Ratgeber gebrauchte Autoteile
Aufmöbeln statt abwracken

Der Schrottplatz wird zum Teile-Paradies: Deutschland wirft seine alten Autos weg. Um einige ist es echt schade. Denn viele Gebrauchte erscheinen für kleines Geld in ganz neuem Glanz. AUTO BILD macht den Test mit einem 5er BMW.
Bild: C.R. Schmidt
Da steht er nun. Mitten auf dem Schrottplatz, neben Autos, bei denen schon Motorhaube, Kotflügel und Räder fehlen. Ließen wir unseren dunkelgrünen 5er-BMW jetzt zurück, würden die Schrauber über ihn herfallen. Wie die Aasgeier würden sie Sitze und Karosserieteile ausbauen. Morgen könnte der Wagen schon klinisch tot sein, ein Wrack. Nein, das wollen wir nicht. Das will er nicht. Stefan R. (40) ist der Besitzer des BMW 520i Touring. Er hat ihn uns geliehen, um auf dem Schrottplatz nach passenden Ersatzteilen zu suchen.
Der 5er soll nicht der Prämie geopfert werden

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Auf geprüfte Teile gibt es ein Jahr Garantie

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Wir gehen in die zweite Etage, Regal 14. Hier, so sagt der Computer, soll ein Klimakompressor, passend für den BMW der Baureihe E34, liegen. Kiesow holt das fein gesäuberte Anbauteil aus dem Regal. "Wenn Sie den Kompressor in einer Fachwerkstatt einbauen lassen, gewähren wir ein Jahr Garantie." 159 Euro kostet das Teil, selbst ausgebaut und ungeprüft 99 Euro. Die Abwrackprämie. Bei Recycling-Unternehmen wie Kiesow sorgt sie für einen riesigen Ansturm. "Seit Einführung der Prämie haben wir 6000 Autos angenommen", erzählt der Schrott-Profi. Im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres waren es nur 1200 Karossen. Oder anders: Hat Kiesow früher 20 Autos täglich reinbekommen, sind es jetzt 100. Dafür hat die Firma kurzfristig einen Extra-Platz für 1000 Fahrzeuge sowie zwei weitere Gabelstapler anmieten müssen. Und – wie gesagt: Wer einen Golf III, Astra F oder Corsa B fährt, kann zurzeit aus dem Vollen schöpfen. Karosserieteile gibt es bei diesen Modellen oft in allen Farben.
Genug gesehen, die Rechnung bitte. Wir entscheiden uns für den Klimakompressor, zwei Zierleisten, einen Motor fürs Lamellen-Schiebedach und originale Aluräder. Macht zusammen 349 Euro. Auf rostfreie Türen in Dunkelgrün warten wir noch. Die Umweltprämie läuft ja weiter.
Die Optik – ein Fall für den Lackdoktor

Bild: C.R. Schmidt
Die Abwrack-Top-10
"Wir mussten in den letzten Wochen die Flächen für Mercedes und BMW verkleinern, weil so viele VW, Opel und Ford reingekommen sind", sagt Tim Kiesow, Juniorchef von Deutschlands größtem Auto-Recycler in Norderstedt bei Hamburg. Damit wird klar, was in Deutschland am häufigsten abgewrackt wird: VW, Opel und Ford. Nicht, weil die Autos besonders schlecht wären. Sie sind eben Verkaufsschlager, im Straßenbild am meisten vertreten. Wer also einen Opel Astra F (91–98), einen Golf III (91–97) oder Corsa B (93–00) besitzt und Teile sucht, könnte zurzeit auf dem Schrottplatz Volltreffer landen. Diese Modelle gibt es bei Autorecyclern in fast allen Farben und in vielen Ausstattungsvarianten.
Fazit
Deutschland wrackt ab – und was haben Sie davon? Na, die freie Auswahl auf dem Schrottplatz. Da gibt es Teile, die absolut top sind, die nicht in den Schredder gehören, sondern in oder an Ihr Auto! Wer eine betagte Karosse fährt und sie auch behalten möchte, sollte sich jetzt bei einem der Abwracker nach Ersatzteilen umsehen. Größer und besser war das Angebot noch nie. Danke, Abwrackprämie!
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