Reisemobil: Arbeiten im Camper
Welches Reisemobil eignet sich besser für Workation?

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Es ist der Gretchenfrage aller Camper: Will ich viel Wohnraum, oder soll es ein kompaktes Reisemobil sein, mit dem ich flexibel fahren und parken kann? Möchte man im Campingfahrzeug Workation machen, kommen noch weitere Aspekte dazu. Selbst wenn einem Paar im Urlaub ein Van völlig ausreicht, kann das Arbeiten am gleichen Tisch zur nervenaufreibenden Eheprobe werden. Und während der Liner an den freien Tagen wunderbar viel Platz bietet, verzweifelt man auf dem Weg zu einem dienstlichen Termin in der Großstadt an der Parkplatzsuche.
Die Wahl der Fahrzeuggröße hängt besonders vom Job ab. Neben reinen Büromenschen nutzen auch einige Außendienstler die Annehmlichkeiten eines Reisemobils. Die Anforderungen an das Fahrzeug sind dementsprechend unterschiedlich. Arbeitet man zum Beispiel als Redakteurin für ein Reisemobilmagazin, sind sowohl Flexibilität als auch Büromöglichkeit wichtig.
An einem Tag sitzt man noch am Rechner und tippt Texte ins Layout, am nächsten Tag sucht man einen Parkplatz in einem kleinen toskanischen Dorf, weil ein Hersteller hier seine Neuheiten präsentiert. Und was ist eigentlich mit den Hobbys, die man sonst zu Hause betreibt? Ist dafür überhaupt Platz im Camper? Deshalb waren wir sowohl mit dem Malibu Van Charming GT aus unserem Dauertest als auch mit einem Carthago Liner-for-two unterwegs und haben ausprobiert, welche Größe sich besser für ein Nomadenleben auf Zeit eignet.
Die Kandidaten
Malibu Van Charming GT Skyview 640 LE
Länge: 6,35 Meter
Sitzplätze: 4
Schlafplätze: 2
Preis: ab 62.370 Euro
Länge: 6,35 Meter
Sitzplätze: 4
Schlafplätze: 2
Preis: ab 62.370 Euro
Carthago Liner-for-two I 53
Länge: 7,83 Meter
Sitzplätze: 2
Schlafplätze: 2
Preis: ab 182.850 Euro
Länge: 7,83 Meter
Sitzplätze: 2
Schlafplätze: 2
Preis: ab 182.850 Euro
Arbeiten
Hier hat ganz klar der Carthago Liner-for-two die Nase vorn, besonders wenn man zu zweit im Reisemobil lebt und arbeitet. Das optionale Büro-und-Fernsehzimmer-Paket schafft einen Rückzugsort für Meetings und konzentriertes Arbeiten. Die Tür zum Wohnbereich lässt sich dann nämlich schließen. Es gibt außerdem einen zweiten Fernseher, der mit dem drahtlosen HDMI-Extender von Megasat als Monitor genutzt werden kann.

Gearbeitet wird im Malibu am Esstisch. Wer nur Laptop und Handy für den Job braucht, kommt damit aus.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Die Kommoden bieten Stauraum und Ablageflächen für eventuell benötigte Dokumente. Eine Schublade entpuppt sich als Schreibtisch. All das fehlt im Malibu, stört aber wenig, wenn man dort allein unterwegs ist. In Sachen Büro-Ergonomie gewinnen beide Fahrzeuge keinen Blumentopf. Die drehbaren Vordersitze sind auf Komfort und nicht auf Rückengesundheit ausgelegt.
Leben
Mehr Platz zum Lümmeln und gemeinsamen Kochen hat ganz klar der Carthago zu bieten. Durch die Trennung von Büro und Wohnraum kann man nach Feierabend einfach den Laptop herunterklappen und es sich im Wohnzimmer auf der Couch gemütlich machen. Allerdings muss vorher der Schreibtisch geräumt werden, denn am Abend kommt das Hubbett genau hier herunter.

Im Carthago bleibt die Rundsitzgruppe im Heck bestehen. Geschlafen wird vorn im Hubbett.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Eine ungünstige Lösung für Paare, bei denen einer frei hat, denn so müssen auch beide morgens aus den Federn. Da hat der Malibu mit seinem festen Heckbett einen Vorteil. Es ist ebenso groß und gemütlich wie im Liner, blockiert aber nicht die Sitzgruppe, an der gearbeitet wird.
Stauraum
Dass Camper in einen 4,25 Tonnen schweren Integrierten mehr einladen können als in einen 6,36-Meter-Kastenwagen, ist klar. Allein der Doppelboden des Carthago schluckt so viel Gepäck wie der Malibu. Wer nur im Sommer zwei oder drei Wochen Workation macht, braucht diesen ganzen Stauraum aber nicht unbedingt, kommt auch gut mit einem Van zurecht und bleibt so deutlich flexibler.

Der Liner lädt zum Sammeln ein. Wer viel Platz hat, bekommt ihn auch voll.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Die Kastenwagen von Malibu haben zudem ein durchdachtes Stauraumsystem, das jeden Zentimeter clever ausnutzt. Mit ein wenig Tetris-Erfahrung und einer Portion Minimalismus bekommen moderne Nomaden (zumindest in den warmen Monaten) alles mit, was sie zum Leben und Arbeiten on the Road brauchen.
Hobby
Malen, biken, surfen, stricken oder skaten: Hobbys brauchen mal mehr und mal weniger Platz und Equipment. Der Malibu Van eignet sich dabei für aktive Camper ebenso gut wie der Carthago Liner-for-two, vorausgesetzt, man hat die richtigen Halterungen für Surfboards oder Fahrräder verbaut.

Schlechte Nachricht für Biker: Ein Motorrad hat in keinem der beiden Camper Platz.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Für kreative Arbeiten ist der Liner aber besser geeignet, denn am großen Tisch an der XXL-Rundsitzgruppe kann man sich (im Vergleich zum engen Van-Wohnraum) wunderbar ausbreiten.
Parken
Die Paradedisziplin des Malibu Van! Dank seiner überschaubaren Maße ist mit etwas Glück sogar das Parken in der Großstadt drin.

War da was? Mit 6,36 Meter Fahrzeuglänge passt der Van noch gerade so in eine Parklücke.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Mit dem Carthago stehen die Chancen hier denkbar schlecht. Wer ein wenig Feingefühl und eine gute Rückfahrkamera hat, kann sich meistens noch in eine Lücke quetschen.
Deshalb ist man mit einem Kastenwagen flexibler. Camper, die viel herumreisen und dienstlich auch mal in die City müssen, wissen das zu schätzen.
Fazit
Ob Van oder Liner, hängt von mehreren Faktoren ab: Reise ich allein oder mit Familie? Kann ich auf Hobbys verzichten? Wohin geht die Tour? Als Alleinreisende würde ich mich für den Malibu Van entscheiden. Mit ihm bin ich einfach flexibler, und doch hat er alles an Bord, was ich zum Leben und Arbeiten brauche. Da dürfen die Malsachen auch mal zu Hause bleiben.
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