Skoda Enyaq Coupé: Gebrauchtwagen-Test
Das hat das gebrauchte Enyaq Coupé zu bieten

Das 2022 eingeführte Skoda Enyaq Coupé wird gebraucht zunehmend relevant. AUTO BILD klärt ab, was das elegante Elektro-SUV als Gebrauchtwagen taugt.
Bild: Christoph Börries
Vor 25 Jahren fand Skoda seine neue Erfolgsformel. Eine RS-Plakette am Heck adelte das Fließheck des Octavia erstmals 2001. Und Skoda wurde erstmals als dynamisch und wertig akzeptiert. Genau das gelingt auch dem 2022 eingeführten Enyaq Coupé, wobei die Rezeptur nur dem technologischen Zeitgeist angepasst wurde. Ein modernes mittelgroßes Elektro-SUV mit VW-MEB-Baukasten-Genen, cleveren tschechischen Ideen, zu recht fairen Preisen kalkuliert trifft den gehobenen Anspruch der Masse.
Markentypisch bietet das Enyaq Coupé sehr viel Platz
Das ist er: Mit 4,65 Meter Länge, satten 1,88 Meter Breite (mit Außenspiegeln 2,15 Meter) und 1,62 Meter Höhe hat das Enyaq Coupé den richtigen Formfaktor für Familien und Geschäftsreisende. Seine technische Basis teilt es sich mit dem VW ID.5 und dem Audi Q4 e-tron Sportback. Die Proportionen wirken jedoch eigenständig, stattlich ist der Radstand von 2,77 Metern. Ein starres Glasdach ist beim Coupé serienmäßig verbaut, was für ein lichtdurchflutetes Interieur sorgt.

Bis 2024 zum Facelift trug das Enyaq Coupé diese Front, dann folgte der neue "Modern Solid"-Look.
Bild: Christoph Börries
Gemessen am Format bietet das Enyaq Coupé tatsächlich markentypisch sehr viel Platz und einen qualitativen Vorsprung gegenüber der Konzernmutter. Vorn finden selbst Zwei-Meter-Sitzriesen auf ergonomisch konturierten Sitzen bequem Platz, das Cockpit mit Touch- und Schaltermix gefällt je nach Softwarestand mittel bis prächtig. Auf der Rückbank fällt besonders der üppige Knieraum positiv auf, lediglich die Kopffreiheit im Fond leidet ab 1,80 Meter Körpergröße etwas unter der Coupé-Linie. Der Kofferraum fasst je nach Lehnenstellung 570 bis 1610 Liter, was für diese Fahrzeugklasse und angesichts der elegant gewählten Dachlinie beachtlich ist.
Technische Daten
60 | iV 80x | iV RS | |
|---|---|---|---|
Motor | PSM/hinten | ASM/vorn + PSM/hinten | ASM/vorn + PSM/hinten |
Batterieart | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku |
Dauerleistung | 70 kW (95 PS) | 77 kW (105 PS) | 77 kW (105 PS) |
Spitzenleistung | 132 kW (180 PS) | 195 kW (265 PS) | 220 kW (299 PS) |
max. Drehmoment | 310 Nm | 425 Nm | 460 Nm |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h | 160 km/h | 180 km/h |
0–100 km/h | 8,7 s | 6,8 s | 6,5 s |
Akkugröße/Kraftstoff | 58 kWh (netto)/Strom | 77 kWh (netto)/Strom | 77 kWh (netto)/Strom |
Getriebe/Antrieb | Eingangautomatik/Hinterrad | Eingangautomatik/Allrad | Eingangautomatik/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4653/1879/1621 mm | 4653/1879/1621 mm | 4653/1879/1621 mm |
Kofferraumvolumen | 570-1610 l | 570-1610 l | 570-1610 l |
Leergewicht/Zuladung | 2000/510 kg | 2214/536 kg | 2255/485 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 1000/750 kg | 1200/750 kg | 1200/750 kg |
Drei Ausstattungslinien und eine umfangreiche Sonderausstattungsliste
Das hat er: Das Enyaq Coupé müht sich erfolgreich, unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden, ist in drei Ausstattungslinien erhältlich. Die Basis ist keinesfalls ärmlich, bietet mindestens Wärmepumpe, Klimaautomatik, 13-Zoll-Touchdisplay, Infotainment mit Smartphone-Integration und Navigation, Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfer und Alufelgen.
Die Sportline trägt ihr Versprechen im Namen. Serienmäßig gibt es eine fahraktivere Progressivlenkung, ein Fahrwerk mit Fahrprofilen sowie Sportsitze mit integrierten Kopfstützen und ein heizbares Sportlenkrad mit Schaltwippen. Schwarze Karosserieakzente und LED-Matrix-Scheinwerfer sind ein sichtbares Upgrade, hochglänzende Akzente und bis zu 21 Zoll große Alufelgen sind eher Herzens- als Vernunftssache.

