Test-Highlight 2025: Ferrari 12Cilindri Spider
Offen, laut, unverwechselbar: Ferraris Spider verabschiedet eine Ära

9000 Touren, offener Himmel, reiner V12‑Purismus: Der 12Cilindri zeigt, warum Ferraris letzte große Ikone noch lange unvergessen bleibt.
Bild: Lena Willgalis
- Guido Komp
Zwölfzylinder-Spider. Klingt zu simpel, bis man ihm das erste Mal die Drehzahlnadel ins Rote sticht. Dort oben in den 9000ern, wo dem Rasen seines Herzens kein analoger Zeiger folgen könnte und die beängstigende Vehemenz seines Vortriebs unter freiem Himmel im Fortissimo gipfelt, setzt sich der Ferrari-V12 sein eigenes Denkmal. Als ahne er, dass er mal wieder der Letzte seiner Art sein könnte.
Fragwürdig am12Cilindri blieb eigentlich nur, ob ihm durch die grantouristischere Auslegung die Fahrdramatik der Vorgänger abhandengekommen war. Mitnichten, wie wir Anfang 2025 bei unserem Vergleich mit dem Vanquish erfahren durften.

Das Drehzahl-Inferno dieses optischen wie technischen V12-Meisterwerks entfacht 830 PS bei 9250 Umdrehungen.
Bild: Lena Willgalis
Und hier und heute, DEKRA-Lausitzring? Die Boxengasse und die gespenstig großen Tribünen verstummen in Ehrfurcht, als der V12 nach hellem Anlasserwiehern seine Stimme erhebt, das Spiderdach zwei bildhübsche orangene Lederschalen unter der Sonne entblößt und der in Verde Toscana lackierte Italiener entlang der Pitwall auf seine erste Runde flaniert.
Der Fahrer entscheidet über die Dramatik
Wie ein Dressurpferd tippelt der 12Cilindri beim Einlenken auf leichten Füßen, wirkt dabei jedoch weniger nervös, als man es von den Heißblütern aus Maranello bis zuletzt gewohnt war. Die Lenkung, nun deutlich zutraulicher im Zugriff, biegt den Radstand mit individuell gelenkten Hinterrädern auf Cinquecento-Format.
Dabei forciert sie nicht nur die reine Agilität, sondern agiert anhand der Lenkimpulse des Fahrers als vorausschauende Unterstützung der Vorderachse. Die führt ihrerseits so federleicht zum Scheitel, dass man wirklich alles unter der langen Front vermuten möchte, bloß keinen schweren V12. Elegant auf Linie gefahren oder verspielt: Allein der Fahrer wird zum Provokateur, wenn im Anklingen einer neuen Zwölfzylinder-Arie hin und wieder mal vergessen wird, welche Gewalt die Elektronik zu zügeln hat.

Der hohe Hintern schafft Platz fürs Spiderdach. Die Dachholme zitieren 812 GTS und 575 Superamerica.
Bild: Lena Willgalis
So steht im Zentrum jeder Genussfahrt stets nur einer, als Quelle aller Emotionen: der Namensgeber. 6,5 Liter infernalischer Drehzahlpurismus, überlebensgroß in Klang und Gloria, ganz ohne Geschmacksverstärker und künstliche Zusätze. Und das hoffentlich noch viel länger, als wir alle denken.
Technische Daten: Ferrari 12Cilindri Spider
- Motor: V12
- Hubraum: 6496 ccm
- Leistung: 830 PS
- Max. Drehmoment: 678 Nm
- Antrieb: Hinterrad
- Getriebe: 8-Gang-Doppelkupplung
- Gewicht: 1620 kg
- Beschleunigung: 0-100 km/h in 2,9 s
- Höchstgeschwindigkeit: 340 km/h
- Preis: 435.000 Euro
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