Suzuki Ignis: Gebrauchtwagen-Test
Kann der gebrauchte Ignis langfristig überzeugen?

Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Kurz und multifunktional ist sein Anspruch. Die dritte Generation des Suzuki Ignis baut kürzer als Polo und Co, fährt auf Wunsch mit Allrad und in recht individuellen Looks vor. Das japanische Mikro-SUV lässt sich in kein 08/15-Format pressen. Das gilt optisch, technisch und auch konzeptionell. 2016 rollte die dritte Generation erstmals in die Verkaufsräume der Händler.
Unter dem knuffigen Blechkleid steckt Suzukis "Heartect"-Plattform, die leicht und dennoch recht crashstabil baut. Unabhängig vom Baujahr ist der Ignis ein City-Flitzer mit großen Ambitionen, der auf dem Gebrauchtmarkt als Geheimtipp taugt – besonders für Individualisten mit Sinn für niedrige Unterhaltskosten und smarte Detaillösungen.
Der kleine Ignis ist verblüffend geräumig
Das ist er: Der Auftritt des Suzuki Ignis ist der eines SUV im Taschenformat. Kurze Überhänge, eine aufrechte Bauform und ein hohes Dach machen den Ignis im Innenraum verblüffend geräumig. Auf den vorderen Plätzen können es selbst zwei groß gewachsene Erwachsene gut aushalten. Die zweiteilig verschiebbare Rückbank kann je nach Bedarf Fondpassagieren oder Ladegut enorme Platzvorteile ermöglichen.

Breite Radläufe, stämmige C-Säulen und Dachreling sind Showeinlagen.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Das dezente Facelift des Modelljahrs 2020 brachte einen moderneren LED-Augenaufschlag und "U"-Grill, ein aufgehübschtes Cockpit, milde Hybrid-Unterstützung und neue Stoßfänger. Innen zog mehr Farbe ein. In Summe gab es keine Modellrevolution – aber Feinschliff für den Alltag. Angetrieben wird der 3,70-Meter-Zwerg von einem bei Suzuki erprobten 1,2-Liter-Vierzylinder-Benziner (K12D), der in unserem Testwagen 90 PS leistet.
Ab Facelift hat der Benziner nur noch 83 PS, wird dafür aber stets von einem SVHS-Mildhybridsystem mit Startergenerator unterstützt. Was einen guten halben Liter Sprit spart. Die Leistung reicht noch immer, um in manchem Ampelsprint zu bestehen und gleichzeitig den Praxisverbrauch auf unter sechs Liter zu senken.
Hartplastik ist Leitthema, aber die Verarbeitung stimmt
Das hat er: Pragmatismus statt Pomp ist das Konzept des Suzuki Ignis. Der Innenraum will im Alltag mit guten Ideen statt Luxus punkten. Die Sitzposition ist leicht erhöht, die Übersicht mustergültig. An den Materialien erkennt man den Kostendruck: Hartplastik ist Leitthema, aber zum Glück recht solide verarbeitet, alltagstauglich und einfach zu pflegen.
Besonders clever: Die Rücksitze sind bei höheren Ausstattungen einzeln längs verschiebbar, was dem Kofferraum variable Volumen von 260 bis 514 Litern beschert. Umgelegt entsteht ein großzügiger Laderaum – da kann sich mancher Kompakter ein Scheibchen abschneiden.