Schwungvolles Cockpit mit großem Mitteldisplay. Verarbeitung und Materialien haben durchaus Premiumtendenz.
Bild: Christoph Börries
Das Thema Luxus spielt die edle L&K-Variante mit Chromschmuck und Details wie belüfteten Massagesitzen vorn, einer Lederausstattung, Head-up-Display sowie reichlichst Assistenten voll aus. Als Topmodell rundet der von uns gefahrene RS die Auswahl ab. Innenraum-Designs mit Kontrastnähten, RS-Logo auf den bequemen Sportsitzen sowie RS-spezifische Grafiken in Instrumenten und Infotainment mühen sich um Eigenständigkeit.
Um die umfangreiche Sonderausstattungsliste zu verstehen, braucht es Geduld. Sie ist aufgeteilt in Themenbereiche, wobei besonders die geschickt geschnürten Pakete "Clever" und "Plus" den Alltag mit Dingen wie Keyless Entry, induktivem Smartphone-Laden, Sitz- und Lenkradheizung sowie verbesserter Geräuschdämmung attraktiv machen. Die Assistenzausstattung ist, je nach Konfiguration, voll auf der Höhe der Zeit und durchaus üppig. Prädiktiver Abstandsassistent (pACC), Stau- und Spurwechselassistent (Side Assist) sowie adaptiver Spurhalteassistent machen den Alltag sicherer, auch wenn es mitunter zu Systemstörungen kommen kann.
Der Fahrkomfort gehört zu den stärksten Argumenten
So fährt er: Das Leistungsspektrum reicht von 180 PS (Enyaq 60) bis 340 PS (RS ab Oktober 2023). Der Antrieb erfolgt generell über eine Permanentmagnet-Synchronmaschine an der Hinterachse. Die Allradversionen haben zusätzlich eine Asynchronmaschine an der Vorderachse. Das Basismodell 60 mit Hinterradantrieb und 58 kWh Kapazität (netto) reicht als Vernunftlösung für den Alltag. Realistisch sollten je nach Jahreszeit 300 bis 400 Kilometer Reichweite drin sein. Die DC-Ladeleistung liegt bei eher müden 50 bis 120 kW.

Das Enyaq Coupé wiegt bereits in der Basis zwei Tonnen. Das Fahrwerk wirkt geschmeidig.
Bild: Christoph Börries
Die 77-kWh-Varianten (iV 80 und iV 80x) bringen mehr Puffer. Beim RS sind ebenfalls 77 kWh netto nutzbar, bei einer Gesamtkapazität von 82 kWh. Alle Fahrakkus nutzen Lithium-Ionen-Technik. Der RS gehört zum Schnellsten, was Skoda je in Serie auf vier Räder gestellt hat. Mit 299 bis 340 PS Systemleistung und bis zu 679 Newtonmeter Systemdrehmoment sowie Allradantrieb geht der RS in nur 5,5 Sekunden auf 100 km/h – beachtlich. Die limitierte Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h ist dagegen eher zurückhaltend. Am DC-Lader kann das Top-Enyaq-Coupé mit bis zu 175 kW geladen werden. Relevant ist beim Gebrauchtkauf jedoch nicht nur der Peak-Wert, sondern auch die Ladekurve.
Fahrkomfort gehört zu den stärksten Argumenten für das Modell: Die Lenkung arbeitet angenehm direkt, das Fahrwerk wirkt ausgewogen und sollte auch nach dem ersten Leasingzyklus und knapp 100.000 Kilometern normalerweise noch klapperfrei sein. Der RS mit serienmäßiger Progressivlenkung und strafferer Abstimmung erfordert generell etwas mehr Nehmerqualitäten als seine zahmeren Brüder.
Stärken
- Tolles Raumangebot
- Gutes Assistenzniveau
- Angenehmer Fahrkomfort
Schwächen
- Bestenfalls durchschnittliche DC-Ladeleistung
- Infotainmentkonzept mit Schwächen
- Mit gehobener Ausstattung kein Schnäppchen
Unbedingt auf eine lückenlose Servicehistorie achten
Das macht Ärger: Skoda gibt dem Enyaq Coupé zwei Jahre Neuwagengarantie (optional auf fünf Jahre verlängerbar), drei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie mit auf den Weg. Für den Hochvoltakku garantiert Skoda außerdem acht Jahre oder bis 160.000 Kilometer (SoH mindestens 70 %).
Angesichts unserer Messung mit dem Aviloo-Tester dürfte der teure Akku jedoch wesentlich langlebiger sein. Nach gut 75.000 Kilometern war die messbare Degradation gering, noch 93,1 Prozent von der ehemaligen Akkukapazität verfügbar. Trotzdem sollte man auf eine lückenlose Servicehistorie achten, um im Fall der Fälle auf eine Garantie für das teure Bauteil zurückgreifen zu können.
Ein typisches Alltagsproblem sind die Bremsen. Die Funktion der Fußbremse reicht häufiger bei der Hauptuntersuchung nicht aus. Ursache: Die Rekuperation entlastet die mechanischen Bremsen so stark, dass durch Korrosion mangelnde Reibwerte begünstigt werden. Daher sollte man beim Kauf genau auf den Zustand von Belägen und Bremsscheiben achten. Wiederkehrende Fehler sind: elektronische Türgriffe mit Sensorfehlern, Rückfahrkamera mit Bildverzerrung oder Ausfall sowie vereinzelt spontane Rissbildungen an der Windschutzscheibe.
Typische MEB-Softwareprobleme der frühen Jahrgänge und träges Reaktionsvermögen sowie häufige Abstürze des Infotainments wurden durch Software-Updates weitgehend, jedoch nie vollständig behoben. Beim KBA sind keine Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 22,1 kWh/100 km |
|---|---|
CO2 | 0 g/km |
Inspektion | 200-600 Euro |
Haftpflicht (14)* | 665 Euro |
Teilkasko (21)* | 860 Euro |
Vollkasko (19)* | 1424 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6)* | 0 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatteriemodul (1/12) | 4375 Euro |
|---|---|
Steuereinheit E-Motor | 430 Euro |
E-Motor | 4379 Euro |
Antriebswelle h. l. | 1073 Euro |
Wasserpumpe HV-Batterie | 600 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1493 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 884 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1630 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/50 R 20 v. + 255/45 R 20 h.) | 850 Euro |
Service-Links































