Super-Panzer der Zukunft
Europas neue Panzer: mehr Power als ein Supersportwagen

Europas Rüstungshersteller entwickeln moderne Kampfpanzer. AUTO BILD zeigt fünf Exemplare der Zukunft.
Bild: Fabian Hoberg
- Fabian Hoberg
Sie leisten bis zu 1700 PS und kosten so viel wie ein kleiner Privatjet: moderne Kampfpanzer. Europas Rüstungsschmieden tüfteln aktuell an einer neuen Generation gepanzerter Giganten: schneller, schlauer und besser geschützt als alles, was bisher über das Gefechtsfeld gerollt ist.
Unbemannte Türme, künstliche Intelligenz, Drohnen an Bord und Hightech-Sensoren, die selbst im Dunkeln den Überblick behalten. Als Antrieb dient in der Regel ein schwerer Diesel- oder Mehrstoffmotor.
AUTO BILD zeigt fünf Panzer der Zukunft – vom futuristischen NMBT und Leopard 2 A-RC 3.0 über den innovativen KNDS Capint bis hin zum rollenden Drohnenjäger Lynx KF41 Skyranger 30.
New Main Battle Tank (NMBT): Europas Kampfpanzer der Zukunft
Im Juni war er der Star auf der Eurosatory-Messe in Paris: der NMBT – New Main Battle Tank. Dahinter verbirgt sich die nächste Generation eines europäischen Kampfpanzers, der mehr sein soll als nur eine Weiterentwicklung bekannter Modelle: digitaler und stärker vernetzt.

Der NMBT setzt auf Hightech statt nur auf Panzerstahl: KI, Drohnenanbindung und bis zu 1700 PS sollen ihn fit für die Zukunft machen.
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Sensoren überwachen den Luftraum, KI unterstützt bei der Zielerkennung und unbemannte Begleitfahrzeuge erweitern den Aktionsradius. Die Besatzung sitzt besser geschützt tief im Wannenkörper, während der Turm unbemannt arbeitet.
Optisch fällt der NMBT durch den flachen Turm auf. Ein automatisches Ladesystem versorgt die Hauptwaffe, der Ladeschütze entfällt. Als Hauptbewaffnung dient eine 120-Millimeter-Glattrohrkanone, die für leistungsstärkere Kaliber wie 130 oder 140 Millimeter vorbereitet ist.
Dazu kommen fernbedienbare Waffenstationen und Drohnenabwehrsysteme. Ein Active Protection System (APS) erkennt anfliegende Geschosse und zerstört diese rechtzeitig. Radar, Wärmebildkameras und elektrooptische Sensoren überwachen dabei das Umfeld. Dazu kann die Mannschaft Aufklärungsdrohnen und unbemannte Bodenfahrzeuge vom Panzer aus steuern.
Damit die bis zu 65 Tonnen schwere Maschine zügig durchs Gelände kommt, arbeitet ein neuer V12-Hochleistungsmotor von Iveco Defence Vehicles mit bis zu 1700 PS und rund 6000 Newtonmetern Drehmoment im NMBT. Bis zu 65 km/h schnell soll der Panzer damit durchs Gelände fahren können, der Tank reicht auf der Straße für rund 450 Kilometer.
Die Motoren verfügen über Kurbelwellen aus hochlegiertem Stahl sowie vollelektronische Steuerungssysteme. Zweikreis-Kühlsystem, Trockensumpfschmierung und leistungsstarke Turbolader sorgen für eine kompakte Bauweise und schnelles Ansprechverhalten.
Das IDV-Steuerungssystem bietet verschiedene Betriebsmodi: Boost, Continuous, Eco (!) und APU (Erzeugung elektrischer Energie). Rheinmetall und Leonardo planen mit einer Fertigstellung gegen 2029.
Technische Daten NMBT
- Gewicht: 55 bis 65 t
- Besatzung: 3 bis 4
- Leistung: bis zu 1700 PS
- Geschwindigkeit: über 65 km/h
- Reichweite: rund 450 km
- Hauptbewaffnung: 120-mm-Glattrohrkanone, vorbereitet für 130 oder 140 mm
- Autolader
- Active Protection System
- Drohnen- und UGV-Steuerung
- offene digitale Systemarchitektur
KNDS Capint: der Leopard-Erbe mit Science-Fiction-Turm
Der Capint (Capacité Intermédiaire) ist die französische Antwort auf die Verzögerungen beim Main Ground Combat System (MGCS). Heißt: kein komplett neuer Panzer, sondern "nur" ein neuer Turm. Eine Zwischenlösung und Nachfolger des Leclerc bis zum neuen MGCS, der erst in den 2040ern erwartet wird.
Daher kombiniert KNDS das bewährte Leopard-2A8-Fahrgestell mit dem neu entwickelten französischen Ascalon-Turm.

