Hinter dieser Simracing-Meisterschaft steckt jede Menge Formel-1-Erfahrung! Die Rede ist von der „Racing Unleashed Championship – Beyond the Pinnalce“, die an diesem Samstag und Sonntag auf den virtuellen Nürburgring kommt. Die Piloten der Racer und Challenger League tragen den zweiten Meisterschaftslauf aus. Gegründet und geführt wird das Projekt von Ex-Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn.
Die Meisterschaft von Racing Unleashed (hier geht’s zur Homepage) – das ist die Rennserie, in der die Piloten in Hochleistungs-Simulatoren ein virtuelles 2022er Formel-1-Modell die Rennstrecken jagen. 46-Zoll Bildschirme mit panorama-ähnlichem Blick und Kohlefasercockpits mit integriertem Soundsystem machen die Rennen in den Racing Lounges an verschiedenen Standorten in Deutschland, der Schweiz oder Spanien zum fast realen Formel-1-Erlebnis. Insgesamt geht es um ein Preisgeld von knapp 200.000 Schweizer Franken.
Das Rennen der Racer League seht Ihr hier heute ab 11 Uhr live:

Neben CEO Monisha Kaltenborn hat auch der neue Rennleiter Sauber-Vergangenheit. Ex-Formel-1-Pilot Karl Wendlinger gehört ab sofort zum festen Rennjury-Team. „Ich war bereits letzte Saison bei drei Läufen in der Rennleitung dabei. Dieses Jahr gehöre ich als sportlicher Direktor zum Stammteam“, freut sich der Österreicher, der von 1991 bis 1995 41 Formel-1-Rennen fuhr und durch seinen Crash im Monaco 1994 weltberühmt wurde.
„Meine Zeit als Rennfahrer hilft mir jetzt“, sagt er. „Dazu gehören die Regeln, die auf der Rennstrecke gelten, als Beispiel: ‚Wer beim Einlenken in die Kurve vorne ist, dem gehört sie auch‘. Solche Dinge kann man nach einer aktiven Motorsport-Karriere besser einschätzen.“
Wie in der Formel 1 wird auch bei Racing Unleashed jeder strittige Unfall untersucht. Neben Wendlinger analysieren Simracing-Experten die Szenen. In wenigen Minuten wird eine Entscheidung getroffen. Die Strafen werden den Fahrern live über Funk mitgeteilt. Diskussionen zwischen Teams und Rennleitung wie beim Formel-1-Saisonfinale 2021 in Abu Dhabi gibt es nicht. „Ausgesprochene Strafen sind endgültig“, stellt Wendlinger klar.
In der Rennleitung der Simracing-Meisterschaft sitzt mit Karl Wendlinger ein ehemaliger Teamkollege von Michael Schumacher.

Dass in der Formel 1 der öffentliche Funkverkehr zur Saison 2022 abgeschafft wurde, begrüßt der 53-Jährige: „Michael Masi stand dadurch sehr unter Druck. Durch die neue Regelung kann die Rennleitung ohne Einflüsse und unabhängig die Entscheidungen treffen.“ Allerdings ohne Masi, der von der FIA abgesetzt wurde. Stattdessen leiten in der Königsklasse jetzt der Deutsche Niels Wittich (ehemals DTM) und WEC-Rennleiter Eduardo Freitas die Geschicke, die bei Racing Unleashed nun Wendlinger unter Kontrolle hat.
Wie die Formel 1 hat auch die Racing Unleashed-Championship gerade erst ihren Saisonauftakt unter die virtuellen Räder genommen. Vor dem zweiten Lauf der Racer League am kommenden Sonntag führt der Spanier Javier Loro. Sieben Punkte dahinter folgt der Deutsche Angelo Michel, der beim Auftakt in Spielberg das bestes Ergebnis seiner Racing Unleashed-Karriere erzielte.
Am Sonntag, um 11:00 Uhr startet die Nürburgring-Übertragung. Auf Twitch wird das Rennen mit deutschem Kommentar gestreamt. Bereits am Samstag zur gleichen Uhrzeit sind die Fahrer der Challenger League an der Reihe.
Die Vorfreude ist auch bei Wendlinger groß. „Ich stehe immer wieder mit aufgerissenen Augen vor den Simulatoren und staune mit welcher Präzision die Piloten Runde für Runde fahren.“ Ein gewichtiges Lob von jemandem, der mit Michael Schumacher im Mercedes-Junior-Team unterwegs war und gegen Senna, Prost und Co. in der Formel 1 fuhr.

Von

Alexander Warneke