Gerade mal 450 ausgelieferte Autos in rund sechs Jahren – und das nennen die Tschechen erfolgreich? Nun, in der Welt der Serienautos ist diese Zahl klein. Vom normalen Fabia hat Skoda im letzten Jahr 435 ausgeliefert – pro Woche! In der Rallye-Welt sieht dagegen alles ganz anders aus.
450 ausgelieferte Exemplare machen Skoda Fabia RS Rally2 und Rally2 Evo zum beliebtesten Rally2-Fahrzeug der Welt. Das seit 2016 produzierte Modell basierte dabei auf der dritten Generation des Skoda Fabia. Nun, wo längst die vierte Generation unterwegs ist, macht sich also der Nachfolger bereit, Staub, Schlamm und Schnee, zu erobern. Zeit für einen genaueren Blick!
Die Farbe Mamba-Grün kommt auch bei Skodas zivilen RS-Modellen zum Einsatz.

Die Basis des vierten Fabia bietet einige Vorteile

Die neue Serienversion des Fabia bietet als Basis für das Rallye-Auto vor allem zwei Vorteile: Die Karosserie ist laut Skoda deutlich aerodynamischer. Da der Luftwiderstand ungefähr im Quadrat zum gefahrenen Tempo steigt, dürfte das vor allem auf schnell gefahrenen Passagen eine Rolle spielen. Der längere Radstand ermöglicht ein ruhigeres Fahrverhalten.
Der längere Radstand des vierten Fabia soll für ein ruhigeres Heck und damit für ein stabileres Fahrverhalten sorgen.

Außerdem wurde mit dem Umstieg des Serienfahrzeugs auf die MQB A-0-Plattform auch die Verwindungssteifigkeit weiter verbessert. Genauer gesagt spricht Skoda hier von der Torsionssteifigkeit, also dem Widerstand gegen eine Verdrehung um die Längsachse. Je steifer die Karosserie ist, desto besser kann das Fahrwerk des Fabia arbeiten.
Durch die höhere Karosseriesteifigkeit des neuen Fabia kann das Fahrwerk besser arbeiten als zuvor.

Der Motor des Fabia Rally2 stammt vom Zweiliter-TSI ab

Unter der Haube pocht beim RS Rally2 ein Aggregat, das eigentlich zum Beispiel in Golf GTI und Octavia RS zuhause ist – der unter dem Motor EA888 bekannte Zweiliter-TSI. Allerdings haben die Ingenieure ihn kräftig umgebaut, hier misst der Hubraum nur 1,6 Liter. Gegenüber dem Vorgänger wurden Ein- und Auslassventile, Kolben und Brennräume verändert, neu sind auch das Schmiersystem und eine variable Ventilsteuerung. Die Leistung des Motors beträgt so 214 kW beziehungsweise 289 PS, das Drehmoment liegt bei stolzen 430 Newtonmetern. Mehr Leistung wäre sicherlich möglich, aber hier greifen dann die Regularien der Rally2-Kategorie, ein Luftmengenbegrenzer mit 32 Millimetern Durchmesser ist vorgeschrieben.
Der Motor im Rallye stammt vom bekannten Zweiliter-TSI ab, leistet 289 PS und 430 Newtonmeter.

Die Kraftübertragung an alle vier Räder übernimmt beim Rallye2 ein kurz übersetztes, sequenzielles 5-Gang-Getriebe. So lassen sich die Gänge innerhalb von Sekundenbruchteilen wechseln. Eine mechanische Kupplung ist zwar an Bord, kommt allerdings nur beim Anfahren, Parken, und beim langsamen Fahren zum Einsatz. Die Höchstgeschwindigkeit liegt so bei ungefähr 200 km/h.

Im Rallye-Auto braucht es besondere Sicherheitssysteme

Airbags gibt es im Fabia RS Rally2 natürlich nicht. Die dazugehörende Sensorik ist für Erschütterungen, wie sie ein Rallye-Auto aushalten muss, überhaupt nicht gemacht. Um die Sicherheit von Fahrer und Beifahrer trotzdem zu gewährleisten, kommt ein Überrollkäfig zum Einsatz, der aus 35,8 Metern Stahlrohr besteht. Zusätzlich ist der 82,5 Liter große Tank besonders geschützt, um besonders stoß- und feuerbeständig zu sein. Der Tank ist auch für Biokraftstoffe geeignet, wie es in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) seit letzter Saison eingesetzt wird.
Der Überrollkäfig aus fast 40 Metern Stahlrohr sorgt für Sicherheit.

Apropos Feuer: Ein automatisches Feuerlöschsystem ist ebenfalls verbaut. Es verfügt über Düsen sowohl im Cockpit als auch im Motorraum. Außerdem ist im Beifahrerfußraum ein zusätzlicher Handlöscher untergebracht.

Bei der Rallye Monte Carlo ist der neue Fabia bereits im Einsatz

Seine Wettbewerbspremiere feierte der Fabia RS Rally2 bei der Lausitz-Rallye im November letzten Jahres gleich mit einem Sieg. Das Team Toksport gewann das Eintages-Event, landete mit über 20 Sekunden Vorsprung auf Platz 1. Auch die Plätze 3,4 und 5 gingen an Teams mit dem Skoda. Das erste, richtig prestigeträchtige Event steht mit der Rallye Monte Carlo am 19.-22. Januar 2023 an.

Von

Jonas Uhlig