Alter Unterbau, neue Technik: Beim Capint trifft die Leopard-Plattform auf einen futuristischen Hightech-Turm.
Bild: Fabian Hoberg
Auf den ersten Blick erinnert der Capint eher an ein Science-Fiction-Fahrzeug als an einen klassischen Kampfpanzer. Im extrem flachen Turm arbeiten keine Besatzungsmitglieder. Alle drei Soldaten sitzen im stark geschützten Bug der Wanne.
Die Hauptbewaffnung besteht aus einer automatisch geladenen 120-Millimeter-Ascalon-Kanone für Nato-Munition, die auf eine 140-Millimeter-Version umgerüstet werden kann. Dazu kommen Maschinenwaffen und Systeme zur Drohnenabwehr.
Als Antrieb für das rund 60 Tonnen schwere Gefährt sorgt der bekannte MTU-V12 aus dem Leopard. Aus 47,6 Litern Hubraum schöpft der Mehrstoffmotor mindestens 1500 PS und entwickelt rund 4700 Newtonmeter Drehmoment. Damit soll der Panzer bis zu 65 km/h schnell fahren können. Ziel ist eine Einführung in den 2030er-Jahren.
Technische Daten KNDS Capint
- Gewicht: etwa 60 t
- Besatzung: 3
- Motor: Leopard-2-Antrieb MTU V12 mit 1500 PS
- Geschwindigkeit: über 65 km/h
- Reichweite: etwa 450 km
- Hauptwaffe: Ascalon 120 mm
- Option: 140-mm-Kanone
- Autolader mit rund 22 Schuss
- unbemannter Turm
- Active Protection System
- Drohnenintegration und Robotik-Anbindung
Leopard 2 A-RC 3.0: Der Klassiker wird zum Zukunfts-Panzer
Ein Klassiker unter den Kampfpanzern ist der Leopard 2, derzeit in der Version 2A8. In den nächsten Jahren können sich Armeen aber über ein umfangreiches Update freuen.
Beim Leopard 2 A-RC 3.0 kommen eine neue Frontpartie, ein flacher unbemannter Turm und mehr Schutz zum Einsatz. Die automatische Ladeeinrichtung schafft drei Schuss in zehn Sekunden und kann verschiedene Kaliber aufnehmen. Für 42 Patronen ist Platz im Heck.

Der Leopard 2 wird fit für die Zukunft: Beim A-RC 3.0 wandert die Besatzung geschützt in die Wanne.
Bild: Fabian Hoberg
Sensoren überwachen das Gefechtsfeld, Drohnen können direkt vom Fahrzeug aus gesteuert werden, und sämtliche Systeme arbeiten über eine digitale X-by-Wire-Architektur. Fahrer, Kommandant und Richtschütze sitzen dabei tief geschützt in der Wanne.
Wie beim Capint setzt auch der neue Leo wahrscheinlich auf den MTU-V12 MB 873 Ka-501 mit 47,6 Litern Hubraum und mindestens 1500 PS, damit die rund 62 Tonnen Stahl auf über 65 km/h beschleunigen können.
Technische Daten Leopard 2 A-RC 3.0
- Gewicht: unter 62 t
- Besatzung: 3
- Motor: MTU V12 mit rund 1500 PS
- Höchstgeschwindigkeit: über 65 km/h
- Reichweite: etwa 460 km
- Hauptbewaffnung: 120-mm-L55/L44
- vorbereitet für 130 oder 140 mm
- RCWS mit 30-mm-Kanone
- Lenkflugkörper optional
- Active Protection System
- Autolader
- Drohnenbekämpfung integriert
- vollständig digitalisierte Feuerleitung
- Sensorfusion für 360°-Lagebild
Carpat CFL-120: der schnelle Leichtgewicht-Panzer
Die Türkei und Tschechien entwickeln derzeit mit dem Carpat CFL-120 einen Feuerunterstützungspanzer auf Basis der Kaplan-MT-Plattform. Bislang handelt es sich um ein Konzept.
Im Gegensatz zu klassischen Kampfpanzern liegt der Schwerpunkt auf hoher Mobilität und strategischer Verlegefähigkeit. Mit seinem 120-Millimeter-Geschütz bietet der Carpat fast die Feuerkraft eines Kampfpanzers, bleibt aber deutlich leichter.
Damit eignet er sich für schnelle NATO-Einsätze, Gebirgsgelände oder Regionen mit schwächerer Infrastruktur. Auch beim Transport bietet ein leichter Panzer Vorteile.

