Das fünfte Modell in der Black-Series-Geschichte ist zugleich auch das Konsequenteste, was AMG je auf die Räder gestellt hat. Doch reicht das, um drei mächtige Gegner aus England, den USA und Deutschland zu bezwingen?
Frank Wiesmann
Gleißendes Gelb lockt die Massen ins Freie. Anbetend scharen sie sich zusammen, um dann angesichts brodelnder, bedrohlicher Dunkelheit wieder zurückzuschrecken. – Der von sonnenintensiver Rekordhitze und imposanten Unwettern geprägte Hochsommer sowie der Mercedes SLS AMG Black Series beeindrucken auf gleiche Weise. Es ist die Kombination aus mitreißendem Auftritt und bedrohlicher Kraft, die beide so besonders macht. Getaucht in goldgelbes „Solar Beam“, stülpen sich verbreiterte Kotflügel über eine ebensolche Spur.
Barbarisch ist das brabbeln und Sägen des bis 8000 Touren fräsenden SLS.
Bild: Lena Barthelmess
Mercedes Angemacht hat das M159 getaufte Triebwerk des SLS schon immer, im Black Series fesselt und hypnotisiert es vollkommen. Reißerisch brennt der Schärfste aller Flügeltürer durchs Drehzahlspektrum, entwickelt in jedem Bereich Kraft satt und spitzt seine trocken hämmernde Basismelodie mit einem heiser-mechanischen Rennsportfräsen aus der speziellen Titanauspuffanlage nachhaltig an. Dazu feuern die sieben doppeltgekuppelten Gänge im manuellen Modus mit bestimmtem Ruck hinein. In unter 90 Millisekunden, verspricht AMG.
Traktionsprobleme kennt die Viper dank überbreiter 355er-Hinterreifen kaum.
Bild: Ronald Sassen
Viper Drückt man in der neuen Viper den roten Startknopf, spuckt und rumort der kolossale Zehnzylinder obszön seine Abgase durch Sidepipes ins Freie, fällt anschließend in einen rumpeligen Leerlauf. Man kann die riesigen Kolben förmlich spüren. Zäh reagiert der 8,4-Liter-Trumm auf sanfte Gasbefehle, gluckert gemütlich durchs Land. Erst Volllast entfesselt das Ungetier. Massiv drückt das Aggregat dann gen Begrenzer und hämmert mit 6400 Touren wüst dagegen an, wenn die knochige Handschaltung samt wulstigem Knauf nicht rechtzeitig bedient wird.
McLaren 12C Coupé: Mit keinem anderen Auto lassen sich pfeilschnelle Rundenzeiten so souverän und einfach realisieren.
Bild: Ronald Sassen
McLaren Wer auf Verwöhnaroma steht, findet im McLaren seinen Partner. Seit Neuestem als 12C Coupé gelabelt, umschmeichelt der Brite seinen Piloten mit perfektioniertem Allroundtalent. Kaum ein Supersportler lässt sich einfacher bewegen. Der schlicht gestylte McLaren strahlt mit stabiler Spurtreue, moderaten Fahrgeräuschen und ausgeprägtem Federungskomfort stets Ruhe und Souveränität aus. Wer Fehler finden will, muss schon ins Detail gehen. Das Zentraldisplay verliert bei Sonneneinstrahlung seine Lesbarkeit, die Vorderachse poltert auf gröberen Unebenheiten, und der Biturbo-V8 lahmt unterhalb von 3000 Touren.
Speziell in schnelleren Kurven profitiert der getunte R8 von rennsportinspirierter Aerodynamik.
Bild: Ronald Sassen
Abt Motorhaube, Front- und Heckschürze lassen ebenso wie Heckklappe samt Flügel, Außenspiegel und die Türverkleidungen aufgrund ihres Carbongewebes die Pfunde purzeln. Seiten- und Heckscheibe aus Polycarbonat dienen dem gleichen Ziel, verursachen jedoch stärkere Windgeräusche bei höherem Tempo. 1612 Kilogramm vermeldet die Waage. Das sind 55 Kilo weniger als der bereits ab Werk um einen Zentner abgespeckte R8 V10 Plus. In die Vollen geht Abt auch beim Gewindefahrwerk. Die Dämpfer sind in Druck- und Zugstufe einstellbar, lassen sich an die jeweilige Strecke anpassen. Dabei federt es absolut alltagstauglich. Wie die Supersportler-Konkurrenten im Detail abgeschnitten haben, erfahren Sie oben in der Bildergalerie.
Fazit
von
Frank Wiesmann
Der SLS AMG Black Series liefert Superlative am laufenden Band. Längs- wie querdynamisch ist er das Krasseste, was je aus Affalterbach in die Redaktion rollte, auf dem Sachsenring gar das schnellste Serienauto überhaupt. Er ist noch alltagstauglich genug, um den Stern zu verdienen, der Rest ist Rennwagen. Zahmer, aber keinesfalls lahmer geht der McLaren zu Werke, ist zudem einfacher zu beherrschen. Lediglich emotional lässt er mit seinem sterilen Wesen Federn. SRT Viper und Abt verlangen im Alltag mehr Kompromisse. Mit seinem gekonnt abgestimmten Fahrwerk weist der getunte R8 den Amerikaner kurventechnisch klar in die Schranken, verspielt diesen Vorteil in der Schlusswertung aber durch den horrend hohen Preis – Exklusivität hin oder her.