Wer als Radfahrer ins Erlebnis Indoorcycling eintauchen will, hat mittlerweile die Qual der Wahl zwischen Smarttrainern in unterschiedlichen Preisklassen. Eines der beliebtesten, aber auch teuersten Modelle auf dem Markt ist Wahoos Topmodell Kickr für rund 1.000 Euro (je nach Angebotslage). Zum 10-jährigen Jubiläum spendiert Wahoo dem Kickr in diesem Jahr mit dem Modell V6 ein Upgrade und überrascht mit einer neuen WiFi-Schnittstelle. BIKE BILD hat das Topmodell Kickr V6 im Trainingsalltag auf der Suche nach den Vorteilen gegenüber dem Vorgängermodell unter die Lupe genommen.
Wahoo Kickr V6
Kickr V6 WiFi
Wahoo
Kickr V6 WiFi

1,1

  • genaue Leistungsmessung
  • sehr leichte Montage
  • nützliche E-Sport-Funktionen
  • lässt sich leicht transportieren
  • ziemlich kostspielig
 

Die technischen Daten

Beim Blick aufs Datenblatt des neuen Wahoo Kickr V6 zeigt sich, dass die sehr guten äußeren und inneren Werte im Großen und Ganzen erhalten geblieben sind. Der für einen Rollentrainer wohl wichtigste Parameter ist die Genauigkeit der Leistungsmessung, die im Falle des V6 bei plus/minus ein Prozent liegen soll. Gegenüber dem V5 hat Wahoo an dieser Stelle keine Verbesserungen vorgenommen – warum auch? Wir haben mehrmals parallel ein SRM-Leistungsmesser mitlaufen lassen und sehr reproduzierbare und vergleichbare Werte zwischen dem "Goldstandard" der Leistungsmessung und dem Kickr V6 festgestellt. Auch der Rest lässt keine Wünsche offen: Der maximale Widerstand von 2.200 Watt sowie die simulierte Steigung und das Gefälle von 20 Prozent beziehungsweise 10 Prozent sind mehr, als die meisten Radfahrer jemals ausschöpfen werden.
• Preis: 1.299 Euro (UVP)
• Gewicht: 22 Kilogramm
• Abmessungen L x B x H: 50,8 cm x 71,1 cm x 43,2 cm
• Abmessungen (eingeklappt): 50,8 cm x 22,9 cm x 43,2 cm
• Hinterradgröße: Rennrad: 24”, 650c, 700c; MTB: 24”, 26”, 650b, 29”
• Kompatible Nabenarten: 130/135 Schnellspanner und 12x142, 12x148 Steckachsen
• Kauf/Installation einer Kassette erforderlich: Sram/Shimano 8/9/10-fach
• Maximal-Simulation: 20 Prozent Steigung, 10 Prozent Gefälle
• Maximale Ausgangsleistung: 2.200 Watt
• Widerstandstyp: Elektromagnetisch
• Antrieb: Riemen
• Konnektivität: Bluetooth, WiFI, ANT+, ANT+ FE-C Protokoll
• Kompatible Geräte: iOS, Android, Windows, PC (Mac und Windows)
• Maximales Benutzergewicht: 113,5 Kilogramm
Der 22 Kilogramm schwere Kickr V6 steht sicher und stabil dank seiner dreischenkligen Konstruktion.
Bild: BIKE BILD

Montage und Lieferumfang

Der Wahoo Kickr V6 kam sicher verpackt zu uns in die Redaktion. Der Lieferumfang lässt keine Wünsche offen und legt dank mitgelieferter und bereits vormontierter Kassette (Shimano) einen unkomplizierten Schnellstart hin. Der Aufbau gestaltet sich wünschenswert intuitiv und ist ohne Anleitung zu bewältigen. Ist der perfekte Rollenplatz gefunden, muss man nur die seitlichen Standfüße auseinanderklappen – schon steht der 22 Kilogramm schwere Smarttrainer mit seinem rund sieben Kilogramm schweren Schwungrad sicher und fest an seinem Platz. Wer will, kann zusätzlich die Laufradgröße (von 24 bis 29 Zoll) am mittleren Schenkel einstellen.
Fixiert wird das Fahrrad per Schnellspanner (oder der eigenen Steckachse), wenn man zuvor den Hinterbau des Fahrrads in den Smarttrainer eingespannt hat. Keine Sorge, falls Sie ein Fahrrad mit Scheibenbremsen und Steckachsen auf dem Rollentrainer nutzen wollen, denn die passenden Adapter liegen in vielen Ausführungen dem Lieferumfang bei, sodass Räder von Triathleten, Rennradfahrern und Mountainbikern mit dem Wahoo Kickr V6 kompatibel sind.

