, per Sprache wird es dagegen kompliziert.
Range Rover Velar
- Bauzeitraum: seit 2017
- Leistung: 180 bis 550 PS
- Motortipp: 3.0D
- Testverbrauch: 8,1 l/100 km
- Preise: ab 33.000 Euro

Der Range Rover Velar wurde mit kräftiger Linie gezeichnet, Luftfederung ist Serie. Seit Ende 2020 gibt es neue Reihensechser als Diesel und Benziner.
Bild: Tom Salt
Der feine Brite nur Mittelklasse? Stimmt, der 4,80 Meter lange Range Rover Velar, serienmäßig mit Luftfederung ausgestattet, passt mit seinen Dimensionen, Edel-Ambiente und Neupreisen ab knapp 70.000 Euro nicht so ganz in unsere Mittelklasse-Auswahl. Doch als Gebrauchter rückt er in dieselbe Preisklasse. Zudem: Sein Platzangebot auf der Rückbank ist auch nicht gerade groß – selbst im Vergleich zum BMW X4. Fast der Hälfte der Erstkäufer reicht beim Velar einer der Vierzylinder (Diesel und Benziner). Zur Vollendung kommt er aber erst mit einem der Reihensechszylinder, die Land Rover seit Ende 2020 im Velar sowohl als Selbstzünder als auch als Benziner verbaut. Die Diesel-Quote liegt bei Gebrauchten übrigens bei 70 Prozent. Zudem ist das Angebot sehr umfangreich, die großen Dreiliter-Diesel sind allerdings seltener vertreten.
Schwachstellen: Die ausfahrbaren Türgriffe arbeiten oft zu zögerlich und fallen teilweise aus (fahren nicht aus oder ein). Auch lässt sich der versenkbare Automatik-Drehknopf beim Herausfahren Zeit. Beim SCR-Katalysator kann der NOx-Sensor ausfallen (ca. 700 Euro). Motorschäden treten beim zwei Liter großen Diesel auf: Eine gelängte Steuerkette schubbert Kunststoff von den Gleitschienen, der den Ölkreislauf blockieren kann. Beim den V6-Dieseln treten Defekte vor allem an den Lagerschalen und der Kurbelwelle auf, teilweise auch aufgrund ausfallender Ölpumpen. Abstürze oder das Einfrieren des Infotainmentsystems betreffen besonders die frühen Modelle.
Mercedes GLC Coupé
- Bauzeitraum: 2016 bis 2023
- Leistung: 163 bis 510 PS
- Motortipp: 220 d (194 PS)
- Testverbrauch: 6,5 l/100 km
- Preise: ab 37.000 Euro

Die Coupé-Version des Mercedes GLC ist besonders begehrt und dadurch auch auffallend teuer.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Nicht mal ein Jahr nach dem Erscheinen des Mittelklasse-SUV GLC legte Mercedes mit dem GLC Coupé nach. Und der sportliche Auftritt mit der geschwungenen Linie sagte den Kunden zu. Wie der normale GLC beherrscht auch das Coupé die gesamte Bandbreite. Die zivilen Versionen begeistern mit gehobenem Komfort und entspannter Abstimmung, dafür benötigt man noch nicht mal ein Modell mit optionaler Luftfederung. Denn schon mit Stahlfedern gefällt das Fahrwerk. Die AMG-Versionen stellen das andere Ende des Spektrums dar. Besonders beeindruckend: Der bärenstarke V8 mit bis zu 510 PS lässt sich auch im Drift über die Rennstrecke bewegen. Doch schon beim 43er-AMG wird die Sportlichkeit mit einer Härte erkauft, die nicht so recht in den Alltag passen mag. Nicht besonders kultiviert läuft der V6-Diesel (350 d). Die optimale Motorisierung: der kräftige und laufruhige Reihensechszylinder im 400 d mit 330 PS. Der ist allerdings selten und teuer (ab 45.000 Euro). Die Alternative ist der Vierzylinder 220 d ab 2019 mit dem sparsamen und sauberen OM-654-Motor.
Schwachstellen: Die Verarbeitung liegt nicht immer auf Mercedes-Niveau. Das beginnt beim Kunstleder "Artico", das viele für echtes Leder halten, das im Alter aber schneller verschleißt (aufgescheuerte Sitzwangen). Oft mitgenommen sieht auch der großflächig verlegte Klavierlack auf der Mittelkonsole aus. Die Kratzer lassen sich wegpolieren, eine derartige Aufbereitung ist jedoch nicht ganz billig. Dazu streikt oft die kapazitive Fläche über dem Drehdrücksteller, genannt Sprungschanze. Der Austausch der Einheit kostet etwa 400 Euro. Beim TÜV leistet sich der Benz nur bei der Achsaufhängung schlechte Noten. Ansonsten ist der GLC auch nach 200.000 Kilometern noch ein zäher Bursche – das gilt auch fürs Coupé.
BMW X4
- Bauzeitraum: 2014 bis 2018
- Leistung: 190 bis 360 PS
- Motortipp: xDrive 30d
- Testverbrauch: 7,9 l/100 km
- Preise: ab 22.000 Euro

