Subaru Impreza: Gebrauchtwagen-Test
Ist der gebrauchte Impreza ein Exoten-Tipp?

Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Unter dem Radar der klassischen Kompaktwagen-Kundschaft fährt hier zulande seit Generationen der Subaru Impreza. In seiner fünften Generation wurde das Modell bei uns von 2018 bis 2024 angeboten. Und es tickt anders als viele seiner Konkurrenten: Statt Effekthascherei gibt es handfesten Nutzwert sowie manch verblüffendes Detail.
Der Impreza will unterschiedliche Kundentypen ansprechen
Das ist er: Ein pragmatischer Exot mit außergewöhnlich großer Bodenhaftung. Als Kind des Allrad-Weltmarktführers Subaru soll der Impreza möglichst viele unterschiedliche Kundentypen ansprechen. Unter der unscheinbaren Hülle des für seine Klasse mit 4,48 Meter Länge groß gewachsenen Fünftürers steckt die typische, im Detail teils erstaunlich aufwendig konstruierte Technik. Kernstück und zugleich Hauptkaufargument ist das symmetrisch ausgelegte Allradsystem. Während bei anderen Herstellern große Motorisierungen Grundvoraussetzung für die Bestellung von Allrad sind, gab dies Subaru bereits der Basis mit auf den Weg. Seine Funktion ist unauffällig und überzeugend. Das Drehmoment wird abhängig von der Fahrsituation stufenlos zwischen Vorder- und Hinterrädern geregelt.

Betont unauffällig, aber nicht unharmonisch ist der optische Auftritt des Allrad-Kompakten.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Auch dieser Subaru bietet selbstverständlich Allrad und Boxermotor
Das hat er: Alle Zutaten, die Kenner mit einem klassischen Subaru verbinden: Allrad, Boxermotor und eine brauchbare Grundausstattung gehören zur Markenfolklore. Leider aber auch schlicht gehaltene Kunststoffe und ein gestalterischer Anspruch, den man eher bei fünf bis zehn Jahre älteren Fahrzeugen vermuten würde. Das Cockpit ist selbsterklärend zu bedienen und knisterfrei verarbeitet, wirkt in seiner Aufmachung durch die vielen Schalter, den wenig intuitiven Bordcomputer und kratzempfindliche Details jedoch nicht ganz up to date.

Cockpit mit klassischen Armaturen: Funktion zählt hier mehr als feine Optik.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Besser steht es um das Platzangebot: Die Vordersitze sind selbst für 1,90 Meter große Passagiere passend, die Rückbank ist bis rund 1,85 Meter Körpergröße ausreichend. Konkurrenzfähig ist auch das Kofferraumvolumen mit, je nach Lehnenstellung, 385 bis 1290 Liter Volumen (2.0ie Mildhybrid: 320 bis 1173 Liter). Allerdings sind die Polster eher dünn, was besonders auf Langstrecken zusammen mit dem relativ hohen Autobahn-Innenraumgeräusch für einen leicht getrübten Komforteindruck sorgt. Je nach Budget gab es die Ausstattungslinien Trend, Comfort und den von uns gefahrenen Exclusive sowie Platinum. Der Zweiliter war außerdem als Sport-Variante lieferbar, ohne wirklich sportlich zu sein. Schöner Wohnen ist möglich: Kontrastkeder und Lederpolster sind willkommene Upgrades.
Ein interessantes Sicherheitsfeature ist das hauseigene EyeSight-Fahrassistenzsystem. Es beinhaltet ein Stereo-Kamerasystem inklusive Notbremsassistenten mit Personenerkennung, Kollisionswarner, Spurhalteassistent mit Lenkunterstützung sowie eine normalerweise ordentlich funktionierende adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung für Geschwindigkeiten bis zu 180 km/h.
Technische Daten
1.6i | 2.0i | |
|---|---|---|
Motor | Vierzylinder-Boxer/vorn längs | Vierzylinder-Boxer/vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 |
Hubraum | 1600 cm³ | 1995 cm³ |
Leistung | 84 kW (114 PS) bei 6200/min | 110 kW (150 PS) bei 5600/min |
Drehmoment | 150 Nm bei 3600/min | 194 Nm bei 4000/min |
Höchstgeschw. | 180 km/h | 192 km/h |
0–100 km/h | 11,8 s | 10,0 s |
Tank/Kraftstoff | 50 l/Super | 50 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Eingang CVT/Allrad | Eingang CVT/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4475/1775/1480 mm | 4475/1775/1480 mm |
Kofferraumvolumen | 385-1290 l | 385-1290 l |
Leergewicht/Zuladung | 1404/516 kg | 1536/514 kg |
Fahrwerk: ein guter Kompromiss aus Komfort und Sicherheit
So fährt er: Durch seinen Allradantrieb ist der Impreza ein kompaktes Traktionswunder, das in seiner Leistungs- und Preisklasse kaum Konkurrenz fürchten muss. Unaufgeregt lassen sich nahezu alle erdenklichen Alltagssituationen mit ihm meistern. Die Fahrwerksabstimmung ist ein guter Kompromiss aus Komfort und Sicherheit. Besonders in bergigen Regionen werden seine Allradfähigkeiten geschätzt. Für Geländepartien ist er jedoch komplett ungeeignet. Mäßige 13 Zentimeter Bodenfreiheit führen zwangsläufig früh zu gefährlichen Aufsetzern. Als Alternative bietet sich der technisch eng verwandte, aber als eigenständiges Modell vermarktete XV an.

