Strafzölle auf China-Autos: Deutsche Industrie steht dahinter
Deutsche Wirtschaftsvertreter fordern Strafzölle auf Autos aus China

Deutsche Autobauer haben sich gerade erst gegen Strafzölle auf chinesische Elektroautos ausgesprochen. In anderen Teilen der deutschen Industrie sieht die Stimmung jedoch anders aus.
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- Manuel Bauer
Die Europäische Union zieht die Verhängung von Strafzöllen auf importierte Elektroautos aus China in Erwägung, um den wachsenden Konkurrenzdruck durch vom chinesischen Staat subventionierte Billig-E-Autos abzufedern. Eine vorläufige Entscheidung könnte bereits in den kommenden Tagen fallen.
Deutsche Autobauer sehen diesen Schritt kritisch. Erst Mitte Mai 2024 sprachen sich Firmen wie Volkswagen oder BMW gegen Strafzölle aus. Zu groß sei demnach die Abhängigkeit der deutschen Firmen vom chinesischen Markt und von Zulieferern aus Fernost. Mögliche Gegenmaßnahmen aus China könnten der deutschen Autoindustrie massiv schaden, so die Argumentation der Hersteller, die ihre Fahrzeuge teilweise selbst dort produzieren lassen.
Dass die Größen der deutschen Autobranche mit ihrer Haltung nicht repräsentativ für die gesamte deutsche Industrie sind, zeigt nun eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft. Das hat bei 900 deutschen Firmen aus den Bereichen Industrie und industrienahe Dienstleistungen nachgehakt, wie sie den wachsenden Konkurrenzdruck aus China wahrnehmen und was sie von eventuellen Gegenmaßnahmen halten. Das Ergebnis: Zwei Drittel der Firmen im produzierenden Gewerbe betrachten die zunehmende Konkurrenz aus dem Reich der Mitte als Herausforderung. Auch 60 Prozent der Firmen aus den Bereichen Forschung und Entwicklung sehen ihr Geschäft durch die oft staatlich subventionierte chinesische Industrie bedroht. Dabei hat der Konkurrenzdruck in den vergangenen fünf Jahren stark zugenommen und die Tendenz ist weiter steigend.
80 Prozent halten Strafzölle für angebracht
Entsprechend wohlwollend betrachtet laut Umfrage ein großer Teil der befragten Firmen die mögliche Einführung von Strafzöllen auf chinesische Elektroautos. Rund 80 Prozent halten derlei Maßnahmen zumindest grundsätzlich für gerechtfertigt. Ebenso sprechen sich die Unternehmen mehrheitlich für eine aktive Unterbindung eines sensiblen Technologietransfers aus, bei dem Hochtechnologie von deutschen Firmen an das chinesische Militär abzufließen droht. Insgesamt nimmt die deutsche Industrie den Konkurrenzdruck aus China als stark wachsende Bedrohung für den Industriestandort Deutschland wahr.
Die Hälfte aller Firmen kämpft demnach mit Preisunterbietungen aus Fernost, die mehr als 20 Prozent unter den Kostenpunkten der eigenen Produkte liegen. Teilweise sind die chinesischen Angebote sogar mehr als 30 Prozent günstiger zu haben. Die meisten Unternehmen vermuten staatliche Subventionen hinter den niedrigen Offerten.
Deutsche Unternehmen kämpfen deshalb laut Umfrage schon heute mit Gewinneinbußen zwischen 60 und 95 Prozent. Daraus resultieren zunehmend Produktionskürzungen, Verlagerungen ins kostengünstigere Ausland und Entlassungen. Das Institut der deutschen Wirtschaft stuft den Konkurrenzdruck aus China auf Basis der Umfrageergebnisse als relevante Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell ein und hebt hervor, dass die Zustimmungsrate zu härterem Vorgehen gegenüber China bemerkenswert hoch sei.
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