Sportwagen-WM: Peugeot Hypercar 9X8, Le Mans
Flügellos durch die Nacht

Seit Jahrzehnten sorgen Heckflügel bei Rennautos für Abtrieb. Das neue Le-Mans-Hypercar 9X8 von Peugeot kommt ohne aus. Le-Mans-Start 2022?
Bild: Peugeot
- Michael Zeitler
Die Revolution rollt auf vier Rädern – aber ohne Heckflügel. Peugeot hinterfragt mit dem Le-Mans-Hypercar 9X8 ein aerodynamisches Prinzip, das im Rennsport seit Jahrzehnten gilt: Danach ist ein Heckflügel für Abtrieb unabdingbar. Nun soll es also ohne gehen. Mit dem neuen Hypercar will Peugeot nach 1992, 1993 und 2009 den vierten Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans einfahren.
Jean-Marc Finot, Motorsportchef des Mutterkonzerns Stellantis, erklärt: „Der Verzicht auf einen Heckflügel am Peugeot 9X8 ist ein großer innovativer Schritt. Wir haben einen Grad aerodynamischer Effizienz erreicht, der uns das erlaubt.“ Das Peugeot- Team ist überzeugt, dass das Konzept kein Nachteil ist. Der Grund: Die Entwicklung am Diffusor ist komplett frei.

Ein durchgängiges Hauptblatt fehlt am Peugeot 9X8. Der Abtrieb wird über den Diffusor erzeugt.
Bild: Peugeot
Der Peugeot 9X8 erzeugt den Abtrieb also nicht nur über die beiden Flügelchen auf den Radkästen, sondern vor allem über den Unterboden. Ansonsten ist das Hypercar bewusst kantig gehalten – um der Stilrichtung des Peugeot-Konzerns zu entsprechen. Das Cockpit ist leicht nach vorn geneigt, was laut den Technikern eine große Katze symbolisieren soll, die auf Angriff fährt.
Und der Motor? Der Löwe brüllt leiser als die Konkurrenz. Peugeot setzt auf einen 2,6-Liter-V6-Biturbo. Dazu wird ein 272-PS-Elektromotor geschaltet, dessen Energie aus 900-Volt-Batterien kommt, die durch Bremsenergie-Rückgewinnung geladen werden. In Toyotas GR010 Hybrid ist dagegen ein 3,5-Liter-V6-Turbo verbaut. Die Japaner nutzen einen größeren Motor – wegen der Standfestigkeit. Peugeot sieht im kleineren Hubraum einen Vorteil, weil er besser ins Auto integriert werden kann. Die Leistung ist ohnehin gedeckelt – auf rund 680 PS.

Der Peugeot setzt auf einen 2,6-Liter-V6-Biturbo. Ab 120 km/h wird ein E-Motor zugeschaltet.
Bild: Peugeot
Noch ist unklar, ob Peugeot bereits 2022 in Le Mans (11./12. Juni) fährt. Beim Saisonauftakt in Sebring fehlen die Franzosen. Die Teilnahme bei den 6 Hours of Spa (7. Mai) ist ein Muss, um auch den Klassiker unter die Räder zu nehmen. Als Fahrer ist unter anderem Ex-F1-Pilot Kevin Magnussen an Bord.
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