Nichts spornt Underdogs mehr an als eine Herausforderung. Doch ist der neue Ford Focus ST denn überhaupt einer? Schließlich hat er dank spaßigem Fahrverhalten und attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich mit seinen Seriengegnern immerhin den zweiten Platz belegt. Doch aufgrund leichter Leistungsdefizite, fehlender mechanischer Differenzialsperre und auf der Rennstrecke überraschend starker Lastwechselreaktionen markierte er bei Beschleunigung wie Rundenzeit das Schlusslicht. Ford-Tuner Walter Wolf hat also einiges an Arbeit vor sich – was ihn aber nicht im Geringsten schreckt. Umso konsequenter geht der in Neuenstein ansässige Veredler vor.
Wolf Focus ST
Wolf setzt beim Focus ST voll auf Kurvenperformance und Rennstrecke.
Focus ST Wolf Racing kommt aus dem Motorsport und setzt seit Jahrzehnten auf klassisches Tuning. Dem 2,0-Liter-Turboaggregat verhilft er mit neuen Einspritzdüsen, geänderter Ansaugluftführung, eigener Elektronik und einer Sportauspuffanlage ab Turbo zu 306 statt 250 PS. Weil im Sport-Ford serienmäßig nur eine elektronisch simulierte Differenzialsperre installiert ist und Wolf sich nicht mit halben Sachen abgibt, montiert er kurzerhand eine Drexler-Lamellensperre. Das Serienfahrwerk tauscht er gegen ein H&R-Gewindefahrwerk aus. Kraft hat der starke Ford zweifelsohne – die braucht er aber auch. Denn im Vergleichstest stehen ihm zwei arrivierte Gegner gegenüber.
Elia Mégane RS 300
Der breite Auftritt des Elia Mégane RS 300 ist nicht nur Show. Ein Teilcarbon-Spoiler sorgt für Anpressdruck.
Mégane RS 300 Zunächst der Renault Mégane RS 300 von Elia. Schon die Basis ist ein Siegertyp. Der in Langenzenn bei Nürnberg beheimatete Renault-Veredler hätte also wegen der gesunden Basis nur etwas Feinarbeit leisten müssen. Doch das Team um Hans-Peter Walbrun lässt sich nicht lumpen und stellt einen rundum abgerichteten Franzosen zum Test bereit – ebenfalls mit allen erforderlichen Gutachten. Dabei dient allerdings nicht der aktuelle RS TCe 265, sondern der Vorgänger TCe 250 als Basis. Macht aber nichts, denn mittels größerem Ladelufkühler, Zusatzsteuergerät und kompletter Sportauspuffanlage erwachen in beiden Varianten des Zweiliters 292 PS.
 Mathilda Scirocco GT-RSP
Dank KW-Fahrwerk lässt sich der Scirocco per Tastendruck von Komfort auf Sport stellen.
Scirocco GT-RSP Wo er ist, ist vorn – zumindest, was die Fahrleistungen angeht. Bis 100 km/h hat er dem Standard-Scirocco R samt DSG mit 5,4 Sekunden sechs Zehntel eingeschenkt, bei 200 km/h lautet der Stand 18,6 zu 20,0 Sekunden pro Mathilda. Während die Serie bei 250 km/h abregelt, lässt sich die Tuningversion erst bei gemessenen 268 Sachen von den Fahrwiderständen einbremsen. Dem unscheinbaren Wolfsburger traut man solche Sprintstärke gar nicht zu. Unter der Haube hat er es jedoch mit 337 PS faustdick. Dem Serienturbo vermacht Mathilda einen strömungsgünstigeren Laderausgang aus Alu, dazu kommt eine leistungsstärkere Benzinpumpe. Mehr Infos finden Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel gibt es auch im Online-Heftarchiv als PDF-Download.

Fazit

Längsdynamisch dominiert Power-Primus Mathilda, auf der Rennstrecke fährt der Wolf Focus ST allen davon, verliert aber Punkte wegen seiner alltagsfremden Fahrwerksabstimmung. Unterm Strich holt sich Wolf den Sieg dank günstiger Tuningpreise. Der ebenfalls fair kalkulierte Elia Mégane hält wacker mit, ihm fehlt es aber an Leistung. Mathilda stellt den mit Abstand alltagstauglichsten Sportler. Längsdynamik und Rennstrecken-Performance überzeugen, das Preisniveau von Basisfahrzeug und Tuning aber kostet Punkte.