Ja, die Sonne kann einem Auto dauerhaft schaden. Besonders betroffen sind Lack, Innenraum, Displays, Batterie und Klimaanlage. UV-Strahlung lässt Lacke und Kunststoffe altern, während sich der Innenraum durch den sogenannten Gewächshaus-Effekt auf mehr als 60 Grad aufheizen kann. Selbst Vogelkot und Insektenreste werden in der Sommerhitze aggressiver und können den Klarlack angreifen. Wer regelmäßig im Schatten parkt, Sonnenblenden nutzt und Verschmutzungen schnell entfernt, der kann viele Schäden vermeiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • UV-Strahlung lässt Lacke und Kunststoffe altern.
  • Im Innenraum sind an heißen Tagen mehr als 60 Grad möglich.
  • Displays und Touchscreens können sich zum Schutz vor Überhitzung abschalten.
  • Viele Batterieschäden entstehen im Sommer, fallen aber erst im Winter auf.
  • Vogelkot und Insektenreste können sich in den Klarlack einprägen.
  • Die Klimaanlage muss nicht nur die Luft, sondern auch aufgeheizte Bauteile kühlen.

Displays und Touchscreens leiden unter extremer Hitze

Moderne Autos sind rollende Computer. Je nach Modell steuern große Touchscreens heute Navigation, Klimaautomatik, Fahrmodi und zahlreiche Komfortfunktionen. Doch genau diese Technik reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen. Besonders kritisch wird es, wenn ein Fahrzeug stundenlang in der prallen Sonne steht. Dann können sich Armaturenbrett und Displays stark aufheizen. Die Folge sind mitunter träge Reaktionen des Touchscreens, Bildfehler oder vorübergehende Abschaltungen zum Schutz der Elektronik. Moderne Bildschirme bestehen aus mehreren Schichten wie Glas, Touchsensor, Polarisationsfolien und dem eigentlichen Display, die sich bei Wärme unterschiedlich ausdehnen. Viele Hersteller integrieren deshalb Temperaturschutzfunktionen: Wird eine kritische Temperatur erreicht, reduzieren Displays automatisch ihre Helligkeit oder schalten sich zeitweise ab, um Schäden zu vermeiden.
Mercedes GLC 400 4Matic EQ
Große Displays im Auto sind teuer und daher besonders schützenswert. Touchscreens bestehen aus mehreren verklebten Schichten. Da sich diese bei Hitze unterschiedlich ausdehnen, können hohe Temperaturen die Materialien dauerhaft beschädigen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Die Autobatterie altert schneller

Viele Autofahrer fürchten vor allem den Winter. Tatsächlich entstehen viele Batterieschäden bereits im Sommer. Hohe Temperaturen setzen Starterbatterien stärker zu, als viele vermuten. Mit steigender Temperatur laufen die elektrochemischen Vorgänge im Inneren schneller ab. Das erhöht zwar kurzfristig die Leistungsfähigkeit, beschleunigt aber auch Korrosion an den Bleiplatten und den Verlust von Elektrolytflüssigkeit.
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Steigende Temperaturen fördern elektrochemische Nebenreaktionen in der Batterie. Die Folge sind Korrosion an den Bleigittern und eine beschleunigte Alterung der Zellen.
Bild: Banner
Die Schäden entstehen oft während heißer Sommermonate, bemerkbar machen sie sich jedoch erst Monate später, wenn die Batterie an einem kühlen Herbst- oder Wintermorgen plötzlich versagt. In Regionen mit dauerhaft hohen Temperaturen erreichen Starterbatterien deshalb oft eine deutlich kürzere Lebensdauer als in gemäßigten Klimazonen.

Auch Traktionsakkus leiden unter Hitze

Nicht nur die Starterbatterie reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen. Auch die Lithium-Ionen-Akkus von Elektroautos altern bei Hitze schneller. Der Grund: Mit steigender Temperatur nehmen in den Batteriezellen unerwünschte Nebenreaktionen zu. Dabei entstehen Ablagerungen an den Elektroden, die langfristig Kapazität kosten und den Innenwiderstand erhöhen können. Besonders ungünstig ist die Kombination aus hohen Temperaturen und einem hohen Ladezustand. Deshalb empfehlen viele Hersteller, den Akku im Alltag nicht dauerhaft auf 100 Prozent geladen stehen zu lassen – vor allem nicht während längerer Hitzeperioden.
Allerdings sind moderne Elektroautos auf dieses Problem vorbereitet. Anders als eine herkömmliche Starterbatterie verfügen ihre Hochvoltbatterien über ein ausgeklügeltes Thermomanagement. Sensoren überwachen permanent die Zelltemperaturen, während Kühl- und Heizsysteme dafür sorgen, dass der Akku möglichst im optimalen Temperaturbereich arbeitet. Das schützt die Batterie vor Schäden und trägt dazu bei, ihre Lebensdauer zu verlängern.
Dennoch gilt: Wer regelmäßig bei großer Hitze lange Strecken fährt oder häufig schnelllädt, belastet den Akku stärker als unter gemäßigten Bedingungen. Die Auswirkungen zeigen sich meist nicht sofort, sondern über viele Jahre in Form einer etwas schnelleren Alterung der Batterie.

