Überraschung bei der Rallye Finnland. Elfyn Evans, 32 Jahre alter Toyota-Werksfahrer aus dem Städtchen Dolgellau in Wales, gewann die schnellste Schotter-Rallye des Jahres. Mit seinem zweiten Saisonsieg verkürzte er den Abstand zu Tabellenführer und Teamkollege Sébastien Ogier auf nur noch 24 Punkte.
Der als Außenseiter geführte Evans hielt dabei die höher eingeschätzten Hyundai-Werksfahrer Ott Tänak aus Estland und Craig Breen aus Irland in Schach. „Ich kann’s nicht glauben. Einen Sieg in Finnland hätte ich nicht für möglich gehalten“, war auch Evans über seine Leistung erstaunt.
Er zählt jetzt zum illustren Kreis von nur 13 Ausländern, von denen sich die Finnen in bisher 70 Heimspielen die Butter vom Brot nehmen ließen.
Elfyn Evans, 32 Jahre alter Toyota-Werksfahrer aus Dolgellau in Wales
Evans übernahm am Morgen der zweiten von drei Etappen mit einer Serie von Bestzeiten die Führung. „Ich gebe 100 Prozent. Aber irgendwie ist Elfyn immer einen Tick schneller“, wunderte sich Breen. Der Hyundai-Aushilfsfahrer, ein Spezialist für Schotter-Wertungsprüfungen mit Durchschnittsgeschwindigkeiten teilweise über 120 km/h, hatte bis dahin knapp die Spitze vor Teamkollege Ott Tänak behauptet. Am Samstagabend war dann nur noch der Este in Schlagdistanz zu Spitzenreiter Evans. 9,1 Sekunden fehlten dem Weltmeister von 2019 zu diesem Zeitpunkt.
Doch der Toyota-Pilot ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. Er wagte sogar die – angesichts seiner knappen Führung riskante – Attacke auf der abschließenden „Powerstage“. Mit einer weiteren Bestzeit sicherte er sich die damit verbundenen fünf Extrapunkte.
Tabellenführer Sébastien Ogier, Rallye-Finnland-Sieger von 2013, kam dagegen dieses Mal nicht richtig in Schwung. Er musste sich sogar hinter dem Finnen Esapekka Lappi einordnen, der zum ersten Mal seit fast einem Jahr wieder am Lenkrad eines World Rally Car (1,6-Liter-Turbobenziner, rund 380 PS, Allrad) kurbelte.
„Ehrlich gesagt, keine Ahnung, woran es liegt“, rätselte Ogier. Der Titelverteidiger gewann nicht eine einzige Wertungsprüfung. Zusätzlich kassierte der 37-Jährige noch eine Strafminute, weil er einmal seinen Helm nicht korrekt aufsetzte. Rang fünf im Endergebnis war dadurch allerdings nicht in Gefahr. Zu groß war sein Vorsprung vor dem britischen Ford-Piloten Gus Greensmith. Mit der Ausbeute von zehn WM-Punkten betrieb Ogier Schadensbegrenzung. 
Damit kommen endgültig nur noch die beiden Toyota-Werksfahrer Sébastien Ogier und Elfyn Evans als Rallyeweltmeister 2021 in Frage. Für den auf Tabellenplatz drei geführten Belgier Thierry Neuville, auf dem vor der Finnland-Runde die letzten Hoffnungen von Hyundai ruhten, war im Verlauf der zweiten Etappe Feierabend. Auf Rang fünf und damit vor Ogier liegend, musste er seinen i20 WRC wegen eines beschädigten Motorkühlers abstellen.
Bei zwei noch ausstehenden Läufen ist Neuvilles Rückstand von 60 Punkten nicht mehr aufzuholen. Auch in der Marken-WM muss Titelverteidiger Hyundai wohl Toyota den Vortritt lassen.
Der nächste WM-Lauf ist die Asphalt-Rallye Spanien (14. bis 17. Oktober) in der Region Katalonien südlich von Barcelona

Ergebnis Rallye Finnland

1. Elfyn Evans/Scott Martin (Toyota Yaris WRC), 2:19:13,7 Stunden
2. Ott Tänak/Martin Järveoja (Hyundai i20 Coupe WRC), +14,1 Sekunden
3. Craig Breen/Paul Nagle (Hyundai i20 Coupe WRC), +42,2 Sekunden
4. Esapekka Lappi/Janne Ferm (Toyota Yaris WRC), +58,8 Sekunden
5. Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (Toyota Yaris WRC) +2:54,4 Minuten
6. Gus Greensmith/Chris Patterson (Ford Fiesta WRC) +5:02,3 Minuten

WM-Stand nach 10 von 12 Rallyes

1. Sébastien Ogier (Toyota Yaris WRC), 190 Punkte
2. Elfyn Evans (Toyota Yaris WRC), 166 Punkte
3. Thierry Neuville (Hyundai i20 Coupe WRC), 130 Punkte
4. Kalle Rovanperä (Toyota Yaris WRC), 129 Punkte
5. Ott Tänak (Hyundai i20 Coupe WRC), 128 Punkte
6. Craig Breen (Hyundai i20 Coupe WRC), 76 Punkte

Von

Christian Schön