Im Forester III brachte Subaru erstmals einen Selbstzünder für die Diesel-gläubigen Europäer. Doch der macht das Auto zum Risiko. Der Secondhand-Check.
Bild: Toni Bader
Martin Braun
Was haben die Europäer jahrelang gejammert, dass Subaru zwar so schön zuverlässige Benzin-Allradler baut, aber keinen Dieselmotor hat. Ein Fremdmotor kam nicht in Frage, weil die üblichen Reihenmotoren einfach nicht in den Vorderwagen eines Boxer-Subaru passen. Also mussten die Japaner selbst ran. Ob sie mit ihrem Diesel glücklich geworden sind? Das darf bezweifelt werden, denn der 2008 erstmals in Europa angebotene Zweiliter-Boxer-Turbodieselmotor (intern EE20) war zwar technisch hochinteressant, aber einfach noch nicht ausgereift. Kurbelwellenlager, Schmierungsmangel, Injektoren, Turbolader und vor allem dramatische Probleme mit dem Dieselrußfilter bescherten Subaru eine Flut von Kundenbeschwerden und der zuvor unausgelasteten Garantieabteilung ungewohnte Betriebsamkeit.
Die Benzinversionen sind rückhaltlos empfehlenswert
Umbauten auf Autogas machen die Benziner-Subaru nicht zuverlässiger – und zuweilen auch nicht wirtschaftlicher.
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Weil der Verkaufsstart des Diesel-Boxers praktisch mit dem Produktionsbeginn des Forester der dritten Generation zusammenfällt, rutscht dieser in der Zuverlässigkeitsbilanz auf ein bei Subaru ungewohnt schlechtes Niveau ab. Über die Benzinversionen redet niemand. Die verrichten gewohnt zuverlässig ihren Dienst. 200.000 und auch 300.000 Kilometer ohne Schäden sind die Regel, nicht die Ausnahme. Probleme kann es höchstens bei Umbauten auf Autogas geben. Die machen die Benziner-Subaru nicht zuverlässiger, wegen Schäden an den Zylinderköpfen zuweilen auch nicht wirtschaftlicher. Ein reiner Benziner-Forester III kann also rückhaltlos empfohlen werden. Eigenheit der Generation III: Sie ist der einzige Forester, der – zumindest in Deutschland – nicht auch in einer starken Turboversion verkauft wurde; in der Schweiz dagegen schon – als 2,5-Liter-Turbo mit 230 PS.
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Beim Diesel sind Baujahr und Fahrprofil entscheidend
Aber der Diesel? Hier kommt es stark auf das Baujahr des Wagens und das individuelle Fahrprofil des Besitzers an. Die meisten Probleme machen Diesel der Baujahre 2008, 2009 und 2010. Ab 2011 wird es offenbar deutlich besser. Doch auch das Fahrprofil des Besitzers ist wichtig. Der Diesel-Boxer mag keine Kurzstrecken, keine Schleichfahrten, keine Schnellfahrten und keinen Anhängerbetrieb. Schade, denn zwei Tonnen Anhängelast wären erlaubt. Beim Benziner allerdings auch. Nur in Verbindung mit Automatikgetriebe, das es nur für den Benziner gab, begrenzt Subaru die Anhängelast auf 1500 Kilogramm.
Der Diesel-Boxer ist ein echtes Sensibelchen und reagiert empfindlich auf Betriebsweise und Kraftstoffqualität.
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Der Diesel-Boxer scheint eine Mimose zu sein, die wohl vor allem wegen der Dieselrußfilter-Regelung empfindlich auf die Betriebsweise und die Kraftstoffqualität reagiert. Verunsicherte Besitzer berichten über sporadisch auftretende und dann wieder verschwindende Nagelgeräusche, über sporadisch auftretenden Leistungsverlust, Motorruckeln und immer wieder über verstopfte Dieselrußfilter. Die verzweifelten Subaru-Werkstätten wechseln Turbolader und Dieselrußfilter, schicken die von Denso stammenden Injektoren zur Prüfung ein, reinigen verrußte Ventile der Abgasrückführungen und spielen ein Software-Update nach dem anderen auf die elektronische Motorsteuerung auf. Spürbare Besserung kommt dann in den meisten Fällen durchaus, allerdings teilweise wohl nur in kleinen Schritten.
Viele Diesel-Besitzer wollen die Marke wechseln
Nur gut, dass die Subaru-Fahrer sonst mit ihrem Forester III sehr zufrieden sind – von kratzempfindlichen Kunststoffverkleidungen im Innenraum und bei Wenigfahrern zeitig festgegammelten Bremsen mal abgesehen. Dass die Werkstätten da nichts dafür können, zeigt die außerordentlich hohe Zufriedenheitsquote von 93 Prozent mit den Vertragshändlern. Bei der Frage nach der Wahl des nächsten Autos muss man wieder differenzieren. Die Besitzer eines Benziner-Forester zeigen sich markentreu und wollen zu 61 Prozent auf den Forester IV umsteigen. Bei den Diesel-Besitzern schwenken 15 Prozent künftig um auf einen Benziner-Subaru. Aber die, die wegen hoher Kilometerleistung unbedingt einen Diesel wollen, gehen der Marke häufig verloren. Noch mehr Diesel-Verdruss also für Subaru.Alle Bilder zum Test finden Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.
Fazit
von
Martin Braun
Ein Forster III ist so problemlos wie die beiden Generationen zuvor – wenn es sich um einen Benziner handelt. Ein Forester Diesel kann dagegen zum echten Groschengrab werden, bis hin zum Motorschaden. Zu viel Risiko für Gebrauchtkäufer.
