Die Sache ist klar, wenn man das Schild sieht: Der Hinweis auf ein Tempolimit, zum Beispiel 80 km/h, versehen mit dem Hinweis "bei Nässe" darunter. Bedeutet: Ist es nass, darf man nur 80 km/h fahren. Ist es trocken, geht es deutlich schneller, dann gilt die ansonsten vorgegebene Geschwindigkeit.
Ein ähnliches Verkehrszeichen zeigt ebenfalls Tempo 80, ergänzt aber mit einer Schneeflocke. Heißt dann: Tempo 80 bei Schnee? Nein! Viele Autofahrer fallen auf diesen Irrtum allerdings herein.

Autofahrer werden überrascht

"Die unterschiedliche Bedeutung der Zusatzzeichen 'bei Nässe' und die Schneeflockentafel unter einem Tempolimit, überrascht nicht wenige meiner Mandanten", sagt Tom Louven, Rechtsanwalt für Verkehrsrecht im Auftrag von geblitzt.de bei Bild: "Aus verkehrsrechtlicher Sicht ist die Bedeutung vollkommen anders."
Einerseits gilt beim Schild "bei Nässe" die Geschwindigkeitsbegrenzung wirklich nur dann, wenn die Fahrbahn auch tatsächlich nass ist. Dabei reicht es übrigens auch schon, wenn ein kleiner Wasserfilm die Straße bedeckt.
Die Schneeflocke allerdings soll lediglich darauf hinweisen, dass die Straße an dieser Stelle bei Schnee besonders gefährlich ist. Mit dem Tempolimit hat das nichts zu tun.

Tempolimit gilt auch bei Sonne

Sobald also Tempo 80 angekündigt wird, gilt Tempo 80 – ganz egal, ob die Schneeflocke dabei ist oder nicht. Tempo 80 gilt also in jedem Fall, und zwar das ganze Jahr über, egal bei welchem Wetter. Denn das Schild ist als Erklärung zu verstehen, nicht wie as Zusatzschild "bei Nässe", das dem Autofahrer einen gewissen Raum für die persönliche Einschätzung lässt.
Das Oberlandesgericht Hamm hatte sich 2014 mit dem Thema befasst und einen Einspruch gegen eine Geldbuße wegen Geschwindigkeitsüberschreitung zurückgewiesen. "Anders als bei dem Schild bei Nässe enthält das vorliegende Zusatzschild eben gerade keine solche verbale zeitliche Einschränkung", hieß es damals.
Louven betont deshalb: "Ist etwa Tempo 80 vorgeschrieben, ist diese Geschwindigkeit auch unbedingt einzuhalten."