Wer sich in Kehl am Rhein umhört, bekommt schnell mit, dass bei Bürstner aktuell eine Menge auf dem Prüfstand steht. Der Traditionsbetrieb ist unter dem Dach der Erwin Hymer Gruppe zu Hause, und die hat den erfolgreichen Niesmann+ Bischoff-Chef Hubert Brandl zum Aufräumen geschickt. Sein Auftrag: Bürstner soll sich weniger verzetteln, sondern den Fokus auf das legen, was die Marke immer ausgemacht hat – solide Mittelklasse mit einem hohen Anspruch an Wohnlichkeit, und das zu Preisen, die wettbewerbsfähig sind.
Dass Bürstner da schon stark ist, zeigt der neue Campeo TD, ein schlanker Teilintegrierter, den die Kehler in fünf Grundrissen anbieten und als "modernen Einsteiger" unterhalb des Lyseo einordnen. Neben Einzel- und Queensbetten im Heck lässt sich der Campeo TD auch mit einem Stockbett ordern – oder, wie im Falle des hier vorgestellten TD 660, mit einem ziemlich schmalen Seitenbett nach französischem Vorbild.
Bürstner Campeo TD 660
Im Wohnbereich bietet der Campeo TD 660 eine angenehme Atmosphäre und viel Raum.
Bild: Bernd Hanselmann
Die Vielseitigkeit spielt Bürstner – zumindest derzeit noch – überall aus: Neben der Standardvariante mit 120 PS gibt es den Campeo auch mit 140 oder 180 PS, selbstverständlich nach Wahl mit Automatik. Der stolze Aufpreis für das Maximalpaket an Fiat-Antriebstechnik: 10.700 Euro. Und wem bei der künftigen Nutzung die serienmäßigen 3,5 Tonnen nicht genügen sollten, kann aus vier Auflastungen die passende wählen. Bis zu 4,4 Tonnen (2200 Euro) sind beim Campeo aktuell bestellbar.
Bürstner baut die Campeo-Familie mit einem indirekt beheizten Doppelboden. Das schafft nicht nur einen ebenen, stufenlosen Boden mit zusätzlichem Stauraum, sondern sichert auch im Winter ein angenehmes Klima im Inneren. Statt auf Gas setzt Bürstner beim Campeo auf Diesel als Heizenergie, was den Raum für eine zweite Gasflasche spart – und die Autarkie erhöht.
Motorisierung 
2.2 MultiJet Euro 6e 
Leistung 
103 kW (140 PS) bei 3500/min 
Hubraum 
2184 ccm
Drehmoment 
350 Nm bei 1400/min 
Höchstgeschwindigkeit 
ca. 145 km/h 
Getriebe/Antrieb 
Achtstufenautomatik/ Vorderrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 
60 l Diesel + 19 l AdBlue 
Länge/Breite/Höhe 
6950/2300/2950 mm 
Radstand/Bereifung 
4035 mm/215/70 R 15 
Masse fahrbereit/Zuladung ca. 
ca. 2950/550 kg 
Anhängelast (gebremst/ungebremst)
2500/750 kg 
Grundpreis/Testwagenpreis 
73.490 Euro / 92.260 Euro 
Noch mehr Komfort bietet das Winter-Paket (2490 Euro), das neben Sitzheizungen einen beheizten und isolierten Abwassertank bringt, vor allem jedoch erhält die sechs Kilowatt starke Truma Combi dann Elektrounterstützung.

Das hat der Bürstner Campeo TD 660

Beim Campeo 660 TD bleibt Bürstner bei einer großzügigen Sitzgruppe, die es optional mit einer Seitenbank gibt. Auch die L-Küche dahinter bietet, trotz ihrer Kompaktheit, viel Arbeitsfläche und einen mit 131 Litern großen Kühlschrank. Im Heck teilt der 660 TD seinen Platz auf. Das schlanke, im Fußbereich sogar nur 85 Zentimeter breite Bett ist nichts für Menschen mit viel Platzbedarf beim Schlafen, dafür fällt das Variobad mit seiner Schwenkwand umso großzügiger aus. Vor dem Duschen ist das Waschbecken mit einem Handgriff schnell über die Banktoilette gedreht.
Bürstner Campeo TD 660
Wenn zwei sich mögen, kann das maximal 135 Zentimeter breite Seitenbett genügen. Unten ist es noch schmaler.
Bild: Bernd Hanselmann
Wie in anderen Campeo-Grundrissen lässt sich auch im 660 TD ein manuelles Hubbett über der Sitzgruppe ordern (plus 2190 Euro), auch ein Umbau-Set zu einem weiteren Bett ist lieferbar (510 Euro). Und wer mit kleinen Kindern reist, wird sich über nochmals 310 Euro für Isofix-Halterungen wenig freuen.
Viel Wert legt der Hersteller auf den Einsatz nachhaltig hergestellter Materialien. Die drei Polstervarianten nutzen Recyclingmaterial, das Leder trägt ein Eco-Zertifikat. Und die Trennwände der Möbel entstehen heute aus Bio-Polymer, Türen und Garagendeckel aus den wiederverwendeten Ausschnitten. Das minimiert den Produktionsabfall.
Stolz ist Bürstner auch auf die smarte Steuerung. Via App und Bluetooth, aus größerer Entfernung via Mobilfunknetz, integrieren sich Smartphones und Tablets nahtlos in das Bordsystem, das sich so – zumindest von technikaffinen Nutzern – in einer ungeahnten Vielfalt steuern lässt.
Bürstner Campeo TD 660
Wer für 1990 Euro das "Attractive"-Paket ordert, erhält unter anderem ein durchgehendes Leuchtenband am Heck.
Bild: Bernd Hanselmann
Von unterwegs aus ist beispielsweise die Heizung erreichbar, damit die Innentemperatur schon perfekt passt, wenn die Rückkehr feststeht. Das gilt auch für heiße Sommer: Bürstner bietet ab Werk eine Dachklimaanlage (2620 Euro) an, und auch sie wird ins MyBürstner-System integriert. Doch smart ist für Bürstner auch die Skalierbarkeit: Spezielle Funktionen kosten extra.

So fährt der Campeo TD 660

Dem Testwagen hat Bürstner die mittlere Motorisierung mit 140 PS gegönnt. Damit folgt der Aufstieg von Light auf Heavy Duty, zudem profitiert er vom komfortablen Achtstufen-Automatikgetriebe. Damit wirkt der leer rund drei Tonnen wiegende Campeo TD 660 sehr angenehm und ausgewogen motorisiert, fordert jedoch eine Ausgabe von 6160 Euro zusätzlich.
Bürstner Campeo TD 660
Mit 140 PS gibt sich der 3,5-Tonner agil. Das "Attractive"-Paket harmoniert gut mit der Fiat-Lackierung "Expedition Grey".
Bild: Bernd Hanselmann
Die Standardversion begnügt sich mit 120 PS und Schaltgetriebe. Sie kann vermutlich weniger begeistern, doch ausreichend dürfte diese Kombination durchaus sein – besonders dann, wenn in der Regel nur zwei Personen reisen.

Fazit

Mit den Campeo-Modellen zielt Bürstner in die Mitte der Mitte. Die Vielfalt der Grundrisse überzeugt ebenso wie die Umsetzung des Konzepts. Allerdings darf der Grundpreis von 73.490 Euro nicht täuschen: Es lassen sich noch viele Extras hinzukonfigurieren.