Kennen Sie das? Der Monat dauert noch fünf Tage, aber das Konto ist schon wieder im roten Bereich. Wie soll man da Geld für einen Gebrauchtwagen beiseitelegen? Unmöglich! Autokauf ganz unten. Was, wenn der "Neue" kaum mehr als 1500 Euro kosten darf, aber eine ganze Familie transportieren muss? Dann schlägt die Stunde der Autos, die schon damals so sexy waren wie Feinripp-Unterwäsche, die nur gefahren und nie geliebt wurden. Dann schlägt die Stunde für den Renault Laguna Grandtour der ersten Serie. Auf den Höfen der Fähnchenhändler stehen sie in Hülle und Fülle, mit mehr als 200.000 km für weniger als 1000 Euro. Dann aber ohne TÜV, dafür mit abgelutschten Pneus. In verkehrstüchtigem Zustand ist der Franzosen-Passat für 1500 Euro zu haben.

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Renault Laguana Grandtour
Laguna-Cockpit: eine Plastikwüste im Stil der 90er. Das Lenkrad löst sich langsam auf – und das Airbaglämpchen leuchtet permanent.
Bild: Sven Krieger
Dann hat er zwölf Sommer und Winter gesehen – und viele, viele Hebebühnen. Machen wir uns nichts vor, dieser Franzose ist wie Bayern-Star Ribery: Oft verletzt, selten einsatzbereit. Sagt auch der AUTO BILD TÜV-Report 2009. Fast jeder dritte Laguna fällt nach elf Jahren durch die Hauptuntersuchung: Rost, labile Vorderachse, Ölverlust, zu großes Lenkungsspiel, maroder Auspuff. Darf man so was überhaupt kaufen? Wir meinen: Das hängt von mehreren Faktoren ab. Erstens sollte Ihr bester Freund Kfz-Mechaniker sein, zweitens könnte er sich den Laguna vor dem Kauf von unten ansehen, drittens sollten die allerschlimmsten Mängel behoben sein, viertens muss der Preis stimmen, fünftens sollte genug Geld für Reparaturen da sein. Kleiner Trost: Ersatzteile gibt’s dank Abwrackprämie vom Schrott. Deshalb kann so ein Laguna Sinn machen.

Die Probefahrt von AUTO BILD

Renault Laguana Grandtour
Auspuff: Hier wütet der Gammel gern. Mittel- und Endschalldämpfer wurden bei unserem Fotowagen ausgewechselt.
Bild: Sven Krieger
Unser Testwagen: Der dunkelgrüne Renault Laguna Grandtour von 12/1997 hat zwar keinen Kantenrost, dafür erzählen viele Beulen und eine schmuddelige Innenausstattung inklusive Brandlöchern in den Velourssitzen von einem bewegten Autoleben. Auf der Uhr stehen 147.200 km, mit Zweiliter-Benziner und 114 PS unter der Haube soll der Renault 1690 Euro kosten. Geht in Ordnung: Weil die Reifen gut sind, er bei Kilometer 105.000 einen neuen Zahnriemen bekam und Eurotax-Schwacke einen Händler-Verkaufspreis von 2500 Euro nennt – mit Garantie. Die gibt’s hier nicht. Unser Fahreindruck: 80 Euro für eine neue Batterie müssen sein – die ist halb tot. Die Kupplung lässt sich so schwer treten, als hätte jemand das Pedal einzementiert, der dritte Gang geht nur mit Gewalt rein, das Lämpchen für die beiden Airbags leuchtet dauerhaft. So würde er keinen TÜV bekommen. Aber er fährt ordentlich geradeaus, nichts poltert oder klappert.
Unser Urteil: Noch knapp ein Jahr TÜV, Zukunft unklar. Mit etwas Glück könnte der Laguna noch drei Jahre durchhalten. Wenn nur das Airbaglämpchen nicht wäre ...

Das macht Ärger

Verschleißfreudige Achsen, zu großes Lenkungsspiel: Bei älteren Renault finden die TÜV-Prüfer viele Macken fast schon blind. So auch beim Laguna der ersten Generation (1994–2001). Wenn beim Beschleunigen die Achse wackelt, klappert und klötert, sind meist einzelne Gelenke ausgeschlagen. Zudem gab es anfangs Ärger mit ausgeschlagenen und klappernden Stabilisator-Gelenken. Renault tauschte sie im Juni 1995 gegen eine verbesserte Ausführung aus und rüstete auch ältere Autos nach. Ein anderes Renault-Problem ist schmierig: Diverse Wellen-Dichtringe geben mit der Zeit nach, außerdem wird der Laguna im Bereich der Ölwannendichtung inkontinent. Vor dem Facelift 1998 sorgten defekte Lichtmaschinen, Kraftstoff- und Wasserpumpen sowie Anlasser für Ärger. Unser Spartipp: Im Falle eines Defekts holt man sich so etwas für ein paar Euro vom Schrottplatz. Andere Schwachstellen: zickende Elektronik, wenn bei Feuchtigkeit die Platine eines Steuergeräts nass wird und dann der Bordcomputer den Ausfall des ABS-Systems vermeldet. Auch bekannt: klemmende Türschlösser, wackelnde oder brechende Sitzgestelle oder verschlissene Sitzbezüge.

Fazit

1500 Euro zahlen, drei, vier Jahre fahren und dann weg – Endstation Afrika-Export. So wird der Laguna zum Schnäppchen. Weil die erste Generation des Franzosen längst auf dem Schrott steht, ist die Teileversorgung gut. Denn irgendwas klötert oder klappert beim Laguna immer.