Spezieller Porsche 718 Cayman zu verkaufen
Ist dieser Porsche wirklich ein Prototyp?

"718 Cayman GTS 2.5 (Prototyp 1#)" steht im Inserat – wieso ist so etwas zu verkaufen? Ein echter Prototyp? AUTO BILD fragt im Werk nach.
Bild: Tim Paffrath/Paffrath Media
Wenn das Wort "Prototyp" auftaucht, spitzen Auto-Fans die Ohren und reißen die Augen auf. Denn ein Prototyp ist ein Versuchsmodell für etwas, das noch nicht fertig ist. Bei Autos gibt es eine enorme Bandbreite von Prototypen: von Designmodellen ohne Motor und Sitzkisten ohne Karosserie bis hin zu Vorserienautos, an denen letzte Details ausprobiert werden.

Mit Heckspoiler, Diffusor, zentralen Endrohren und den Nachrüst-Rädern hat der GTS einen bärigen Auftritt.
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"Der allererste gebaute Cayman GTS"
So haben auch wir die Ohren aufgerissen und die Augen gespitzt, als wir über dieses Inserat gestolpert sind: "718 Cayman GTS 2.5 (Prototyp 1#)" – wie jetzt, ein Prototyp mit Straßenzulassung? Einfach so in der Gebrauchtwagenbörse? "Das hier ist der allererste gebaute Cayman GTS, bevor die GTS-Modelle dann in Serie gebaut und verkauft wurden", schreibt der Verkäufer im Inserat. Fragen wir mal nach.

In den Einstiegsleuchten aus Edelstahl leuchtet im Dunkeln der Schriftzug "Cayman GTS". Elektrische Sitzverstellung und Memory-Paket.
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Marius aus dem Raum Bergisch Gladbach (NRW), der Verkäufer, weist auf unsere Anfrage zunächst auf die Schlüsselnummer 0000 in den Fahrzeugpapieren hin. Er rückt die Fahrgestellnummer raus; wir fragen bei Porsche im Werk nach, was es mit diesem Exemplar auf sich hat.
Das Zulassungsdatum des Cayman stimmt schon mal
Bis die Antwort kommt, sehen wir uns das Auto im Detail an: Es ist ein Porsche 718 Cayman, Baureihe 982 (seit 2016), Erstzulassung Dezember 2017. Der Zweieinhalbliter-Vierzylinder leistet normalerweise 350 PS, dieser hier ist die GTS-Variante mit 365 PS. Und die kam tatsächlich im Dezember 2017 auf den Markt.
Die mutmaßlich besondere Historie dieses GTS hat weder den Erstbesitzer noch Marius, laut Inserat den zweiten Besitzer, davon abgehalten, das Auto zu verändern. Marius beziffert seine Tuning-Investitionen auf knapp 10.000 Euro.

21-Zoll-Räder von Techart mit roter Linie rundum, ausgefahrener Spoiler, GTS-Schriftzug am Lufteinlass.
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Lackiert ist der Cayman in "Carraraweiß-metallic" (wie der Carrara-Marmor, nicht Carrera), vor nicht mal ein Jahr vor dem Inserat wurde er foliert in "Silber seidenmatt". Das allein hat wohl schon 5500 Euro verschlungen. Statt der originalen 20-Zoll-Porsche-Räder (Typ Carrera Classic) trägt der Wagen jetzt dunkle 21-Zöller von Techart.
Porsches offizielle Stellungnahme
Ah, da kommt eine E-Mail von Porsche! "Die frühe Produktionsnummer […] kann als Hinweis für ein Vorserienfahrzeug gelten", steht da zunächst vorsichtig. Dann aber der Beweis: "Im System gibt es auch Hinweise für eine 'Unterjährige Vorseriensteuerung' und in der Historie des Fahrzeugs für 'Umbau auf Serienstand'". Na bitte: Der "Prototyp" ist offenbar tatsächlich ein Vorserienauto!

Kontrastfarbe im Cockpit ist Weinrot. Roter Zündschlüssel links, rechts der Wählhebel für die PDK-Doppelkupplungsautomatik.
Bild: Tim Paffrath/Paffrath Media
Auch dass der Wagen laut der E-Mail "intern an eine Abteilung" ging, spricht nach Einschätzung der Porsche-Presseabteilung als weiteres Indiz dafür.
Was genau die Porsche-Leute an diesem Auto ausprobiert haben, mögen sie uns natürlich nicht so gern verraten.

Porsche-Infotainmentsystem PCM mit Navigation, oben die analog anzeigende Rundzeiten-Uhr. Zentraler Drehzahlmesser, na logo.
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So teuer ist der spezielle Cayman
72.500 Euro rief der Verkäufer für das Auto auf. Inzwischen is er verkauft – ein Porsche Cayman, der schon ab Werk nicht von der Stange war.
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