Nicht genug loben kann man am Wahoo Kickr den gelungenen Tragegriff. Wer nicht regelmäßig am selben Ort fährt, den Kickr auf Reisen und Wettkämpfe mitnimmt oder als Student wenig Platz hat und Trainer plus Fahrrad oft umstellen muss, wird den Tragegriff und das kompakte Faltmaß des Kickr nicht mehr missen wollen. Bisher ist uns kein Trainer untergekommen, der besser transportiert und verstaut werden kann.
Die Standfüße des Kickr erfüllen zwei Funktionen. Zum einen können unebene Untergründe per Höhenverstellung ausgeglichen werden. Zum anderen wird durch das Mitschwingen das Indoor-Erlebnis realistischer.

Vorteil Nr. 1: Natürlicher fahren mit Axis-Standfüßen

Nach der Montage können zur Feinjustierung die sogenannten Axis-Standfüße (erstmals ab Kickr V5 verbaut) in der Höhe verstellt werden. Hierfür dreht man im oder gegen den Uhrzeigersinn das Drehrädchen über den Standfüßen. Dies bietet sich vor allem in Fällen an, wenn der Fußboden bzw. der Untergrund nicht eben ist. Wir empfehlen mit einer Wasserwaage (oder einer Wasserwaagen-App auf dem Smartphone) nachzumessen, ob Ihr Fahrrad gerade steht, damit Sie nicht schief auf Ihrem Fahrrad sitzen.
Die neuen Axis-Füße, die bei älteren Kickr-Modellen für 79,99 Euro nachgerüstet werden können, verbessern das Indoor-Erlebnis deutlich. Zum einen, weil das Fahrverhalten durch das leichte Neigungsverhalten der Füße realistischer und natürlich wird. Noch wichtiger scheint uns allerdings der Vorzug, dass der Trainer nicht starr seine Position hält. Durch das leichte (dennoch kaum merkbare und damit nicht störende!) Mitschwingen werden Rücken und Gelenke entlastet, sodass man merklich länger durchhält und frischer vom Rollentrainer steigt. Sprints sind trotzdem problemlos möglich, da die jederzeit hervorragende Stabilität des Rollentrainers durch die Axis-Füße nicht negativ eingeschränkt wird.
Den neuen Wahoo Kickr V6 erkennt man an der WLAN-Kontrollleuchte.
Bild: BIKE BILD

Vorteil Nr. 2: Schnelle und stabile WLAN-Verbindung

Die auf dem Papier wichtigste Neuerung des Kickr V6 ist die Möglichkeit, das Gerät ins heimische WLAN einzubinden, womit laut Wahoo die Verbindung stabiler und schneller sein soll. Tatsächlich berichten Nutzer unterschiedlicher Rollentrainer (und auch der Autor dieser Zeilen kennt das Problem zum eigenen Ärgernis nur zu gut) von gelegentlich auftretenden Bluetooth-Verbindungsproblemen. Diese treten vor allem dann auf, wenn mehrere Geräte – zum Beispiel Kopfhörer, Radcomputer und Pulsgurt – gleichzeitig funken. Nichts ist nerviger als ein Verbindungsabbruch in einem Intervall oder virtuellen Zwift-Rennen. Zwar kann man sich mit einem ANT+-Adapter am Notebook behelfen, dennoch bleibt das Problem am Smartphone und Tablet bestehen. 
Um den Kickr ins heimische WLAN einzubinden, benötigt man nur ein Smartphone und die passende Wahoo-App. In der App wird der Zugang ins Heimnetz leicht verständlich und unter Anleitung eingerichtet. Der Kickr loggt sich sodann automatisch ein, sobald das Gerät mit Strom versorgt wird. Weiterer Vorteil der WLAN-Schnittstelle ist, dass Software-Updates automatisch durchlaufen bzw. für einen besseren Service sogar Fernwartungen in Zukunft möglich sein sollen. Obendrein soll die Kommunikation zwischen Trainer und Software mit WLAN laut Angaben des Herstellers bis zu 65 Prozent schneller erfolgen, wovon vor allem E-Sportler profitieren werden.
 