Gebrauchtwagen-Test Subaru Forester III
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Dass Subaru zwar so schön zuverlässige Benzin-Allradler baut, aber keinen Dieselmotor hat, war lange Zeit Grund zur Klage. Erhört wurde sie 2008: Ein Zweiliter-Boxer-Turbodieselmotor (intern EE20) kam nach Europa – technisch hochinteressant, aber leider noch nicht ausgereift. Das Aggregat schafft es, die dritte Generation des Forester in der Zuverlässigkeitsbilanz auf ein ungewohnt schlechtes Niveau abrutschen zu lassen. AUTO BILD macht den Secondhand-Check.
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Über die Benzinversionen redet niemand. Die verrichten gewohnt zuverlässig ihren Dienst. 200.000 und auch 300.000 Kilometer ohne Schäden sind die Regel, nicht die Ausnahme. Probleme kann es höchstens ...
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... bei Umbauten auf Autogas geben. Die machen die Benziner-Subaru nicht zuverlässiger, wegen Schäden an den Zylinderköpfen zuweilen auch nicht wirtschaftlicher. Ein reiner Benziner-Forester III kann also rückhaltlos empfohlen werden.
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Aber der Diesel? Hier kommt es stark auf das Baujahr des Wagens und das individuelle Fahrprofil des Besitzers an. Die meisten Probleme machen Diesel der Baujahre 2008, 2009 und 2010. Ab 2011 wird es offenbar deutlich besser. Doch auch das Fahrprofil des Besitzers ist wichtig. Der Diesel-Boxer mag keine Kurzstrecken, keine Schleichfahrten, keine Schnellfahrten und keinen Anhängerbetrieb.
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Der Diesel-Boxer scheint eine Mimose zu sein, die wohl vor allem wegen der Dieselrußfilter-Regelung empfindlich auf die Betriebsweise und die Kraftstoffqualität reagiert. Verunsicherte Besitzer berichten über sporadisch auftretende und dann wieder verschwindende Nagelgeräusche, über sporadisch auftretenden Leistungsverlust, Motorruckeln und immer wieder über verstopfte Dieselrußfilter.
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Die verzweifelten Subaru-Werkstätten wechseln Turbolader und Dieselrußfilter, schicken die von Denso stammenden Injektoren zur Prüfung ein, reinigen verrußte Ventile der Abgasrückführungen und spielen ein Software-Update nach dem anderen auf die elektronische Motorsteuerung auf. Spürbare Besserung kommt dann in den meisten Fällen durchaus, allerdings teilweise wohl nur in kleinen Schritten.
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Das Fahrwerk macht es besser: Lenkung und Achsen praktisch ohne Beanstandungen. Allerdings neigen Forester-Fahrer auch sehr selten zu fahrwerksbelastenden Breitreifen-Exzessen. Rost zeigt sich bei immerhin sieben Prozent der Leser-Forester. Meist an Schwellern, Unterboden und hinteren Radläufen.
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Hier einige Praxistipps für die Gebrauchtwagen-Besichtigung: Die Auspuffanlage sollte man auf Rost untersuchen, denn billig ist die komplexe, zweiflutige Anlage nicht. Besonderes Augenmerk sollte man vor allem bei den untersetzungslosen Diesel-Boxer auch auf die Kupplung legen: Teigig und lasch darf sich das Pedal beim Drauftreten und Loslassen nicht anfühlen.
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Grundsätzlich gilt: Bei einem Diesel ist wegen der mehrfachen Nachbesserungen eine einwandfreie Wartungshistorie im Scheckheft wichtiger als der Kilometerstand. Klar ist auch: Es gibt auch gut laufende Diesel!
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Ob nun Diesel oder Benziner: Der Laderaum ist mit 450 bis 1660 Liter Volumen ordentlich groß. Die Ladelänge beträgt 0,81 bis 1,64 Meter. Mit an Bord: ein echtes Reserverad und die serienmäßige Niveauregulierung.
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Der Forester III war einer der letzten Subaru mit hohem Sitz- und vor allem Federungskomfort.
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Blick auf den Arbeitsplatz: Das Interieur gab es nicht nur in diesem empfindlichen Cremeton, sondern auch in Schwarz. Die meisten Extras waren in Paketen zusammengefasst, so auch die Navigation. Der zweite Hebel hinter dem Schalthebel ist für die Geländeuntersetzung. Ihn gibt's nur beim Schalt-Benziner.
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Fazit: Ein Forster III ist so problemlos wie die beiden Generationen zuvor – wenn es sich um einen Benziner handelt. Ein Forester Diesel kann dagegen zum echten Groschengrab werden, bis hin zum Motorschaden. Zu viel Risiko für Gebrauchtkäufer.
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Wer auf der Suche nach einer Alternative zum Forester III ist, findet vielleicht Gefallen am Land Rover Freelander II: Der von 2006 bis 2014 angebotene Brite erfreut mit großer Bodenfreiheit. Die Marktpreise liegen nur fünf Prozent über dem Niveau des Subaru Forester.
Auch der Suzuki Grand Vitara II könnte in die engere Wahl kommen. Er ist das geländetauglichste Auto dieser Klasse mit manuell sperrbarem Permanentallrad, aber etwas schwächerem 129-PS-Diesel. Der Grand Vitara wird zehn Prozent höher gehandelt als der Subaru Forester.