Der Carpat CFL-120 ist der Leichtathlet unter den Kettenfahrzeugen – mit 120-mm-Kanone und bis zu 70 km/h Spitze.
Bild: Fabian Hoberg
Für Durchblick sorgt eine moderne Sensorausstattung mit stabilisierten Tages- und Wärmebildkameras sowie einem präzisen Laserentfernungsmesser. Mit der Hunter-Killer-Fähigkeit kann der Kommandant bereits das nächste Ziel anvisieren, während der Richtschütze noch das vorherige bekämpft.
Als Antrieb des rund 35 Tonnen "leichten" Panzers dient ein Diesel mit über 710 PS, der den Carpat auf bis zu 70 km/h beschleunigt. Im Straßenbetrieb fährt der Panzer mit einer Tankfüllung bis zu 450 Kilometer weit.
Technische Daten Carpat CFL-120
- Gewicht: voraussichtlich rund 35 t
- Hauptwaffe: 120-mm-Glattrohrkanone
- Besatzung: vermutlich 3 bis 4
- moderne Feuerleitanlage
- hohe strategische Mobilität
- NATO-kompatible Munition
Lynx KF41 Skyranger 30: der Drohnenjäger auf Ketten
Der Lynx KF41 Skyranger 30 verbindet den modernen Schützenpanzer Lynx mit dem Flugabwehrsystem Skyranger 30. Heraus kommt eines der modernsten mobilen Nahbereichsflugabwehrsysteme Europas.
Im Mittelpunkt steht eine 30-Millimeter-Revolverkanone mit programmierbarer Airburst-Munition. Diese kann Drohnen, Marschflugkörper, Hubschrauber und tief fliegende Flugzeuge bekämpfen.
Unterstützt wird das System durch Radar, elektrooptische Sensoren und optional integrierte Flugkörper.

Statt gegen Panzer kämpft der Lynx Skyranger vor allem gegen Bedrohungen aus der Luft – mit Radar und 30-mm-Kanone.
Bild: Fabian Hoberg
Der Vorteil: Der Lynx kann Ziele selbstständig entdecken, verfolgen und bekämpfen. Dazu kommen die Stärken der Plattform: hohe Beweglichkeit, modulare Panzerung und eine digitale Fahrzeugarchitektur.
Als Antrieb des bis zu 45 Tonnen schweren Lynx von Rheinmetall dient ein echtes Arbeitstier: ein Liebherr-Sechszylinder-Turbodiesel mit 18 Litern Hubraum und bis zu 1200 PS, der den Panzer bis zu 70 km/h schnell macht.
Technische Daten Lynx KF41 Skyranger 30
- Fahrzeug: Lynx KF41
- Gewicht: etwa 50 t (je nach Konfiguration)
- Besatzung: 3
- Motorleistung: über 850 kW (ca. 1200 PS)
- Geschwindigkeit: rund 70 km/h
- Hauptwaffe: 30-mm-Oerlikon-Revolverkanone
- programmierbare AHEAD-Munition
- optional Flugabwehrraketen
- 360°-Radar
- elektrooptische Zielverfolgung
- Active Protection System optional
- Airburst-Munition gegen Drohnenschwärme
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