Wir haben den neuen Kickr V6 sowohl in Verbindung mit Zwift als auch mit der eigenen Wahoo-Software RGT per Bluetooth, ANT+ sowie WLAN getestet. Die Bewertung der (WLAN-)Konnektivität können wir nach mehr als drei Dutzend Fahrten (freies Training und Workouts) an dieser Stelle abkürzen: Das Gerät macht, was es soll – sowohl bei Workouts (dazu später mehr) als auch bei freien Fahrten in virtuellen Welten auf Zwift & Co.
Dass der Kickr V6 einer der leisesten Trainer auf dem Markt ist, hat sich bereits rumgesprochen. Ist die Schaltung erstmal sauber eingestellt (wichtig für eine geringe Geräuschkulisse), summt der Kickr bei 50 bis 60 Dezibel vor sich hin. Für Nachbarn, die die Wohnung unter einem bewohnen, sind Vibrationen allerdings wensentlich störender als zehn Dezibel mehr oder weniger. Doch auch hier punktet der Kickr V6 zur Freude Ihrer Nachbarn mit wenig Vibration. Wir empfehlen für Mieter dennoch, eine Schall dämpfende Matte (z. B. solche für Waschmaschinen) aus dem Baumarkt zwischen Boden und Smarttrainer zu legen.
In der Wahoo-App kann man den Kickr V6 mit dem heimischen Netzwerk per WLAN verbinden. Ebenso kann die neue Funktion "ERG Easy Ramp" aktiviert oder deaktiviert werden. Der Odometer zeigt die virtuellen Kilometer an.
Bild: BIKE BILD

Vorteil Nr. 3: Besser trainieren mit ERG Easy Ramp-Funktion

Noch mehr als die geringere Geräuschkulisse hat uns beeindruckt, wie stabil und komfortabel der Kickr V6 im Fahrbetrieb ist. Bei Sprints wackelt nichts, der Kickr steht dank seiner drei Schenkel fest und sicher und bewegt sich keinen Millimeter. Selbst eine 5-Stunden-Fahrt hat beim Autor nicht zu bleibenden (zumindest physisch gesehen) Schäden geführt. Die gelungenen Axis-Füße haben wir bereits angesprochen und würden jedem Kickr-Benutzer das Upgrade empfehlen.
 
Kommen wir zu einer weiteren Neuerung des V6, die das Indoorcycling-Erlebnis verbessert hat gegenüber dem Vorgänger. Die Funktion "ERG Easy Ramp" (kann in der App ab- und zugeschaltet werden) simuliert bei Intervallen einen sehr sanften Einstieg ins Intervall, indem der Widerstand schrittweise bis zum Zielwert erhöht wird. Beispiel: Stellen Sie sich vor, dass Sie wiederholt im 40- bzw. 20-sekündigen Wechsel 420 und 180 Watt fahren. Der Sprung von 180 auf 420 Watt ist immens, verpasst man den Einstieg ins Intervall, muss man aus dem Stand über 400 Watt antreten – das ist unangenehm, unnatürlich und einfach nervig. Mit der Funktion ERG Easy Ramp fährt man für wenige Sekunden gesteigert ins Intervall und steigt ebenso sanft in die Pause ein – ein spürbarer Vorteil gegenüber dem Vorgängermodell V5.
Diese Funktion, die sich in der App ein- und ausschalten lässt, greift auch, sollte man mitten im Intervall das Pedalieren unterbrechen müssen. Bei Zwift zum Beispiel wird die den Smarttrainer steuernde ERG-Funktion für den Moment der Pedalunterbrechung abgeschaltet und erst wieder aufgenommen, wenn man den Zielwert binnen der nächsten zehn Sekunden erreicht hat. Gegebenenfalls braucht es hierfür allerdings einen Gangwechsel, wenn die Übersetzung bzw. die Trittfrequenz nicht für den Zielwert ausreicht.
Erst vor wenigen Tagen hat Wahoo den "Race Mode" vorgestellt, der die WiFi-Verbindung des Kickr V6 nutzt, um die Fahrdaten noch schneller ans Endgerät mit der Indoorcycling-Software zu übertragen. Das soll laut Wahoo einen Vorteil im Rennen bringen, zum Beispiel in Sprintsituation, wenn man sekundenschnell reagieren muss. Wir werden die neue Funktion zeitnah testen und im Testbericht an dieser Stelle ergänzen.
Ebenfalls neu und praktisch für den Wiederverkauf ist das eingebaute Odometer, womit die absolvierten Kilometer in der Wahoo-App getrackt werden.
Der Tragegriff ist beim Transport des Smarttrainers eine Offenbarung! Zusammengeklappt ist das Faltmaß erträglich, sodass der Trainer nach dem Workout verstaut werden kann, sollte wenig Platz zur Verfügung stehen.
Bild: BIKE BILD