UV-Strahlung greift Lack und Klarlack an

Der Lack schützt die Karosserie nicht nur optisch, sondern auch vor Umwelteinflüssen. Dauerhafte Sonneneinstrahlung lässt diese Schutzschicht jedoch altern. UV-Strahlen besitzen genügend Energie, um chemische Bindungen in Lacken und Kunststoffen aufzubrechen. Dadurch werden die Molekülketten im Klarlack nach und nach geschädigt. Die Oberfläche verliert an Glanz, wirkt stumpfer und kann mit den Jahren sichtbar ausbleichen. Fachleute sprechen von Photooxidation – einem Alterungsprozess, bei dem UV-Strahlung und Sauerstoff gemeinsam die Lackstruktur angreifen. Besonders betroffen sind Fahrzeuge, die dauerhaft im Freien stehen. Bei dunklen Lacken können die Oberflächentemperaturen an heißen Sommertagen zudem deutlich über 70 Grad steigen.

Der Innenraum altert schneller

Wer sein Auto im Sommer in der Sonne parkt, kennt das Problem: Beim Einsteigen fühlt sich das Fahrzeug wie ein Backofen an. Dahinter steckt ein Effekt, der einem Gewächshaus ähnelt. Sonnenlicht dringt durch die Scheiben ein, wird von Sitzen, Armaturenbrett und Verkleidungen aufgenommen und anschließend als Wärme gespeichert. Weil diese Wärme nur langsam entweichen kann, steigen die Temperaturen im Innenraum innerhalb kurzer Zeit auf mehr als 60 Grad. Unter dieser Belastung altern Kunststoffe, Leder und andere Oberflächen deutlich schneller. Armaturenbretter können ausbleichen, Kunststoffe spröde werden und Ledersitze austrocknen.

Vogelkot und Insektenreste werden zum Lack-Killer

Ein kleiner Vogelkotfleck oder einige Insektenreste nach einer Autobahnfahrt wirken harmlos. Tatsächlich gehören sie zu den häufigsten Ursachen für Lackschäden im Sommer. Vogelkot enthält aggressive Rückstände wie Harnsäure, Insektenreste bestehen unter anderem aus Eiweißen, Fetten und organischen Säuren.
Insekten auf der Motorhaube
Nicht nur Vogelkot, auch Insektenreste sollten so schnell wie möglich von Lack und Scheinwerfern entfernt werden. Die in den Tieren enthaltenen Eiweiße und Säuren wirken unter Hitze besonders schädlich.
Bild: Sven Krieger
In der Sonne trocknen diese Rückstände schnell aus und haften immer fester auf der Oberfläche. Gleichzeitig dehnt sich der erwärmte Lack leicht aus. Dadurch können sich die Verunreinigungen regelrecht in die oberste Klarlackschicht einprägen. Die sichtbaren Spuren bleiben mitunter selbst nach einer gründlichen Reinigung erhalten.

Die Klimaanlage wird zum Härtetest gezwungen

An kühlen Tagen fällt eine schwächelnde Klimaanlage oft nicht auf. Im Hochsommer zeigt sich dagegen schnell, ob das System noch zuverlässig arbeitet. Muss die Anlage einen aufgeheizten Innenraum herunterkühlen, läuft sie häufig unter hoher Last.
Klimaanlage-Wartung Reparatur
Vor der heißen Saison empfiehlt sich ein Klima-Check. Meist gibt die Klimaanlage unter stressigen Bedingungen, also bei hohen Temperaturen, den Geist auf.
Bild: Thomas Ruddies
Das liegt nicht nur an der warmen Luft. Armaturenbrett, Sitze und Verkleidungen speichern während des Parkens große Mengen Wärme und geben diese auch nach dem Einschalten der Klimaanlage noch lange an den Innenraum ab. Die Anlage muss deshalb nicht nur die Luft, sondern auch die in den Bauteilen gespeicherte Wärme abführen.

So schützen Sie Ihr Auto vor Sommerhitze

Wer schon einmal im Sommerurlaub in Spanien, Italien oder Griechenland unterwegs war, kennt das Bild: Viele Autos stehen dort mit Sonnenblenden hinter der Frontscheibe im Schatten.
Lexus LC 500
Luxus: Wer für sein Schätzchen einen Garagen- oder gar Tiefgaragenplatz (besonders kühl) besitzt, sollte diesen vor allem auch im Sommer nutzen.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Das hat einen guten Grund. Während wir in Deutschland im Winter häufig Frostschutzmatten außen auf die Windschutzscheibe legen, setzen Autofahrer in heißen Regionen Europas seit Jahren auf Maßnahmen gegen Sonne und Hitze. Gerade bei modernen Fahrzeugen mit großen Displays, empfindlichen Kunststoffen und aufwendiger Elektronik kann sich das lohnen.
Die wichtigsten Hitze-Tipps im Überblick:
  • Nach Möglichkeit im Schatten oder in einer Garage parken
  • Sonnenblenden für die Frontscheibe reduzieren die Innenraumtemperatur deutlich
  • Vogelkot, Baumharz und Insektenreste möglichst sofort entfernen
  • Lack regelmäßig wachsen oder versiegeln
  • Bei älteren Fahrzeugen die Batterie vor der Urlaubssaison prüfen lassen
  • Die Klimaanlage vor längeren Sommerfahrten auf ausreichende Kühlleistung kontrollieren

Fazit

von AUTO BILD
Schattenparker? Absolut. Nicht in erster Linie wegen heißer Sitze oder eines aufgeheizten Lenkrads, sondern aus Liebe zur Technik. Denn UV-Strahlung und Hitze setzen nicht nur dem Lack zu, sondern auch Displays, Kunststoffen, Batterien und sogar der Klimaanlage. Wer die Wahl hat, sollte deshalb den Parkplatz im Schatten oder im Parkhaus nehmen. Das kann dem Auto auf Dauer einiges ersparen.