Skoda Enyaq: Gebrauchtwagen-Test
Gebrauchter Enyaq: Darauf sollten Sie vor dem Kauf achten!

Der Skoda Enyaq ist eine feste Größe im Segment der familientauglichen, vollelektrischen SUV-Modelle. Wie fit ist der Tscheche nach ein paar Jahren?
Bild: AUTO BILD/Tom Salt
Aus einem Baukasten das Maximum herauszuholen, ohne die Kosten aus dem Ruder laufen zu lassen, gilt seit Jahren als Stärke der tschechischen Marke Skoda. Der Enyaq, ihr erstes vollelektrisches SUV, ist genau so ein Fall. Gleicher modularer E-Antriebsbaukasten wie der Konzernbruder VW ID.4, doch optisch souveräner und im Detail feiner. Während der VW betont pragmatisch ist, nutzt der Enyaq das Charme-Potenzial besser aus. Und dieser Trick macht ihn als Gebrauchtwagen attraktiver.
Der Enyaq ist bewusst klassisch und leistbar konzipiert
Das ist er: Als Vorreiter in Elektrofragen trat der im Werk Mladá Boleslav gebaute Enyaq im Herbst 2020 als Skodas erstes reines E-SUV an. Vom Start weg war er bewusst nicht als exotisches Schaufenster des Machbaren mit technischen Höchstleistungen, sondern klassisch und leistbar konzipiert. Stattlich fällt der Auftritt durch breite Flanken, ein schmales Scheinwerferband und Grillattrappe nach Art des Hauses aus. Den Innenraum dominieren eher ruhige Linien, hier soll mehr nordisches Wohnzimmer als kühles Tech-Labor durchscheinen.

Bis 2023 trug der Enyaq den Marketing-Zusatz iV: i für innovativ oder intelligent, V für Vehicle.
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Das Antriebs-Portfolio wuchs stetig: Zunächst gab es die Einstiegsvariante iV 50 (148 PS, ohne Akkuheizung), den iV 60 (180 PS) und den iV 80 (204 PS), später den 80x (mit 265 PS und Allrad) und die sportlich akzentuierten RS-Versionen (299 und 340 PS). Zum Modelljahr 2023 gab es einen messbaren Technologiesprung: 85 und 85x punkten mit 286 PS Leistung, inklusive verbesserter Softwarearchitektur und im Detail optimierter Effizienz.
Technische Daten
iV 50 | iV 80 | iV RS | |
|---|---|---|---|
Motor | PSM/hinten | PSM/hinten | ASM/vorn + PSM/hinten |
Batterieart | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku |
Dauerleistung | 70 kW (95 PS) | 70 kW (95 PS) | 77 kW (105 PS) |
Spitzenleistung | 109 kW (148 PS) | 150 kW (204 PS) | 220 kW (299 PS) |
Drehmoment | 220 Nm | 310 Nm | 460 Nm |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h | 160 km/h | 180 km/h |
0–100 km/h | 11,3 s | 8,5 s | 6,9 s |
Akkugröße/Kraftstoff | 52 kWh (netto)/Strom | 77 kWh (netto)/Strom | 77 kWh (netto)/Strom |
Getriebe/Antrieb | 1-Gang-Reduktionsgetriebe/Hinterrad | 1-Gang-Reduktionsgetriebe/Hinterrad | 1-Gang-Reduktionsgetriebe/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4649/1879/1620 mm | 4649/1879/1620 mm | 4649/1879/1620 mm |
Kofferraumvolumen | 585-1710 l | 585-1710 l | 585-1710 l |
Leergewicht/Zuladung | 1937/488 kg | 2111/489 kg | 2258/492 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | --- | 1000/750 kg | 1200/750 kg |
Im Interieur zeigt der voll familientauglich geschnittene Enyaq, dass Zweckmäßigkeit durchaus schön sein darf. Der Mix aus sauber verarbeiteten Kunststoff- und gewebten Stoffoberflächen im Cockpit könnte theoretisch auch von einer skandinavischen Premiummarke stammen. Funktional durchdacht wirken der flache Boden und ein vernünftig dimensionierter Kofferraum mit 585 bis 1710 Liter Volumen sowie die ordentliche Rundumsicht. Das Bedienkonzept wirkt zeitgeistig-reduziert, jedoch dank einiger weniger Schalter im Detail besser durchdacht und einfacher zu erfassen als etwa der Ansatz des ultraclean konzipierten Zwillingsbruders ID.4.
Große Vielfalt unter gebrauchten Enyaq
Das hat er: Skoda bot Neuwagenbestellern reichlich Auswahl: Akku, Antrieb, Sitze, Dekore und Komfortdetails waren recht frei konfigurierbar. Dadurch ist die Auswahl gebrauchter Enyaq praktisch enorm groß. Der iV 50 und iV 60 verfügen über kleine Akkus und eher geringere Leistung, sind im Alltag aber sehr effizient. iV 80 und iV 85 punkten mit größerem Akku. Mit mehr Reichweite sind sie aktuell am Gebrauchtmarkt der Enyaq-Sweetspot. Die Akkuzellen stammen generell von LG Chem und CATL.

