Serie: Das Rennen meines Lebens
Unfall-Flucht in Long Beach

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Weil es hinter ihm dauernd schepperte, wurde Nelson Piquet's erster Triumph in der Formel 1 zum Solo. Dem Sieg im Großen Preis der USA/West im Jahr 1980 folgten 22 weitere, aber die Fahrt in Long Beach ist das Rennen seines Lebens.
Ich muss zugeben, dass ich mich mental nicht allzu sehr in der Vergangenheit bewege. Aber wenn ich schon ein Rennen herausgreifen soll, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, dann den GP der USA/West von 1980. Ich fuhr im dritten Jahr für Bernie Ecclestone's Team und in der Formel 1. Und bekam als 28-Jähriger allmählich Hunger auf Erfolg. Ich glaube, in Long Beach herrschte an diesem Tag Bullenhitze. Ich startete im Brabham-Ford von der Poleposition vor René Arnoux im Renault-Turbo, Patrick Depailler und Jan Lammers. Diese Position gab ich nicht mehr ab und gewann das Rennen. Ganz locker. Ich verspürte im Cockpit nicht den geringsten Druck von meinen Gegnern. Ich war an diesem Tag eine Einheit mit dem Brabham und dem Fordmotor. Ich flog einfach davon. Sicher auch, weil sich einige meiner größten Widersacher durch Kollisionen selbst oder gegenseitig eliminierten.
Clay Regazzoni verletzte sich schwer (saß bis zu seinem Tod 2006 im Rollstuhl; d. Red.). Aber von alledem bekam ich nichts mit. Und im Ziel betrug mein Vorsprung vor Riccardo Patrese knapp 50 Sekunden. Über eine Minute auf meinen Landsmann und zweimaligen Weltmeister Emerson Fittipaldi. Und das bei meinem ersten GP-Sieg. Natürlich war ich stolz auf dieses Solo, aber vor allem über die Art und Weise. Es war makellos, eine Demonstration: Pole, schnellste Rennrunde, Start-Ziel-Sieg. Das alles auf einem langsamen, schwierigen Stadtkurs, der auf und ab führte und knifflige Passagen aufwies. Im weiteren Saisonverlauf gewann ich noch in Holland und Italien, aber es reichte nicht für den WM-Gesamtsieg. Den holte sich Alan Jones. Ich musste noch ein Jahr auf den Titel warten.
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