Zügige Kurven meistert der gekonnt abgestimmte Impreza sicher.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Was der Impreza generell nicht sehr schätzt, sind dynamische Ambitionen seiner Fahrer. Der von uns gefahrene 1600er-Boxermotor hat mit nur 114 PS und 150 Newtonmeter Drehmoment spürbar Mühen, um für adäquaten Vortrieb zu sorgen. Er mag lieber Gleiten, klingt bei hohen Drehzahlen unter Last schnell angestrengt und wird recht durstig. Ebenfalls kein Dynamiker ist der 150 PS starke 2.0i-Boxer. Diesen Eindruck verstärkt das serienmäßige stufenlose Lineartronic-Automatikgetriebe zusätzlich. In Alltagssituationen kräftiger und rund einen Liter sparsamer ist der 156 PS starke 2.0ie Mildhybrid mit 17 PS starkem E-Motor als Unterstützung. Er kann sogar segeln und kurze Strecken lokal emissionsfrei fahren.
Anhängerfahrer können beim Impreza unabhängig von der Motorisierung mit 1200 Kilogramm Anhängelast planen (750 Kilogramm ungebremst). Ein eher mäßiger Wert für einen Allradler der ausgewachsenen Kompaktklasse sind 11,4 Meter Wendekreis.
Stärken
- Allradantrieb leistungsfähig und mechanisch haltbar
- Gutes Sicherheitsniveau
- Garantien lang
Schwächen
- Müder Basismotor
- Im Detail mäßiger Qualitätseindruck
- Benzinverbrauch recht hoch
Nur wenige Mängel trüben den Impreza-Eindruck
Das macht Ärger: Der Subaru-Importeur ist großzügig. Die Neuwagengarantie gilt fünf Jahre oder 160.000 Kilometer. Ungewöhnlich ist die Rostschutzgarantie geregelt: Gegen Durchrostung gibt es die klassentypischen (langen) zwölf Jahre, jedoch nur drei Jahre gegen das bei Subaru in der Vergangenheit immer wieder relevante Thema Oberflächenkorrosion. Teilweise fällt die Benzinpumpe ungewöhnlich früh aus. Ansonsten ist die Mechanik jedoch top!
Das EyeSight-System funktioniert bei schlechtem Wetter oft nur unzureichend oder gar nicht, stürzt außerdem häufiger im Betrieb ab. Nicht immer ganz fehlerfrei arbeiten die Infotainmentsysteme: Systemabstürze und Koppelungsprobleme sind möglich. Die ab Werk verbauten 12-Volt-Starterbatterien sind nicht sonderlich langlebig. Wenn die Scheiben im Auto häufig beschlagen, hat sich womöglich Wasser in der Reserveradmulde gesammelt. Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind für den Impreza lediglich drei Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 7,5 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 177 g/km |
Inspektion | 350-600 Euro |
Haftpflicht (15)* | 435 Euro |
Teilkasko (23)* | 566 Euro |
Vollkasko (21)* | 902 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 230 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 1410 Euro |
|---|---|
Anlasser | 1113 Euro |
Wasserpumpe | 476 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 528 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1117 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 613 Euro |
Infotainmenteinheit | 3123 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 205/50 R17 V) | 560 Euro |
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