Großzügig bespannte Oberflächen und Metallakzente im luftigen Cockpit.
Bild: AUTO BILD/Tom Salt
80x und 85x haben einen zweiten Motor vorne, was deutlichen Traktionsgewinn dank Allrad, aber etwas weniger Reichweite bedeutet. Die 2023 nachgereichte RS-Version setzt auf sportliche optische Akzente, ein leicht gestrafftes Fahrwerk und ebenfalls Allradantrieb. Ausstattungswelten, sogenannte Design Selections, gibt es einige: Loft, ecoSuite, Lounge, Suite, Lodge oder Sportline sind unterschiedlich umfangreich ausgestattet, sollen fein nuanciert unterschiedliche Käufer ansprechen. Besonders begehrenswert sind das große 13-Zoll-Touchdisplay, Head-up-Display, Canton-Soundsystem, Travel-Assist-Paket für entspanntes Fahren, Matrix-LED-Scheinwerfer, Wärmepumpe und Panoramadach.
Die E-Reichweiten sind akzeptabel
So fährt er: Um mit dem Enyaq glücklich zu werden, sollte man ihn als praktischen Gleiter begreifen. Die Hecktriebler wirken eine Nuance geschmeidiger und leichter, besonders als 80 und 85. Die Allradmodelle packen subjektiv kräftiger zu, punkten mit Traktionsvorteilen im Winter. Der RS müht sich um ein Quäntchen Sportlichkeit im gewichtigen E-SUV.

Mit Heckantrieb wirkt der Enyaq bereits in der Basisversion trotz seiner komfortbetonten Abstimmung erfreulich agil.
Bild: AUTO BILD/Tom Salt
Die E-Reichweiten sind mehr oder weniger praxistauglich. Der Enyaq 60 taugt für 230 bis 350 Kilometer pro Ladung, 80/85 mit Heckantrieb schaffen 360 bis 420 Kilometer im Sommer und 260 bis 320 km im Winter. Mit den Allradlern 80x und 85x sind etwa 330 bis 380 km im Sommer und 230 bis 290 km im Winter möglich. Der RS schafft realistisch rund 280 bis 340 Kilometer.
Das leider nicht immer verschleißfreie Fahrwerk zeigt sich im fitten Zustand souverän. Stämmige Räder sehen gut aus, kosten jedoch spürbar Komfort und Reichweite. Laden sollte in der Regel zuverlässig klappen, sofern der Softwarestand aktuell ist und die Batterie vorkonditioniert ist. Ladewunder vollbringen die nicht mehr brandaktuellen Typen jedoch nicht. Herausfordernd ist die iV-50-Basis: 50 kW Maximalwert sind heute schlicht unzureichend. Deutlich besser: der iV 80 und der RS mit 125 kW Ladevermögen.
Stärken
- Voll familientaugliches Format
- Guter Fahrkomfort
- Solider Qualitätseindruck
Schwächen
- Teils lästige Software-Bugs
- Durchschnittliche Antriebseffizienz
- Ladeleistung modellabhängig
Hauptproblem sind Softwarethemen
Das macht Ärger: Zwei Jahre Neuwagengarantie, drei Jahre Lack- und zwölf Jahre Durchrostungsschutz sind Standard. Auf die HV-Batterie gibt es acht Jahre oder 160.000 km (SoH-Wert 70 %). Hauptproblem sind Softwarethemen, die sich auf das Infotainment sowie seltener auf das Ladeverhalten und den Antrieb auswirken. Akkudefekte und Kapazitätsverluste gibt es, diese sind jedoch eher selten. Die Modellhistorie zeigt bereits heute deutlich, dass es eine Lernkurve gibt: Mit den Jahren kamen als OTA-Update stetig verbesserte Softwarestände und verlässlichere Ladekurven. Für Interessenten lohnt sich daher ein Blick auf den Softwarestand.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 20,3 kWh/100 km |
|---|---|
CO2 | 0 g/km |
Inspektion | 280-700 Euro |
Haftpflicht (14)* | 660 Euro |
Teilkasko (21)* | 777 Euro |
Vollkasko (19)* | 1274 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6)* | 0 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatterie-Modul | 4319 Euro |
|---|---|
Steuereinheit E-Motor | 395 Euro |
E-Motor | 4915 Euro |
Antriebswelle h. | 1060 Euro |
Wasserpumpe HV-Batterie | 360 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1407 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 885 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1350 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/60 R 18 T) | 600 Euro |
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