Mit dem 30d besitzt der BMW X4 den besonders effizienten Reihensechszylinder.
Bild: Toni Bader
Die Pionierarbeit des großen Bruders X6 (E71) setzte der BMW X4 ab 2014 eine Klasse tiefer um. Dank der bescheideneren Abmessungen kam der nicht nur von Anfang an sympathischer rüber, der elegante Schwung wirkt beim X4 auch glaubwürdiger. Den 143 oder 150 PS starken Basis-Diesel (18d) sowie die Hinterradantriebs-Versionen des X3 (sDrive) gibt es für den X4 nicht. Er besitzt stets Allradantrieb und mindestens 184 PS (als Benziner xDrive 20i). Vom Vierzylinder-Turbo gibt es eine stärkere Version mit 245 PS, darüber die Reihensechszylinder mit 306 (35i) und 360 PS (M40i, ab Ende 2015).
Optimal passen jedoch die sparsamen Diesel. Wir empfehlen den 30d mit 258 PS. Sein Reihensechszylinder bleibt erstens klanglich zurückhaltender, in puncto Diesel-Tonlage geht es kaum harmonischer. Und zweitens lässt sich das drei Liter große Aggregat immer noch sehr sparsam bewegen (siehe Testverbrauch). Im Vergleich zum X3 sitzt man im X4 ein paar Zentimeter tiefer, auf der Rückbank fordert ab 1,75 Meter Größe das geschwungene Dach seinen Tribut. Das hat seinen höchsten Punkt nun mal über den Köpfen von Fahrer und Beifahrer und fällt danach elegant ab.
Schwachstellen: Eine klassische BMW-Schwachstelle offenbart sich alle zwei Jahre bei der Hauptuntersuchung. Beim TÜV fällt das dynamische SUV nämlich häufig mit ausgeschlagenen Buchsen und Lenkgelenken auf. Der besonders weitverbreitete Vierzylinder-Diesel besitzt eine deutlich weniger anfällige Steuerkette als das Vorgänger-Aggregat (N47). Doch auch beim B47 kommen Schäden vor. Frühe Modelle des X4 haben fast zehn Jahre auf dem Buckel, daher sollte der Antrieb definitiv auf Ölverlust untersucht werden. Häufige Austrittsstelle: die Automatikölwanne. Kosten: rund 700 Euro.
Audi Q5 Sportback
- Bauzeitraum: seit 2021
- Leistung: 163 bis 340 PS
- Motortipp: 40 TDI
- Testverbrauch: 7,3 l/100 km
- Preise: ab 41.000 Euro

