Jenny Zeume: Camping für alle

Der Campingboom treibt nicht nur Zulassungszahlen in die Höhe, sondern auch Fahrzeugpreise – egal ob neu oder gebraucht. Wer selbst ausbaut, kann sich den Traum vom Van trotzdem erfüllen. Und kreativ werden.
Solche Werbeanzeigen kennen Sie sicher: Ein junges Paar reist mit einem nagelneuen Van durch Europa und genießt die Freiheit. Toll, oder? Nur entspricht das leider häufig nicht der Realität.
Zwei Mercedes-Vans, zwei Konzepte: Vito-Ausbau in Eigenregie...

Ich bin Anfang 30 und kenne nur wenige junge Paare, Familien oder Singles in meinem Alter, die sich einen Van für 40.000 Euro oder mehr leisten können. Was aber bei den meisten drin ist: ein alter Bus, Multiplexplatten, Matratze und ein Gaskocher.
So haben mein Mann und ich unseren alten Vito letztes Jahr ausgebaut. Etwa sechs Wochen hat das gedauert und Blut, Schweiß und Nerven gekostet. Aber vor allem hat es richtig Spaß gemacht! (Campingbus-Ausbau: Ich baue mir meinen VW T5 Camper selbst!)
Der Ausbau ist nicht perfekt, trotzdem sind wir stolz wie Bolle! Genau darum geht es nämlich: Etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen und Neues zu lernen. Zum Beispiel, wie man mit einer Tauchsäge umgeht.

Helene Schmidt: Sind wir mal ehrlich

Selten geht ein Selbstausbau wirklich schneller, als einen Neuwagen zu kaufen. Nicht jeder hat den Platz, die Zeit und die Geduld, selbst zu bauen. Und: Auch beim eigenen Camper muss man immer Kompromisse eingehen.
Ich bekenne mich nun auch öffentlich: Handwerklich bin ich eher so semi-begabt. Selbst zu Hause bekomme ich kein gerades Loch in die Wand gebohrt. Und dann einen Camper selbst ausbauen? Das wäre eine Katastrophe.
... und edler Mercedes-Benz Marco Polo.

Wie immer im Leben sollte man vor allem eines sein: ehrlich zu sich selbst. Was ich nicht kann, können andere Menschen besser. Genauso wie umgekehrt. Und es ist überhaupt keine Schande, sich das einzugestehen.
Wie in der Oldtimerbranche kenne ich Ausbauprojekte, die an Zeit, Geld, Platz oder gleich an allem zusammen scheiterten. Wie viele Beziehungen und Freundschaften an solchen Ausbauprojekten zerbrochen sind, will ich gar nicht wissen.
Da kaufe ich mir lieber einen Neuwagen und weiß, dass alles funktioniert. Ansonsten habe ich eine Gewährleistung und einen Händler, der sich darum kümmert.

Von

Helene Schmidt
Jenny Zeume