SsangYong Rexton W: Gebrauchtwagen-Test
Zugpferd für Pragmatiker

Der koreanische SsangYong Rexton W ist gebraucht ein Exot. Doch auf der Suche nach einem Geländewagen lohnt sich ein zweiter Blick.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Er gehört zu einer bedrohten Art, denn echte Offroader sterben aus. Der Rexton W der südkoreanischen Marke SsangYong ist ein 4,75 Meter langer und 1,84 Meter hoher Geländewagen für Autofahrer, die robuste Konstruktionen mit Leiterrahmen schätzen. Unser Gebrauchter wurde erstmals im Oktober 2016 zugelassen. Jetzt wird er mit 126.931 Kilometern vom Autohaus Dello in Hamburg-Harburg angeboten. Das Fahrzeug lief bis dato in erster Hand und wird mit ausweisbarer Mehrwertsteuer sowie einem zusätzlichen Winterreifensatz für nur 15.990 Euro angeboten. Ein vergleichbarer Mitsubishi Pajero oder Toyota Land Cruiser würde rund das Doppelte oder mehr kosten!
Der Pflegezustand des Rexton ist in Ordnung
Was darf man realistisch für diesen Discounttarif erwarten, welche Haken gibt es? Etliche Rexton W wurden einst als Arbeitspferde angeschafft und entsprechend strapaziert. Ein leer gut zwei Tonnen schwerer Geländewagen mit Allradantrieb, hoher Anhängelast und guter Ausstattung für rund 40.000 Euro Neupreis hatte damals schon Seltenheitswert. Zwar wirkt das Design eher ein paar Jahre älter, doch dafür passt in unserem Fall der Pflegezustand. Bis auf drei kleinere Dellen auf der Beifahrerseite ist der äußere Zustand ohne Mängel. Eine sichtbar benutzte starre Anhängerkupplung zeugt von etlichen Einsätzen als Zugfahrzeug.

In der getesteten Executive-Version hat der Rexton W 18-Zoll-Alufelgen und Trittbretter. Die Sitzposition ist erhaben.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Blick unter das Fahrzeug bleibt ohne böse Überraschungen: Die ab Werk nur mäßig gegen Rost geschützte Bodengruppe ist ohne Aufsetzspuren von Offroad-Ausflügen. Sie zeigt lediglich leichte Anrostungen, der Antriebsstrang ist frei von Ölleckagen. Wer plant, seinen Rexton länger zu fahren, sollte dennoch die Kosten für Entrostungskur und Nachkonservierung vor dem Kauf mit einkalkulieren.
Der Rexton wurde für unperfekte Verkehrsnetze gemacht
Wie lebt es sich an Bord? Im großzügig geschnittenen Innenraum grüßen die frühen Nullerjahre. Die Bedienung ist selbsterklärend, für Materialauswahl und Verarbeitung muss man sich nicht schämen. Klappergeräusche sind kein Thema, eine gewisse Polterneigung ist auch mit intakten Fahrwerkslagern durch die rustikale Konstruktion normal. Man spürt deutlich, dass der Rexton W zwar hierzulande erhältlich war, jedoch primär für das Ankommen auf weniger perfekten Verkehrsnetzen optimiert wurde. Auch deshalb sollte man dem Koreaner die gefühllose Lenkung und die teigige Bremse nachsehen.

Der rustikaler Fahrerplatz bietet keine Überraschungen. Die Siebenstufenautomatik kommt von Mercedes.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der siebensitzige XL-Innenraum befindet sich in erstaunlich guter Verfassung. Für die Top-Ausstattungslinie Executive schnürte SsangYong einst ein üppiges Paket: Elektrisch verstellbare Vordersitze mit Memoryfunktion, Lederpolster, Vierfach-Sitzheizung, Klimaautomatik und ein Kenwood-Navi-Infotainment mit Kartenmaterial von Garmin sind mit an Bord. Auf den zweiten Blick fällt lediglich eine etwas platt gedrückte Sitzwange am Fahrersitz auf. Beim Thema Assistenten muss der urige Koreaner allerdings passen. ABS, Servo, ESP und Rückfahrkamera sind das Höchste der Gefühle. Ein Tempomat macht Langstrecken relaxter.
Kernkompetenz: Arbeiter fürs Grobe
Die Paradedisziplin des Rexton ist und bleibt seine Kompetenz als Gelände- und Zugfahrzeug. Solide 21,5 Zentimeter Bodenfreiheit reduzieren die Gefahr von Aufsetzern, der Böschungswinkel vorn beträgt 28 Grad, hinten 23,5 Grad, die Wattiefe 500 Millimeter. Dank serienmäßiger Untersetzung packt der Rexton maximal 49 Prozent steile Auffahrten.
Technische Daten
Motor | Vierzylinder/vorn längs |
|---|---|
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 2157 cm³ |
Leistung | 131 kW (178 PS) bei 4000/min |
Drehmoment | 400 Nm bei 1400/min |
Höchstgeschw. | 187 km/h |
0–100 km/h | 11,1 s |
Tank/Kraftstoff | 78 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | Siebenstufenautomatik/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4755/1900/1840 mm |
Kofferraumvolumen | 248-1592 l |
Leergewicht/Zuladung | 2070/640 kg |
Die sehr hohe Anhängelast von 3,5 Tonnen und 140 Kilogramm Stützlast sprechen für das 2016 vorstellte Faceliftmodell 2.2 e-XDi 220 mit neuem, in Österreich bei AVL entwickeltem 2,2-Liter-Common-Rail-Diesel (Euro 6). Der ordentlich gedämmte Selbstzünder verfügt über einen NOx-Speicherkat und leistet maximal 178 PS beziehungsweise 400 Newtonmeter. Trotz des vergleichsweise geringen Hubraums wirkt er ausreichend kräftig und harmoniert prächtig mit dem von Mercedes zugelieferten Siebenstufen-Wandlerautomaten. Für mehr als ein noch angenehmes Autobahn-Dauertempo von 140 km/h taugt der Rexton W jedoch nicht.
Die bereits im Sommer 2012 eingeführte Vorgängerversion mit Zwei-Liter-Turbodiesel (Euro 5) ist mit 155 PS und einem maximalen Drehmoment von 360 Newtonmetern nominell kaum schwächer, wirkte jedoch spürbar müder und darf auch nur 2,6 Tonnen an den Haken nehmen. Womit die jüngere 178-PS-Version die deutlich interessantere Wahl darstellt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 8,8 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. NEFZ-Zyklus | 194 g/km |
Inspektion | 350-1000 Euro |
Haftpflicht (22)* | 779 Euro |
Teilkasko (20)* | 813 Euro |
Vollkasko (18)* | 1173 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 407 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 1000 Euro |
|---|---|
Anlasser | 650 Euro |
Wasserpumpe | 470 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Endschalldämpfer | 700 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1600 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 830 Euro |
Stoßdämpfer vorn links | 600 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 255/60 R 18 108 H) | 700 Euro |
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