Eine korrekt eingestellte Beleuchtung ist entscheidend für ein verkehrssicheres Auto und erleichtert das Fahren bei Dunkelheit. Scheinwerfer sorgen dafür, dass die Straße gut ausgeleuchtet ist und man selbst gesehen wird. Sind sie jedoch falsch justiert, können sie andere blenden oder die Sicht des Fahrers einschränken – etwa durch eine starke Beladung oder eine verstellte Grundeinstellung.

Woran merkt man, dass die Scheinwerfer eingestellt werden müssen?

Sind die Scheinwerfer zu niedrig eingestellt, fällt dies durch einen kleinen Lichtkegel und eine unzureichend ausgeleuchtete Straße auf. Sind die Leuchten hingegen zu hoch, machen andere Verkehrsteilnehmer oft mit der Lichthupe darauf aufmerksam, da die Scheinwerfer wie Fernlicht wirken. Wer also mehrmals bei Nacht angeblinkt wird, sollte dringend die Scheinwerfereinstellung überprüfen.

Wann muss man in die Werkstatt?

Falsch eingestellte Scheinwerfer können mehrere Ursachen haben: starke Beladung, eine fehlerhafte Grundeinstellung oder Verschleiß. Bei beladenen Fahrzeugen hilft die manuelle Leuchtweitenregulierung, die seit 1990 vorgeschrieben ist.
Leuchtweitenregulierung
Bei hoher Beladung wird die Leuchtweite mittels Drehrad korrigiert. Fahrzeuge mit Scheinwerfern, die mehr als 2000 Lumen Leuchtkraft besitzen (Xenon, LED, Laser), verfügen meist über eine automatische Leuchtweitenregulierung.
Bild: Angelika Emmerling
Mit einem Rädchen neben dem Lenkrad lässt sich der Neigungswinkel der Scheinwerfer anpassen. Moderne Fahrzeuge mit Xenon- oder LED-Licht über 2000 Lumen verfügen in der Regel über eine automatische Leuchtweitenregulierung, die den Winkel selbstständig korrigiert. Für die korrekte Einstellung helfen die drei Ziffern (1, 2 und 3) am Drehrädchen. Bei leichter Beladung die Leuchtweite auf Stufe 1 stellen. Bei mittlerer Beladung Stufe 2 wählen und bei voller Beladung (Rückbank belegt plus Gepäck im Kofferraum) Leuchtweite ganz runter auf Stufe 3 regulieren.
Wer es ganz genau nimmt, kann vor einer Urlaubsreise die Leuchtweite des Autos erst im unbeladenen Zustand ermitteln und dann nach Beladung den oberen Lichtaustrittskegel mittels Drehrädchen wieder anpassen. Dabei helfen Markierungen an einer mindestens zwei Meter entfernten Wand (siehe unten: Scheinwerfer selbst einstellen).
Zeichnet sich jedoch trotz korrekt eingestellter Leuchtweitenregulierung ein zu kurzes Licht auf der Straße ab oder macht der Gegenverkehr weiterhin durch Lichthupe auf blendende Scheinwerder aufmerksam, sollte die Grundeinstellung der Scheinwerfer in einer Werkstatt überprüft werden. Während sich Halogen-Scheinwerfersysteme (etwa H4 oder H7-Leuchten) selbst einstellen lassen, ist dies bei Scheinwerfern mit automatischer Leuchtweitenregulierung (Laser, Xenon und viele LED-Scheinwerfer) schwieriger.
BMW 1er Coupe
Xenonscheinwerfer besitzen eine automatische Leuchtweitenregulierung. Hier ist die Grundeinstellung des Leuchtweitenwinkels mittels Diagnosegerät notwendig, der die Stellmotoren der Scheinwerfer eine Einstellungsposition bringen kann.
Bild: Client Administrator
Denn hier ist ein Diagnosegerät erforderlich, das die Scheinwerfer für den Einstellvorgang in die Grundeinstellung bringt. Neben einem Scheinwerfereinstellgerät (SEG) ist auch der dafür notwendige Diagnosecomputer in jeder Werkstatt vorhanden.
Besonders komplex wird es bei modernen Projektionslichtsystemen, die mitlenken oder Bereiche des Lichtkegels gezielt ausblenden. Hier sind kamerabasierte Geräte erforderlich, um die Einstellung am Scheinwerfer vorzunehmen. Diagnosegeräte können bei Scheinwerfern mit automatischer Leuchtweitenregulierung außerdem auch externe Fehlerquellen wie Sensoren oder Kameras durch den Abgleich von Soll- und Ist-Werten ermitteln. Diese Sensoren müssen dann neu kalibriert werden.

Was kostet das Einstellen in der Werkstatt?

Die Scheinwerfereinstellung gehört standardmäßig zur regelmäßigen Inspektion. Viele Werkstätten bieten zudem, besonders zu Beginn der dunklen Jahreszeit, kostenlose Lichttests an, bei denen die Beleuchtung geprüft und justiert wird. Bei herkömmlichen Scheinwerfern liegen die Kosten für eine Einstellung meist zwischen zehn und zwanzig Euro. Für moderne Systeme wie Xenon- oder LED-Leuchten können hingegen bis zu 60 Euro anfallen.
Vor der Hauptuntersuchung ist es sinnvoll, die Scheinwerfer in der Werkstatt überprüfen zu lassen. Denn während Prüfingenieure bei Fahrzeugen mit manueller Leuchtweitenregulierung kleine Korrekturen schnell selbst mit einem Schraubendreher vornehmen können, ist dies bei Scheinwerfersystemen mit automatischer Leuchtweitenregulierung nicht spontan möglich.
Scheinwerfer vom Audi A6 Limousine
Moderne LED-Projektionsscheinwerfer (hier der Matrix-LED-Scheinwerfer eines Audi A6 C7) benötigen kamerabasierte Einstellgeräte.
Bild: Roman Raetzke
Ob das Fahrzeug mit einer automatischen Leuchtweitenregulierung ausgestattet ist, erkennt man daran, dass die Leuchthöhe der Scheinwerfer nach dem Start (am besten an der hellen Wand in einer Tiefgarage erkennbar) kurz auf- und abschwenkt, während die Stellmotoren die Leuchtweite kalibrieren.

