Tankstellenbetreiber gegen Ladesäulen-Pflicht
BP kritisiert Ladesäulenpflicht an Tankstellen

Die Bundesregierung plant eine Pflicht zum Bau von Ladestationen an Tankstellen. Der Europa-Chef des Mineralöl-Konzerns BP hält das für unsinnig.
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Eine Million öffentliche Ladepunkte soll es bis 2030 in Deutschland geben. Dazu nimmt die Bundesregierung auch Tankstellenbetreiber in die Pflicht: Nach Plänen des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) sollen bis 2028 alle größeren Tankstellen mindestens einen Schnellladepunkt bereitstellen.
Doch bei einigen Tankstellenbetreibern stößt die geplante Ladesäulen-Pflicht auf Kritik. Patrick Wendeler, Europa-Chef des Mineralöl-Riesen BP, zu dem auch Aral gehört, fordert nun Ausnahmeregelungen.
BP-Chef pocht auf flexiblere Regelung
Im Interview gegenüber WELT am SONNTAG spricht sich Wendeler klar gegen die geplante Ladesäulen-Pflicht für Tankstellen aus. Eine solche Versorgungsauflage sei ein "unsinniges planwirtschaftliches Instrument". Die Ladesäulen-Pflicht führe demnach dazu, dass BP Ladesäulen auch an Orten errichten müsse, "an denen kein Platz dafür ist oder an denen unsere Kunden sie nicht haben wollen".
Aus diesem Grund pocht Wendeler auf Ausnahmeregelungen: Stelle das Unternehmen etwa bereits an einem benachbarten Supermarkt Ladesäulen zur Verfügung, soll die Ladesäulen-Pflicht für die jeweilige Tankstelle entfallen, so der Vorschlag des BP-Vorstandsvorsitzenden.
Bürokratische Hürden bremsen Ladenetz-Ausbau
BP hat es sich zum Ziel gemacht, bis 2030 rund 20.000 Schnellladepunkte an Aral-Stationen zu errichten. Daran hält der Konzern auch vor dem Hintergrund der zuletzt gebremsten Nachfrage von E-Autos fest. Nach Einschätzung Wendelers sei das zwar ein kurzfristiger Rückschlag, langfristig werde sich die Elektromobilität jedoch durchsetzen.
Die Akzeptanz für Elektroautos sei außerdem schon jetzt hoch. Das zeige etwa die Nutzungsrate des Ladenetzwerks des Mineralöl-Riesen: In den vergangenen elf Monaten habe BP die Nutzungen seiner Ladepunkte demnach von einer Million auf 2,5 Millionen steigern können. Gleichzeitig bemängelt Wendeler bürokratische Hürden, die zu Verzögerungen bei durchschnittlich jedem zweiten Ladestationen-Bau führen würden. "Wir könnten heute 1.000 Ladesäulen mehr in der Nutzung haben, wenn die Behörden schneller arbeiten könnten", so Wendeler.
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