Wie gefährlich ist billig? Eine Frage, die sich Autofahrer beim Reifenkauf schon oft gestellt haben. Tatsache ist: Alle Reifen sind schwarz und rund. Sie unterscheiden sich im Preis aber mitunter ganz erheblich. Weltweit bieten etwa 400 Reifenhersteller mit über 800 Reifenmarken ihre Produkte zu teilweise abstrusen Preisen an. Da verliert man schnell die Orientierung und erliegt dem Reiz des Sonderangebots, ohne sich Gedanken über die Sicherheit zu machen.

Die Eckpfeiler guter Reifen

Nicht selten erfolgt dabei der Kauf im Baumarkt oder im Internet, meist ohne fachkundige Beratung. Kaum Informationen zu den Produkten, die von teilweise fragwürdiger Herkunft und Technologie wie auf dem Grabbeltisch feilgeboten werden. Eine riskante Sparmaßnahme.
Denn gerade die Qualität von Reifen entscheidet in Notsituationen über Leben und Tod. Bremsweg, Nässeverhalten, Kurvenstabilität – in die kontinuierliche Verbesserung all dieser entscheidenden Kriterien, investieren namhafte Hersteller im Gegensatz zu den meisten Billiganbietern Millionen. Dazu kommt die Optimierung von Geräuschen, Rollwiderstand und der Kilometerleistung. Gerade in Anbetracht der kommenden Elektrifizierung unserer Autos immer wichtig werdende Eckpfeiler guter Reifen.

Sailun will deutschen Markt überzeugen

Mit Sailun kommt nun ein weiterer ambitionierter Player auf den Reifenmarkt, der auf Sicht den großen Premiumherstellern Konkurrenz machen will. Der Reifenbauer aus dem chinesischen Qingdao ist bei uns zwar noch recht unbekannt, aber schon auf Platz 17 unter den größten Reifenherstellern der Welt. Sailun exportiert seine Reifen bereits in über 180 Länder. Bislang landen Sailun-Reifen bei Tests eher im hinteren Mittelfeld. Auch bei AUTO BILD. Mit neuer Technologie formulieren die Chinesen nun selbstbewusste Ziele und möchten als seriöser Anbieter von Qualitätsreifen wahrgenommen werden, raus aus der schmuddeligen Image-Ecke "Billigreifen".
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Schon heute produziert Sailun mehr als 40 Millionen Pkw- und Lkw-Reifen pro Jahr und exportiert diese in 180 Länder der Welt.

Standortbestimmung für einen Newcomer

Um den gewachsenen Ansprüchen gerecht zu werden, muss Sailun auch liefern. Wie gut die Chinesen schon sind, hat AUTO BILD jetzt getestet. Standortbestimmung eines Newcomers. Im direkten Abgleich mit Premiumreifen von Mitbewerbern haben die AUTO BILD-Reifenexperten den neuen Sailun Sommerreifen Atrezzo ZSR auf der Rennstrecke Bilster Berg ausgiebig gefahren (Dimension: 235/35 ZR 19). Montiert auf jeweils zwei Hyundai i30 N und Seat Leon muss die aktualisierte Mischung ihre Qualitäten beweisen. Bremsen (trocken und nass), Ausweichmanöver, dynamische Tempofahrten über den 4,2 Kilometer langen Kurs mit seinen 19 Kurven. Das Programm ist ambitioniert, die Ergebnisse überraschend. Gerade bei der Performance kann Sailuns Spitzenprodukt die Tester überzeugen. In puncto Gripp, Seitenführung und Rückmeldung am Lenkrad attestieren die Profis eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum bisherigen Atrezzo-Reifen. Der Ehrgeiz der Tester ist geweckt. Wurde hier eine optimierte "Tagesmischung" extra für AUTO BILD gebacken, oder hält der Reifen auch unter Dauerbelastung im Alltag seine Qualität? Um das herauszufinden, geht es anschließend mit dem Hyundai i30 N auf die Nordschleife ("Grüne Hölle") des Nürburgrings. 50 Runden Vollgas über die 20,8 Kilometer lange Rennstrecke, ein Dauer-Speed-Test, bei dem, gerechnet mit dem anerkannten Verschleißfaktor 10 der Nordschleife, am Ende eine Strecke von 10.000 Kilometer zusammenkommt. Eine härtere Prüfung, was die Haltbarkeit angeht, gibt es unter Straßenbedingungen kaum.
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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Auf der Teststrecke "Bilster Berg" stellt sich Sailun mit seinen Reifen dem kritischen Blick der AUTO BILD-Experten.

Überzeugt auf ganzer Linie

Und wieder überrascht das Ergebnis: Zwar stört die Tester das leicht verspätete Ansprechen der Lenkung auf trockener Piste und die Neigung zum Untersteuern des Hyundais, zudem wünschten sich die feinfühligen Experten einen besseren Geradeauslauf, doch was die Haltbarkeit angeht, überzeugt der Atrezzo ZSR auf ganzer Linie. Kein Ausfall, das Profil nur wenig runtergefahren, das Abriebbild auf der Lauffläche und im Schulterbereich zeigt kaum Spuren von Verschleiß. Um diese Eindrücke zu objektivieren, schickt AUTO BILD den Atrezzo ZSR schließlich noch zum Schnell-Lauftest beim TÜV SÜD. Auch hier heißt das Ergebnis der Prüfer am Ende anerkennend: Befund ohne Defekt. Den sechzigminütigen Schnelllauf auf dem Prüfstand, dabei 50 Minuten oberhalb von Tempo 270 bis 300 km/h, absolviert der Reifen mühelos und gänzlich ohne Beanstandungen.
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Bremstest auf bewässerter Strecke beim Sommerreifentest auf dem Bilster Berg. Die Ergebnisse können sich sehen lassen!

Fazit

Es gibt einige schwarze Schafe im Geschäft mit den schwarzen Gummis. Und es gibt Hersteller, die ihre Hausaufgaben machen und ihre Qualität kontinuierlich verbessern. Sailun gehört offensichtlich dazu. Die Investition in Forschung und Entwicklung zeigt erste Ergebnisse. Ob es schon reicht, um mit den ganz großen Namen mitzuhalten, werden die nächsten Tests zeigen.