In Deutschland schlummert ein riesiges Potenzial für Solarstrom direkt an unseren Autobahnen und Bundesstraßen! Eine frische Studie zeigt auf, dass rund 250.000 Flächen entlang der Bundesfernstraßen bestens geeignet wären, um Sonnenenergie zu gewinnen.
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hatte die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) mit einer Analyse zum Potenzial von Photovoltaikanlagen (PV) an Bundesfernstraßen beauftragt. Das Ergebnis: Es gibt 250.000 geeignete Flächen für die solare Energiegewinnung an unseren Bundesfernstraßen. Zusammenfassend ergeben sich demnach erschließbare Gesamtpotenziale im mittleren zweistelligen Gigawatt-Bereich.
"Dieses Potenzial wollen wir heben, indem bei der Planung des Neu- und Ausbaus von Bundesautobahnen künftig immer geprüft werden soll, inwieweit die zugehörigen Flächen für Photovoltaikanlagen genutzt werden können", so Susanne Henckel, Staatssekretärin im BMDV. Insgesamt ist der Plan, für die Energiewende in Deutschland bis 2045 bis zu 430 Gigawatt Peak (GWp) durch solche Ausbauprojekte zu erzielen.

Das Ausbau-Potenzial von Photovoltaik im Detail

Der größte Anteil entfällt beim Potenzial an Schnellstraßen auf die Straßenbegleitflächen (24 bis 48 GWp), gefolgt von den Lärmschutzwällen (3,2 bis 4,2 GWp) und den Parkflächen (1,0 bis 1,2 GWp). Das Potenzial der Lärmschutzwände ist mit 0,5 bis 0,6 GWp ermittelt worden. Auf den Dachflächen der untersuchten Gebäude ergeben sich ca. 0,13 bis 0,14 GWp installierbare Photovoltaikleistung.
Besonders konservativ wurde bei der Nutzung der Lärmschutzwände berechnet: Hier soll es nur Aufsätze geben, um die Schallschutzfunktion nicht zu beeinträchtigen. Allerdings könnten einigen dieser Wände seitlich erweitert werden, was die Energiegewinnung pro Meter Lärmschutzwand erhöht. Die Straßenflächen selbst, die zum Beispiel durch Überdachungen erschlossen werden könnten, wurden in dieser Studie nicht berücksichtigt.

Noch keine Machbarkeitsstudie

Weil der Datensatz mit mehr als 250.000 Flächen so groß ist, erfolgte die Analyse der Flächen automatisiert. Den Anspruch einer detaillierten Machbarkeitsstudie erfüllt dieses Vorgehen nicht. Für eine solche fehlen Daten – zum Beispiel zu Naturschutz/Ausgleichsflächen und den Eigentumsverhältnissen. Weil innerhalb der Studie pauschale Faktoren verwendet wurden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob das Projekt in dieser GWp-Größenordnung realisierbar ist.
Was als Nächstes passiert: Die Autobahn GmbH des Bundes will ein bundesweites Kataster mit den grundsätzlich nutzbaren Flächen und Anlagen erstellen, die ihr selbst gehören. Im Anschluss will die Gesellschaft prüfen, ob sie die Anlagen selbst errichten und betreiben könne. Möglich wäre auch, die Flächen künftig an Kommunen, Anlieger und Investoren zu geben und Nutzungsrecht an die Erzeugung erneuerbarer Energien zu knüpfen. Die Autobahn GmbH des Bundes finalisiere derzeit die hierzu notwendigen vertraglichen Regelungen, heißt es in der Studie.