Entspannter Typ: Anders als beim Porsche Macan begeistert der Audi Q5 mit seiner Gelassenheit.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der jüngste und dadurch auch mit Abstand teuerste Gebrauchte in diesem Vergleich kommt von Audi. Mit der Sportback-Variante des Q5 ließ sich Audi viel Zeit, erst gute vier Jahre nach dem Erscheinen der zweiten Q5-Generation brachten die Ingolstädter auf dessen Basis erstmals eine elegantere Version mit geschwungenem Dach. Der Q5 zählt auch als Sportback zu den besonders hochwertig verarbeiteten Modellen in seinem Segment.
Spürbarer Beleg sind die ansprechenden Materialien im gut verarbeiteten und gedämmten Innenraum. Trotz der geschwungenen Linie muss man beim Sportback nicht auf den Pragmatismus des klassischen Q5 verzichten. Denn die verschiebbare und neigbare "Rücksitzbank plus" ist auch hier erhältlich. Stets eine passende Wahl: der 2,0-Liter-TDI mit 163 oder (noch besser) 204 PS. Der Antrieb läuft leise und gut gedämmt, gefällt mit Spatzendurst und reicht für den gemütlich abgestimmten Q5 vollkommen aus. Nur der Basis-Diesel mit 163 PS besitzt Frontantrieb, alle anderen Versionen verfügen standardmäßig über Allrad.
Auf den SQ5 (ab 54.000 Euro) kann man getrost verzichten, der 3,0 Liter große V6-TDI arbeitet auch im 50 TDI (ab 48.000 Euro) und kommt dort auf 286 statt 340 PS. In beiden Fällen beeindruckt das drehmomentgewaltige Triebwerk.
Schwachstellen: Vorteil der alten Basis: Der Q5 ist absolut ausgereift. Beim TÜV tritt er vorbildlich auf. Die große Ausnahme ist das Fahrwerk. Sowohl die Achsaufhängung als auch Federn und Dämpfer leiden unter dem hohen Gewicht, die Mängelquote schnellt hier ab der zweiten HU in die Höhe. Die hat der Sportback zwar noch nicht erlebt, die Ableitung vom normalen Q5 liegt jedoch auf der Hand.
Porsche Macan
- Bauzeitraum: seit 2014
- Leistung: 237 bis 440 PS
- Motortipp: Macan S
- Testverbrauch: 10,9 l/100 km
- Preise: ab 31.000 Euro

Bild: Roman Raetzke
Ausgerechnet im Stall des Sportwagenherstellers ist die Cashcow ein SUV. Genauer gesagt sind es inzwischen zwei, denn ab 2014 bekam der große Porsche Cayenne interne Konkurrenz vom Macan. In den meisten Jahren lag der Macan in der Zulassungsstatistik sogar vor dem Cayenne. Die technische Basis liefert der Audi Q5. Und daraus hat Porsche einiges gemacht: Der Macan glänzt beim Fahren mit einem sehr gelungenen Mix aus Komfort und Dynamik. Nicht nur das Fahrwerk wurde von Porsche modifiziert, auch die Antriebe wurden angepasst.
Das Ergebnis: Selbst der Basismotor, VWs bekannter EA888, gefällt im Macan mit verbessertem Ansprechverhalten und ausreichend Kraft in allen Lebenslagen. Der V6 des Macan S wirkt dennoch souveräner, erst damit lassen sich die sportlichen Talente des Macan wirklich ergründen. Das hat seinen Preis: Elf Liter Verbrauch sollte man im Alltag bei dem mindestens 340 PS starken Benziner einplanen.
Alternative: Der inzwischen vom Markt genommene V6-Diesel, der allerdings in den Abgasskandal verwickelt war, begnügt sich mit sieben bis acht Litern, startet gebraucht bei rund 28.000 Euro
Schwachstellen: Oft kommt der Macan aus gepflegtem Vorbesitz, dennoch sollte man hohe Kosten für Wartung und Reparatur einkalkulieren. Bei Modellen bis zu einer Laufleistung von 200.000 Kilometern lässt sich bei Porsche eine kostenpflichtige Porsche-Approved-Garantie abschließen – in jedem Fall empfehlenswert. Bei den teils sehr umfangreich ausgestatteten Modellen gibt es viele Fehlerquellen, etwa die optionale Luftfederung. Auch zickige PDK kommen vor, meist bei frühen Modellen.
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