Irgendwie paradox: Die moderne Technik macht Autos sicherer – und erschwert Rettungskräften im Falle eines Unfalls die Arbeit. Abhilfe sollen Rettungskarten schaffen, die den Feuerwehrleuten zeigen, wie sie möglichst schnell eingeklemmte Unfallopfer aus ihren Fahrzeugen befreien können. Inzwischen können sich Autofahrer die Karten für viele Fahrzeugmodelle aus dem Internet herunterladen. Aber was muss noch getan werden? Dazu sprach AUTO BILD mit einem, der es wissen muss: dem Vorsitzenden der Feuerwehrgewerkschaft, Ingo Schäfer (58).
Ingo Schäfer
Ingo Schäfer von der Feuerwehr-Gewerkschaft fordert eine Rettungskarten-Pflicht.
Bild: Werk
Herr Schäfer, Rettungskarten sollen den Feuerwehren bei der Rettung von Unfallopfern helfen. Rund 1000 stehen zum Download bereit. Reicht das? Es ist zwar ein guter Anfang, aber die Rettungskarten müssen sich für Notfälle an Bord der Fahrzeuge befinden. Warum? Die Autos werden zwar immer sicherer, deshalb dauert die Bergung länger. So müssen die Retter vor Ort zunächst Typ und Baujahr bestimmen. Es reicht schon lange nicht mehr, das Modell zu erkennen. Besonders Autos mit alternativen Antrieben erschweren die Bergung. Starkstromkabel oder Gastanks gefährden die Retter. Während wir bei Autos von 1992 noch in 40 Prozent der Fälle weniger als 50 Minuten zur Rettung brauchten, gelingt das bei Wagen der Baujahre ab 2005 nur noch halb so oft. Da hilft es den Einsatzkräften, wenn sich die Rettungskarte mit allen bergungsrelevanten Informationen griffbereit im Unfallauto befindet. Wie sollte es Ihrer Meinung nach weitergehen? Rettungskarten müssen Pflicht werden. Neufahrzeuge sollten von Werk aus mit der Rettungskarte versehen werden. Die Karte braucht ihren festen Platz in jedem Auto: Hinter der linken Sonnenblende, wo sie jeder Retter sofort findet. Die Politik muss jetzt endlich handeln!