Ein Fahrerplatz der aufgeräumten Sorte: ehrliche Schalter, logisches Layout. Ein paar Farbtupfer würzen die Plastiklandschaft.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Ab Werk bringt der kleine Ignis einiges mit, wenn man nicht gerade auf die schlichte Basisvariante schielt: Klimaanlage, elektrische Fensterheber und CD-Radio sind eigentlich ausreichend. In der Topausstattung Comfort+ gibt es zusätzlich Fahrassistenten, Navi, Rückfahrkamera, Sitzheizung und schlüssellosen Zugang. Der Notbremsassistent war ab dem Facelift Standard.
Das ungefilterte Fahrerlebnis kann durchaus gefallen
So fährt er: Der Suzuki Ignis fährt verblüffend agil. Dank kurzer Karosserie, straffem Fahrwerk und knackigem Wendekreis (nur 9,4 Meter!) wuselt der Ignis spielerisch durch enge Gassen. Auf der Landstraße bleibt er recht neutral und sicher, leicht abwegig darf es mit dem optionalen Allradantrieb werden. "Allgrip Auto" nennt Suzuki das System, das vollautomatisch über eine Viscokupplung die Hinterachse zuschaltet, wenn es für die angetriebenen Vorderräder eng wird. In Kombination mit 180 Millimeter Bodenfreiheit macht das den Ignis zu einem durchaus engagierten Mini-Alltags-Offroader für Schnee, Schotter und steile Alpenpässe.

Gemessen an der schmalen Karosserie fällt die Spur breit aus. Was in Kurven Spaß verspricht.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Motorisch gibt es leichte Kost: 1,2 Liter, 90 PS und 120 Newtonmeter Drehmoment klingen nach wenig, reichen für das 0,9-Tonnen-Leichtgewicht mit unter vier Meter Länge jedoch mehr als aus. Der Motor dreht willig, das manuelle Getriebe ist passend abgestuft. Wer es bequemer mag, konnte das automatisierte Schaltgetriebe (AGS) wählen – bekam jedoch ein eher holprig schaltendes System, das auf dem Gebrauchtmarkt eher selten ist.
Stärken
- Cleveres Raumkonzept
- Agiles Fahrverhalten
- Optionaler Allrad
Schwächen
- Arg minimalistische Basisausstattung
- Komfortniveau überschaubar
- Spartanische Details
Der robuste Ignis braucht sich nicht zu verstecken
Das macht Ärger: Der deutsche Suzuki-Importeur bot drei Jahre oder 100.000 Kilometer Neuwagengarantie sowie zwölf Jahre Garantie gegen Durchrostung. Der Ignis ist ein Japaner wie aus dem Bilderbuch. Er ist kein Hochwertauto, wirkt aber durchdacht konstruiert und macht vernünftig gewartet erstaunlich lange wenig Ärger. Seine Technik ist robust, Ölverlust oder Rost sind seltenst ein Thema. Bremsen, Lenkung, Achsen – bis auf die Federn wirkt alles recht langlebig.
Allerdings gibt es auch einige kleinere und größere Schönheitsfehler: Die Innenraumoberflächen und das Armaturenbrett sind funktional, aber keineswegs knisterfrei konstruiert. Bei schweren Fahrern bauen Polster und Stoffe der Sitze frühzeitig ab. Die Qualität der Lackierung wirkt besonders an versteckten Stellen arg dünn und kratzempfindlich.
Das automatisierte Getriebe schaltet träge und wenig harmonisch. Die Kupplung lässt sich schlecht dosieren, der Rückwärtsgang hakt häufiger. Das Infotainmentsystem kann instabil sein und stark verzögert reagieren, der Radioempfang ist zudem mäßig.
Wer sich für eine Allrad-Variante interessiert, sollte gezielt das Nutzungsprofil der Vorbesitzer abklopfen und den Unterboden auf Schäden checken. Denn der Ignis ist ein kerniges Kerlchen, aber gewiss kein Geländewagen!
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 5,3 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 107 g/km |
Inspektion | 250-500 Euro |
Haftpflicht (17)* | 664 Euro |
Teilkasko (19)* | 769 Euro |
Vollkasko (17)* | 1047 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 50 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 512 Euro |
|---|---|
Anlasser | 364 Euro |
Wasserpumpe | 319 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 290 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1170 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 493 Euro |
Radiosystem | ab 1053 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 175/60 R 16 H) | 500 Euro |
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