Postbank präsentiert: Mein erster Traumwagen

Postbank präsentiert: Mein erster Traumwagen

Dieser Mini ist mein Laster

In ganz Europa suchte ein Hamburger nach seinem Traumwagen: einem Mini als ebenso winzige Kombiversion. Er fand den Briten schließlich in Frankreich. Alte Liebe rostet nicht – nur der Unterboden.
Der Tacho zeigt Tempo 80. Autos preschen auf zwei Spuren der A3 vorbei. "Die Entdeckung der Langsamkeit!", ruft Jörg Weusthoff hinterm Steuer. Man hört nur seine Stimme, sieht den rauschenden Verkehr. Den Moment, als der Wahl-Hamburger Entschleunigung in sein Leben holte, hat er im Handyvideo festgehalten. Das war vor vier Jahren, als er seinen frisch gekauften Austin Mini Countryman nach Hause fuhr.

Ein Plan reift

Rallyestreifen nur als Rostschutz; der Designer entdeckt im Mini die Langsamkeit.

Sein Traumwagen war der Kleinst-Laster schon länger. Wie lang genau, ist schwer zu sagen, es war eine wachsende Zuneigung. Und die hat, so weiß die Psychologie, die größte Anziehungskraft. "Ich fahre sehr gern Kart", sagt Jörg Weusthoff. In seiner Jugend drehte er auf Michael Schumachers Kartbahn nahe seiner Heimatstadt Köln auf. "So tief zu sitzen, gefiel mir. Auch das Direkte, nur kein Chichi." Jahre später kaufte er als Familienzweitwagen einen klassischen Mini, einen der letzten, die vom Band liefen. Den fand er toll, aber sehr klein. Beruflich gestaltete der Grafikdesigner Auto-Bücher. Oldtimer und viele Chromjuwelen vor Augen weckten bei ihm den Wunsch: Ich möchte auch einen Bezahlbaren. Ein Kumpel lebte damals, als das britische Pfund noch gut stand, in England. Schon reifte der Plan, einen Mini rüberzuholen, ein Jahr lang Fahrspaß zu haben und den kleinen Briten mit Gewinn zu verkaufen. Und dann: der Nächste, bitte! Das Pfund aber stieg, der Freund zog weg, der Traum war ausgeträumt. Aber nicht ganz.

Roter Mini, weißes Dach, große Liebe

Jörg Weusthoff wusste jetzt: "Ich will einen Mini Kombi mit Hecktüren wie ein Van!" Er suchte eineinhalb Jahre lang auf Online-Autobörsen quer durch Europa. Schließlich fand er ein Exemplar in Frankreich. Einen Briten, der eigentlich Portugiese ist. Denn gebaut wurde der Mini-Laster im Austin-Werk in Portugal. Der Vorbesitzer, ebenfalls Portugiese, zog ins Elsass und gab den Wagen nach 15 Jahren ab. Weusthoff reiste allein zum Objekt der Begierde. "Ich bin kein Profi, hätte aber einen mitnehmen sollen", weiß er heute. Damals überwog die Euphorie. Roter Mini, weißes Dach, 1962 erstzugelassen. "Ich war so verliebt und glücklich, einen gefunden zu haben, dass ich für 9000 Euro zugriff."

Der Trick mit dem Anlasser

Lektion Mini starten: erst Batterieschalter drehen, dann  Starterknopf drücken und Schlüssel drehen.

Happy fuhr er gut 700 Kilometer zurück, genoss die vielen lächelnden Gesichter der Leute beim Anblick des Autos – und kam auf dem Boden der Tatsachen an, als die deutsche Werkstatt unter einer dicken Schicht Unterbodenschutz auf Rost pur stieß. Der komplette Boden musste ausgetauscht werden. Dafür und für neue Bremsen, Reifen, Zierleisten sowie die TÜV-Vorgaben, Heizung, Warnblinker und orangefarbene statt weiße Blinker zu verbauen, wurden weitere 8000 Euro fällig. Die Beziehungskrise indes ist verflogen – wenn er nicht gerade an die anstehende Karosserie-Rostkur denkt. Rost ist seit jeher ein chronisches Leiden der Sixties-Ikone. Der 49-Jährige freut sich immer, Details seines Schwarms vorzustellen. Da ist zum Beispiel der Trick mit dem Anlasser. Erst Griff nach hinten zur Batterie, die unter der Rückbank sitzt, einmal am Schalter drehen, Starterknopf am Boden vor dem Beifahrersitz drücken, Schlüssel drehen, dann erst knattert der Wagen los. Eine integrierte Wegfahrsperre sozusagen.

Weniger Auto geht nicht

Ansonsten fasst Weusthoff zusammen: "Weniger Auto geht nicht." Das Gaspedal misst vielleicht zwei mal drei Zentimeter. Der Scheibenwischer ist Miniatur, was Fahren bei Regen nicht zum Vergnügen macht. Schalthebel und Handbremse sind endreduziert, das Cockpit mit dem typischen Rundtacho ebenfalls. Die Türen werden per Seilzug geöffnet, die Fensterscheiben geschoben. Überdimensioniert ist nur das Lenkrad, ist ja schließlich ein halber Van!

Wahre Größe kommt von innen

Aller Laster Anfang: Jörg Weusthoff nutzt seinen Countryman als Alltagskombi.

Wenn Weusthoff über seinen Mini spricht, fallen Worte wie "niedlich", "bescheiden", "süß", "formschön". Schon das Autogesicht mit Kulleraugen löst klassische Kindchenschema-Reaktionen aus. Wer nicht gerade auf der Rückbank sitzt, stellt fest: Wahre Größe kommt von innen. Wo nix ist, kann auch nichts Platz wegnehmen. Wäre der 1,80 Meter große Mann allerdings zehn Zentimeter größer, wäre seine große Liebe unerfüllt geblieben – zu wenig Kopffreiheit.
Was Jörg Weusthoff bislang nicht abgelegt hat, ist der Griff zum Sicherheitsgurt. Der fehlt ebenso wie Kopfstützen. Auch auf dem Weg zum Fotoshooting stellt sich kurz ein mulmiges Gefühl ein, als die Polizei an der Ampel neben ihm steht. Alles okay und legal, die Beamten haben rübergelächelt. Was sonst?

Postbank präsentiert: Mein erster Traumwagen

Autor: Sabine Franz

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