Promille-Check per Finger
Neuer Fingerabdrucksensor könnte das Pusten überflüssig machen

Alkoholkontrolle ohne Pusten: Ein Fingersensor im Auto soll künftig Trunkenheitsfahrten verhindern. Doch die neue Technik könnte für reichlich Diskussionsstoff sorgen!
Bild: AUMOVIO SE
Alkohol am Steuer zählt nach wie vor zu den größten Unfallrisiken im Straßenverkehr. Nun könnte eine neue Technologie genau hier ansetzen: Statt der klassischen Atemprobe reicht ein kurzer Fingertipp. Die Unternehmen Aumovio und TrinamiX haben ein System vorgestellt, das den Blutalkoholwert direkt im Fahrzeug misst und ganz unauffällig ins Cockpit, Lenkrad oder Display integriert werden kann.
Wie es funktioniert und wer dahintersteckt
Aumovio hat sich nach eigenen Angaben der Zukunft der Mobilität verschrieben und bringt seine Expertise in der Integration von Fahrzeugsystemen ein. TrinamiX wiederum liefert die Sensortechnologie, denn das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft des globalen Chemiekonzerns BASF und spezialisiert auf optische Sensorsysteme sowie biometrische Anwendungen.
Die simple Messung per Fingerabdruck macht ein Verfahren aus der Medizintechnik möglich: Nahinfrarot‑Spektroskopie. Dabei werden nicht sichtbare Lichtimpulse durch die Fingerkuppe ins Gewebe der Haut geschickt, die je nach Alkoholgehalt (gemessen wird der Gehalt von Ethanolmolekülen) im Blut unterschiedlich reflektiert werden. Aus diesem Muster errechnet eine KI-basierte Software dann den Promillewert.

Diese Grafik des Statistischen Bundesamts zeigt, dass Alkoholeinfluss nach wie vor zu den wesentlichen Unfallursachen gehört.
Bild: Statistisches Bundesamt
Innerhalb weniger Sekunden soll man so ein konkretes Ergebnis erhalten. Die ganze Prozedur wäre damit durchaus alltagstauglich. Beide Partner betonen außerdem, dass das System flexibel konfigurierbar sei und sich an unterschiedliche gesetzliche Grenzwerte anpassen lasse.
Zwischen Sicherheit und Überwachung
So vielversprechend das klingt, so kontrovers wird die Idee vermutlich in absehbarer Zeit diskutiert werden. Befürworter könnten in der Technik einen echten Meilenstein für die Verkehrssicherheit sehen – gerade wenn die Alkoholmessungen automatisch vor Fahrtantritt erfolgen und der Sensor beispielsweise in die Start-/Stopp-Taste integriert wird. So ließen sich riskante Fahrten verhindern, bevor der Motor überhaupt startet.
Kritikern hingegen dürften vor allem der schleichende Verlust an Selbstbestimmung und die vermehrte Kontrolle ein Dorn im Auge sein. Muss künftig jeder Autofahrer seine Nüchternheit nachweisen, um losfahren zu dürfen? Offene Fragen tun sich auch zum Thema Datennutzung auf: Wo werden Messergebnisse gespeichert, wer hat Zugriff, und was passiert bei Fehlmessungen?
Fazit
Der Promille‑Check per Finger zeigt, wie weit die Fahrzeugtechnik inzwischen entwickelt ist. Mehr Sicherheit auf den Straßen ist das eine, eine neue Form der Kontrolle das andere. Ob und wann die Technik tatsächlich in Serienfahrzeugen landet, hängt jedoch von den Automobilherstellern, von gesetzlichen Vorgaben und nicht zuletzt von der Akzeptanz der Autofahrer und der Gesellschaft im Allgemeinen ab.
Service-Links