Drohen Strafen bei falsch eingestellten Scheinwerfern?

Die korrekte Einstellung der Scheinwerfer ist auch in der Straßenverkehrsordnung (§ 50, Abs. 3 und 6) geregelt. So muss laut Gesetzgeber die Blendung des Gegenverkehrs gemieden werden, dazu sind die verschiedene Beleuchtungsstärkegrenzen einzuhalten. Außerdem muss die Fahrbahn in 25 Meter Entfernung vor dem Auto ausreichend ausgeleuchtet werden.
Damit droht sowohl bei einem zu hoch als auch bei einem zu niedrig eingestellten Abblendlicht ein Bußgeld. Das liegt je nach Sachverhalt (ohne oder mit Gefährdung und Sachbeschädigung) zwischen 20 und 35 Euro. In extremen Fällen kann auch die Betriebserlaubnis für den Wagen entzogen werden, bis die korrekte Scheinwerfereinstellung wieder hergestellt wurde. Bei tiefergelegten Fahrzeugen kommt es immer wieder zum Unterschreiten der unteren Scheinwerferspiegelkante. Die darf nicht geringer als 50 Zentimeter über dem Boden liegen.

Scheinwerfer einstellen in vier Schritten

Liegt ein Fehler in der Grundeinstellung der Leuchten vor, muss der Neigungswinkel direkt am Scheinwerfer eingestellt werden. Dies sollte im besten Fall in einer Werkstatt geschehen, denn die Mitarbeiter sind routiniert und besitzen ein SEG, dass durch eine spezielle Linse die Distanz zu einer zehn Meter entfernten Wand simuliert.
Einstellung der Scheinwerfer
Werkstätten nutzen ein Scheinwerfereinstellungsgerät. Dank einer speziellen Linse ist die Projektionsfläche über eine zehn Meter entfernte Wand überflüssig. Denn so weite Flächen sind nicht in jeder Werkstatt vorzufinden.
Bild: AUTO BILD - Perkovic
Muss die Grundeinstellung jedoch kurzfristig angepasst werden, weil die Scheinwerfer akut stark verstellt sind, also nicht weit genug leuchten oder den Gegenverkehr blenden, lässt sich die Einstellung auch selbst vornehmen. Voraussetzung sind eine ebene Fläche über mindestens fünf Meter und eine weiße Wand. Die geraden Flächen und hellen Wände von Parkhäusern eignen sich hierfür besonders gut. Der Reifenfülldruck muss an allen vier Reifen korrekt eingestellt und das Auto darf nicht beladen sein. Laut Prüfnorm ist nur der Fahrersitz mit einer 75 Kilogramm schweren Person besetzt.
Wichtig: Der vorgeschriebene Neigungswinkel des Abblendlichts muss ermittelt werden. Der liegt meist zwischen einem und 1,5 Prozent. Der vorgeschriebene Wert ist an den Scheinwerfern aufgedruckt, an einem Aufkleber am Scheinwerfer vermerkt oder in der Bedienungsanleitung des Autos zu finden. Lässt er sich nicht ermitteln, sollte man bei der Einstellung mit einer Neigung von einem Prozent arbeiten und später in der Werkstatt eine Feineinstellung vornehmen lassen.
Scheinwerfereinstellung selbst vornehmen:
  1. Das Auto direkt vor der Wand positionieren (Stoßstange berührt beinahe die Wand) und die oberen Lichtaustrittskanten der beiden Scheinwerfer mittels Klebeband an der Wand markieren (Nullwert).
  2. Sollwert für Neigungswinkel an der Wand mittels zweier zusätzlicher Klebestreifen an der Wand markieren. Liegt der vorgeschriebene Neigungswinkel bei 1,2 Prozent, muss die obere Lichtaustrittskante sechs Zentimeter unter dem Nullwert liegen, wenn das Auto exakt fünf Meter vor der Wand steht. Steht das Auto exakt zehn Meter davor, müssen die Klebestreifen für den Sollwert des Neigungswinkels 12 Zentimeter unterhalb des Nullwertes angebracht werden.
  3. Fahrzeug in exakt fünf oder zehn Metern (Entfernung mithilfe von Maßband/Zollstock ermitteln) gerade vor der Wand positionieren, sodass die beiden Scheinwerfer die Wand aus identischem Abstand anstrahlen.
  4. Den Neigungswinkel des Abblendlichts mithilfe der Einstellschraube am Scheinwerfer mit einem Schraubendreher auf den Sollwert einstellen. Die oberen Lichtaustrittskanten müssen an der Wand exakt die Klebestreifen des Sollwertes erreichen.
Lampen- und Scheinwerferwechsel
Aus dem vorgegebenen Neigungswinkel (hier 1,2 Prozent) ergibt sich, dass die obere Lichtaustrittskante in fünf Metern Entfernung sechs Zentimeter unterhalb des Nullwertes (Lichtaustrittskante direkt vor dem Scheinwerfer) liegen muss.
Bild: Auto Bild
Nach dieser Methode lassen sich auch Xenon-Scheinwerfer mit automatischer Leuchtweitenregulierung ohne Diagnosegerät einstellen. Hier sollte im Anschluss in jedem Fall eine nachträgliche Feineinstellung in der Werkstatt erfolgen.