Zubehör für den Wahoo Kickr

Der Kickr V6 ist weiterhin mit dem Wahoo KickR Climb, ein elektrischer Höhensimulator, und dem Wahoo KickR Headwind (Ventilator, der auf Herzfrequenz oder Streckenprofil reagieren kann und sich via App steuern lässt) kompatibel. Jüngst hat Wahoo mit dem Steer eine weitere Hardware fürs Indoortraining vorgestellt. Beim Steer handelt es sich um eine Lenkerhalterung fürs Smartphone mit seitlich angebrachten Paddles, die durch Daumendruck zur Seite geneigt wird und so die Lagesensoren des eingelegten Smartphones ansteuert. Damit kann der Avatar in virtuellen Welten gesteuert werden für ein natürlicheres Fahr- und Renngefühl. Kompatibel ist der Wahoo Steer mit Zwift und der eigenen Wahoo-Plattform RGT.

Fazit zum Wahoo Kickr V6

Der nahezu baugleiche Kickr V6 ist gegenüber Vorgängermodell im UVP 100 Euro teurer geworden, bietet hierfür mit der WiFi-Schnittstelle, den zwei neuen Funktionen ERG Easy Ramp und Race Mode sowie dem Odometer kleine, aber feine Ergänzungen. Wer das volle Indoorcycling-Erlebnis sucht, wird aktuell beim V6 alles an die Hand bekommen, was ihn glücklich macht. Es gibt wenig, was man sich am Kickr noch wünschen könnte. 
Moment mal! Einen Wunsch würden wir für die nächste Auflage doch äußern wollen: Wie schön wäre es, wenn man auch ohne Stromzufuhr die volle Palette an (Connectivity-)Funktionen zur Verfügung hätte, indem der Kickr die Energie des Fahrenden nutzt? 
Aber keine Sorge vor hohen Stromkosten, wir haben den Verbrauch des Kickr V6 gemessen. Für eine Stunde Fahrt müssen Sie mit rund 40 Watt Stromverbrauch rechnen, ganz gleich, ob Sie ein hartes Intervalltraining mit hohen Wattzahlen absolvieren oder nur ganz locker fahren. Apropos Sparen: Schnäppchenjäger könnten sich derweil nach einem stark reduzierten V5 umsehen.

Fazit

Seit 2017 teste ich regelmäßig Smarttrainer wie den Wahoo Kickr V6. Was mir Spaß macht: Die Geräte werden immer besser, das heißt leiser, natürlicher und schneller in der Kommunikation mit Apps und Trainingsprogrammen. Der Wahoo Kickr gehört schon länger zu den besten Smarttrainern auf dem Markt. Ob er der beste ist, hängt vor allem von den eigenen Anforderungen ab. In diesen Punkten ist/bleibt der Kickr V6 meiner Meinung einsame Spitze: schneller, intuitiver Aufbau und Montage; große Kompatibilität mit unterschiedlichen Fahrradtypen; Faltmaß und Transport; Reaktionsfähigkeit und E-Sport-Features (ERG Easy Ramp & Race Mode).