Auf drei Amerikaner kommen zwei Autos. Ich schiebe mich durchs dichte Verkehrsgewühl von Los Angeles. Mehr als fünf Millionen Blechkarossen sind in dieser Stadt unterwegs. Unter der Dunstglocke von L. A. steht sogar die abgasgetränkte Luft im Stau – neben mir ein Golf, der hier Rabbit heißt. Im Rückspiegel irgendein Japaner. Ein Toyota, ein Mazda, ein Mitsubishi, was weiß ich? Oder gar ein Ami, ein "small-car" von Chrysler? Sie sehen alle gleich aus – glatt, schmal, mit viel Plastik, aber ohne Gesicht. Wo sind sie nur geblieben, die Sechs-Meter-Straßenkreuzer mit ihren riesigen Chromstoßstangen und den spitzen Heckflossen?
50 Meilen ostwärts halte ich an einem kleinen Schrottplatz. Dort liegen sie, die Giganten von gestern. Letzte Ruhe für ein Stück Amerika. Das milde Klima im Südwesten der USA hat sie konserviert. Drei Jahrzehnte alt, aber fast ohne Rost. Chrom, in dem sich die endlose Weite des Landes spiegelt. Heckflossen, in denen die ewig scheinende Sonne Kaliforniens funkelt. Riesige Kühlergrills, die aussehen wie offene Mäuler – jederzeit bereit, meilenweise Highways zu fressen. Karossen, mit denen sich die Stylisten gegenseitig überflügelten. Futuristische Cockpits mit einer verglasten Mischung aus Raumfahrtkapsel und Musicbox.
Dazu Panoramascheiben, durchgehende Sitzbänke und der Automatikhebel am Lenkrad. Das alles ist Zeitgeschichte. Vorbei, aber nicht vergessen. Aus dem Hubraum eines dieser Saurier der fünfziger Jahre machen sie heute drei Motoren. Vorbei ist die Zeit, als man noch ungeniert Kraft aus dem Vollen schöpfen konnte. Vorbei ist auch das scheinbar grenzenlose Wachstum dieser Straßenkreuzer und ihrer Motoren. Das Fahren begann für den Amerikaner mit acht Zylindern. Auf den Straßen war Platz ohne Grenzen, Sicherheit nur ein zweitrangiges Thema. Ingenieure und Designer brauchten sich damals über Aerodynamik, Gewicht, Größe und Verbrauch keine Gedanken zu machen.